Newsticker Mai: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Chemie-Unfall in USA: Sechs der neun Vermissten tot geborgen +++ Säure tritt bei Arzneimittelfirma in Karlsruhe aus

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26.05.2026

Los Angeles (dpa) *08:35 Uhr – Chemietank in Kalifornien: Feuerwehr hebt Evakuierungsbefehl auf

Nach tagelangem Bangen wegen der drohenden Explosion eines Tanks mit hochgiftigen Chemikalien im US-Bundesstaat Kalifornien dürfen alle evakuierten Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Das teilte die Feuerwehr im Bezirk Orange County südlich der Metropole Los Angeles am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Ein Teil der Evakuierungsanordnungen für die Gebiete rund um das betroffene Firmengelände war bereits am Montagabend aufgehoben worden.

Seitdem am vergangenen Donnerstag austretender Dampf gesichtet worden war, wurde eine Explosion des mit der leicht entzündbaren Chemikalie Methylmethacrylat gefüllten Tanks befürchtet. Etwa 50.000 Menschen, die in der Gefahrenzone rund um den Ort Garden Grove leben, mussten zeitweise ihre Häuser verlassen und das Wochenende in Hotels, Notunterkünften oder in ihren Autos verbringen.

Die seit Tagen unter gefährlichen Bedingungen arbeitende Feuerwehr versuchte den Tank zunächst von außen mit Wasser zu kühlen, damit er nicht überhitzt. Doch das brachte keinen Erfolg - im Gegenteil: Die Temperatur in dem riesigen Behälter stieg kontinuierlich weiter. Am Montag teilte die Feuerwehr dann mit, dass durch einen Riss in der Hülle des Tanks der Druck im Innern entwichen und damit auch die Gefahr einer großen Explosion abgewendet sei.

Longview (dpa) *06:35 Uhr – Neun Vermisste nach tödlichem Chemie-Unfall in den USA

- Bei einem Unglück auf dem Gelände einer Verpackungsfirma im Nordwesten der USA ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Neun Angestellte werden nach dem Vorfall am Dienstag in der Kleinstadt Longview noch vermisst, wie die Feuerwehr mitteilte. Zudem gebe es neun Verletzte, darunter ein Feuerwehrmann.

Einige befänden sich in kritischem Zustand.

Nach Angaben der Feuerwehr war auf dem Gelände der Firma, die Kartons für Flüssigkeiten herstellt, ein mehr als 3,4 Millionen Liter fassender Tank mit Weißlauge geborsten. Die Räumungsarbeiten seien gefährlich, der Tank, in dem sich immer noch Flüssigkeit befinde, drohe einzustürzen. Anwohner seien derzeit aber nicht direkt bedroht.

Der Gouverneur des Bundesstaats, Bob Ferguson, sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. «Meine Gedanken sind bei den Arbeitern und ihren Familien sowie bei den Ersthelfern», schrieb Ferguson auf der Onlineplattform X. Teams des Umweltministeriums und der Arbeitsschutzbehörde seien vor Ort, außerdem sei die Nationalgarde in Alarmbereitschaft versetzt worden.

In den vergangenen Tagen hatte bereits die drohende Explosion eines Chemietanks im Süden Kaliforniens die Menschen in der Gegend in Angst und Schrecken versetzt. Zehntausende Anwohner mussten ihre Häuser angesichts der Gefahr einer Explosion einer leicht entzündlichen Chemikalie verlassen. Inzwischen durften fast alle Evakuierten wieder in ihre Häuser zurückkehren. Doch vollständige Entwarnung gab die Feuerwehr bislang nicht.

London (dpa) *16:39 Uhr – Ölkonzern BP setzt Verwaltungsratschef ab – Aktie rutscht ab

Der britische Ölkonzern BP hat Verwaltungsratschef Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Hintergrund sind «schwerwiegende Bedenken» in Zusammenhang mit seinen Führungsstandards, seiner Aufsichtspflicht und seines Verhaltens, wie der Konzern am Mittag mitteilte. Der Vorstand habe «einstimmig beschlossen», dass Manifold nicht länger als Vorsitzender und Mitglied des Verwaltungsrats tätig sein solle.

