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Wachsendes Transaktionsvolumen Blockbuster Deals bescheren Life Sciences M&A-Rekordjahr

| Redakteur: MA Alexander Stark

Im vergangenen Jahr ist das Transaktionsvolumen der angekündigten Fusionen und Übernahmen in den Branchen Life Sciences und Chemie auf 579 Milliarden Euro gestiegen. Im Vergleich zu 2018 (344,5 Milliarden Euro) ist dies ein Plus von 60 %. Dabei ging die Zahl der Transaktionen leicht zurück: von 3894 auf 3735. Das zeigt eine KPMG-Analyse, die auf Zahlen von Thomson Reuters beruht.

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Blockbuster Deals sorgen 2019 für ein M&A-Rekordjahr in Life Sciences.
Blockbuster Deals sorgen 2019 für ein M&A-Rekordjahr in Life Sciences.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

München – Einige wenige Blockbuster Deals haben im vergangenen Jahr im Wesentlichen für eine Zunahme des Transaktionsvolumens in der Life-Science-Branche im oberen zweistelligen Milliardenbereich geführt. Die Chemiebranche war insbesondere durch die Akquisition der Saudi Basic Industries (62,4 Milliarden Euro) im Bereich Petrochemie geprägt. Vor allem in den USA und China waren in beiden Sektoren rege M&A-Aktivitäten zu verzeichnen.

Onkologie-Deals und Portfolio-Reorganisationen dominieren

Die Onkologie war auch 2019 wieder das aus Investorensicht attraktivste Therapiegebiet. Vor allem US-Pharmaunternehmen sind mehrfach unter den weltweit zehn größten Transaktionen vertreten: So kündigte Bristol-Myers Squibb Anfang des Jahres die Übernahme von Celgene für 81,6 Milliarden Euro an. Mit dem hochkomplementären Portfolio von Celgene verstärkt Bristol-Myers Squibb sein Erfolgspotenzial für zukünftige Umsätze auf dem Gebiet der Entwicklung und Vermarktung von Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und chronisch-entzündlicher Erkrankungen.

Aber auch der Auslauf von Patenten bedingt regelmäßig, dass sich Unternehmen der Life-Sciences-Branche frühzeitig nach neuen Einnahmequellen in Form von Akquisitionen umschauen. Beispielsweise verlor Pfizer 2019 die Exklusivität am Medikament Lyrica oder Abbvie 2018 die exklusiven Rechte an Humira. Im Zuge der strategischen Weiterentwicklung des Produktportfolios investierte Abbvie 57,1 Milliarden Euro in die Übernahme von Allergan, ein global tätiges Pharmaunternehmen, das sich auf pharmazeutische Geräte und chirurgische Medizinprodukte spezialisiert hat.

Eine Konzentration auf das Kerngeschäft ist zudem eine weitere Strategie, die Unternehmen zum Verkauf von Teilbereichen motiviert. So kündigte Bayer den Verkauf des Bereichs Tiergesundheit an Elanco Animal Health für 6,9 Milliarden Euro an. Grund hierfür war die Zielvorgabe, Schulden abzubauen und das Rating zu verbessern.

Biotechs als Hidden Champions des M&A Mid-Cap-Bereichs

Auch wenn das Jahr 2019 keine Blockbuster-Deals im Biotech-Bereich hervorgebracht hat, sind Biotech-Unternehmen weiterhin gefragte Übernahmeziele: Fast die Hälfte aller Mid-Cap-Übernahmen zielte im Kalenderjahr auf Biotech-Unternehmen ab.

Für das Jahr 2020 gehen die Analysten von KPMG auch weiterhin von einer äußerst regen M&A-Aktivität im Life Science-Sektor aus. Life Science-Unternehmen würden weiterhin das Ziel verfolgen, ihr Portfolio zu optimieren und das Kerngeschäft ausbauen, so Christian Klingbeil, Partner im Bereich Deal Advisory Life Sciences & Chemicals bei KPMG in Deutschland. Hierbei würden pharmazeutische Unternehmen ihre Übernahmeaktivitäten weiterhin auf Biotech-Unternehmen ausrichten, um ihre Pipeline gezielt mit Wirkstoffkandidaten auszubauen, die sich etwa in der Spätphase der Entwicklung befinden. Insgesamt geht Klingbeil für das Kalenderjahr 2020 davon aus, dass mittelgroße Transaktionen sowie strategische Allianzen den Markt beherrschen werden.

Chemie: Druck zu Portfoliooptimierung und Spezialisierung steigt

Im Chemiesektor wurden 2019 967 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 126 Milliarden Euro angekündigt. Damit zeigt die Branche im Hinblick auf die Anzahl der Transaktionen im Vergleich zum Vorjahr (1062 Transaktionen) eine leicht abgeschwächte Entwicklung. Das Gesamtvolumen der Transaktionen war mit 70 Milliarden Dollar - bereinigt um die Sabic-Transaktion im Bereich Petrochemie in Höhe von rund 63,5 Milliarden Euro - ebenfalls rückläufig im Vergleich zum Jahr 2018 (76 Milliarden Euro).

Die Verbesserung und Optimierung des Produktportfolios sowie eine weitere Spezialisierung und Fokussierung auf das Kerngeschäft waren im abgelaufenen Geschäftsjahr die Ursache mehrerer Großtransaktionen. So erwarb beispielsweise die Merck den Elektronikmaterialien-Hersteller Versum Materials, um der führende Anbieter für Elektronikmaterialien für die Halbleiter- und Displayindustrien zu werden. Im Rahmen von Portfoliobereinigungen und einhergehenden Carve Outs bzw. Desinvestitionen waren abweichend zu den Vorjahren im Wesentlichen Private-Equity-Gesellschaften die Erwerber. So verkaufte BASF die Bauchemiesparte an Lone Star bzw. Evonik Industrie veräußerte das Methacrylat-Geschäft an Advent International.

Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber in der Kunststoff- und Plastikindustrie

Innerhalb des Chemie-Subsektors Kunststoffe und Plastik spielten Nachhaltigkeitsaspekte eine zentrale Rolle. Sowohl für das Recycling von herkömmlichen erdöl-basierten Kunstoffen als auch für das sogenannte Bioplastik und bioabbaubares Plastik werden in den kommenden fünf Jahren deutliche Wachstumsraten erwartet. Die Transaktionsaktivitäten der Unternehmen waren in 2019 in diesem Segment allerdings noch primär von kleineren Deals geprägt und verzeichneten bislang noch keine Großtransaktionen.

Vor dem Hintergrund der nur sehr moderaten globalen Wachstumserwartungen und bedingt durch die aktuellen geopolitischen Risiken gehen die Analysten für das Jahr 2020 insgesamt von einer stabilen, aber nicht ansteigenden Transaktionsaktivität in der Chemieindustrie aus. Die Optimierung des Produkt- und Serviceportfolios sollen dabei auch im kommenden Geschäftsjahr zu gezielten Zukäufen sowie weiteren Desinvestitionen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden operativen Geschäftsaktivitäten durch Carve-Outs führen, so KPMG.

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