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Wasserstoff-Durchbruch in Sicht? Wasserstoff vom Discounter: Kommt der große H2-Preisrutsch?

Redakteur: Dominik Stephan

Power-to-X, Carbon Capture and Utilization (CCU) oder das „grüne“ Stahlwerk: Alle reden vom Wasserstoff. Auch Flugzeugbauer Airbus will in 15 Jahren mit H2 abheben. Aber wer soll das bezahlen? Tatsächlich soll das Märchen vom teuren Gas genau das sein – ein Märchen. Das sagen zumindest Marktanalysten wie Block Builder und erwarten weitere Preisrutsche.

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Wasserstoff steht kurz vor dem Abheben, glaubt auch Airbus: Das Konzept Zero-e soll einen typischen Widebody-Verkehrsjet mit über 2000 Meilen Reichweite beflügeln. Für den Antrieb sorgt ein Wasserstofftank im Rumpfheck und modifizierte Mantelstrom-Strahltriebwerke.
Wasserstoff steht kurz vor dem Abheben, glaubt auch Airbus: Das Konzept Zero-e soll einen typischen Widebody-Verkehrsjet mit über 2000 Meilen Reichweite beflügeln. Für den Antrieb sorgt ein Wasserstofftank im Rumpfheck und modifizierte Mantelstrom-Strahltriebwerke.
(Bild: Airbus)

Grüne Chemie, emissionsneutrale Produktion und natürlich der Verkehr der Zukunft; Wasserstoff soll es richten, scheint es. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf ist das leichte Gas plötzlich zentraler Bestandteil nahezu jeder De-Fossilierungs-Vision und wird wieder als heißer Konkurrent zu batterieelektrischen LKW, Bussen und Autos gehandelt.

Dazu kommt: Wasserstoff wird immer günstiger. So fiel der Preis für „grünes“ Elektrolysegas zwischen 2015 bis 2020 um 50 Prozent, erklären die Blockchain- und Finance-Spezialisten Block Builders. Bis 2025 könnte der Preis Prognosen zufolge sogar um weitere 30 Prozent sinken.

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Wasserstoffautos zum Polo-Preis sind möglich

Auch in puncto Kaufpreis von wasserstoffbetriebenen PKW zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: So entwickelte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein preisgünstiges Modell, welches bereits zum Preis eines VW-Polo (für rund 15.000 Euro) zu haben sein könnte. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Kaufpreis eines konventionellen Neuwagen-PKW in Deutschland beläuft sich auf derzeit etwa 33.580 Euro.

Als großen Vorteil derartiger Fahrzeuge mit Brennstoffzelle gilt neben der großen Reichweite der schnelle Turnaround an der Tankstelle, der kaum länger dauert als bei Benzin- oder Diesel-PKW. Doch machen sich viele Autofahrer Sorge, von der Gasinfrastruktur abgeschnitten zu sein und im Fall der Fälle keine H2-Zapfsäule zu finden. Zwar ist Deutschland schon heute mit 86 europäischer Spitzenreiter in Sachen Wasserstofftankstelle (zum Vergleich: In Österreich finden sich gar nur fünf H2-Tankstellen und in der Schweiz drei), doch stehen dem etwa 14.000 konventionelle „Tanken“ gegenüber. Die Fraunhofer Institute kommen in Berechnungen zu dem Ergebnis, dass Fernverkehr und LKW in Deutschland mindestens 140 Tankstellen bräuchten.

Vom Netzwerk bis zur Tankstelle: Hier wird die Wasserstoffzukunft schon heute Realität!

Doch auch hier könnte ein Wandel bevorstehen: In Zukunft könnten kleine „Mikrotankstellen“ in jedem Keller stehen, meint jedenfalls Andreas Züttel, Direktor des Materiallabors für erneuerbare Energie an der EPFL in Lausanne. Der Forscher hat mit dem EPFL-Spinoff einen Elektrolyseur für den Hausgebrauch entwickelt, der etwa fünf Kilogramm Wasserstoff speichert (genug für eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern im PKW).

Tankstelle für Jeden: Haben Sie noch etwas H2 im Keller?

Dass das gesamte System nicht viel größer als eine Waschmaschine ist, verdankt verdankt sich einem Trick: Die H2-Moleküle werden bei lediglich fünf Bar Überdruck und Raumtemperatur an einem Metallhydrid absorbiert, was die extrem aufwändige tiefkalte Speicherung als Flüssiggas unnötig macht. Eine Produktion deartiger „H2-Wallboxes“ könnte schon 2021 anlaufen, so Züttel.

Fünf Kilo Wasserstoff sind für einen PKW eine ganze Menge – für ein großes Verkehrsflugzeug jedoch etwas wenig. An entsprechenden Konzepten, Wasserstoff fast ein Jahrhundert nach den letzten großen Zeppelinen wieder in die Luft zu bekommen, arbeitet unter anderem Airbus.

Toyota wiederum setzt insbesondere im LKW-Bereich auf Wasserstoff. Doch auch im privaten Bereich könnte die Technologie Einzug halten. Prognosen zufolge könnte der Anteil der Wasserstoff-Fahrzeuge am Gesamtmarkt der PKW im Jahr 2050 rund 35 Prozent betragen. Indes wittern auch die Börsianer Chancen. Einzelne Wertpapiere in besagtem Segment kletterten binnen eines Jahres um bis zu 450 Prozent nach oben. „Immer mehr Akteure investieren in die Wasserstoff-Technologie und sehen hierin große Chancen“, so Block-Builders-Analyst Raphael Lulay. „Dennoch gibt es nach wie vor große Hürden. Allerdings macht die Erhebung deutlich, dass es bei zahlreichen herausfordernden Bereichen zuletzt erhebliche Fortschritte gab“.

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