Weiter Hintergründe nannte BP zunächst nicht. Zum Interimsvorsitzenden wurde Ian Tyler ernannt. Ein Nachfolgeprozess zur Besetzung des dauerhaften Vorsitzes werde eingeleitet, teilte der Konzern mit. An der Börse wurden die Neuigkeiten mit einem Kursrutsch quittiert. Die BP-Aktie verlor zeitweise mehr als neun Prozent auf 500 britische Pence. Am Nachmittag lag sie noch mit 4,6 Prozent im Minus, gehörte damit aber weiter zu den größten Verlierern im britischen Leitindex FTSE 100.

«Albert hat dazu beigetragen, der Transformation von BP die nötige Aufmerksamkeit und Dynamik zu verleihen», sagte das unabhängige Verwaltungsratsmitglied Amanda Blanc. Die ihm vorgeworfenen Versäumnisse bei der Unternehmensführung und Verhaltensprobleme hätten den Verwaltungsrat jedoch «überrascht und enttäuscht». Das Gremium erachte sie als inakzeptabel.

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Ende April hatte BP hohe Gewinne dank höher Ölpreise mitgeteilt. Im ersten Quartal betrug der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn rund 3,2 Milliarden US-Dollar (2,7 Mrd. Euro), mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum mit knapp 1,4 Milliarden Dollar. Unter anderem eine höhere Ölproduktion im Golf von Mexiko habe Störungen im Nahen Osten angesichts des Iran-Kriegs wettgemacht, hieß es.

Bayreuth (dpa) *15:47 Uhr – Gefährliche Lösungsmittel an Schule gesprengt

An einem Bayreuther Gymnasium sind gefährliche Substanzen in einem Chemieschaukasten entdeckt worden. Drei Gefäße wurden nach Angaben der Polizei in einem Erdloch auf einer Wiese nahe der Schule kontrolliert gesprengt. Schüler und Lehrkräfte waren wegen der bayerischen Pfingstferien nicht im Gebäude. Auch das nahe gelegene Bayreuther Volksfest sei nicht beeinträchtigt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Wie die Polizei weiter mitteilte, hatte ein Sicherheitsbeauftragter der Schule die Chemikalien entdeckt. Er informierte die Polizei. Nach Einschätzung von Spezialkräften «sind die Substanzen altersbedingt instabil geworden». Es handelte sich um alkoholische Lösungsmittel, die aufgrund der Dauer der Lagerung teils eingetrocknet und bereits auskristallisiert waren. Hierdurch waren sie laut Polizei stoßempfindlich und nicht mehr transport- oder handhabungssicher. Da ein gefahrloser Abtransport nicht möglich war, mussten die Behälter gesprengt werden. Anwohner waren gebeten worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Brüssel/Gelsenkirchen (dpa) *13:12 Uhr – BP verkauft Raffinerie Gelsenkirchen – EU gibt grünes Licht

Der Mineralölkonzern BP darf aus EU-Sicht seine Raffinerie in Gelsenkirchen an den Raffineriebetreiber Klesch-Gruppe verkaufen. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken gegen einen Zusammenschluss, teilte die EU-Kommission mit. Die Unternehmen hätten nur eine begrenzte gemeinsame Marktstellung. Bei großen Übernahmen prüft die Brüsseler Behörde, ob dadurch unverhältnismäßig große Einschränkungen des freien Wettbewerbs entstehen können.

Die Raffinerie Gelsenkirchen ist eine der größten Deutschlands. Der aus zwei Standorten bestehende Komplex kann jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Hergestellt werden vor allem Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr. Produziert werden auch Rohstoffe für die petrochemische Industrie. Der integrierte Raffineriekomplex mitsamt Tanklager in Bottrop beschäftigt laut BP-Angaben von März rund 1.800 Menschen. Der Konzern hatte im März angekündigt, die Raffinerie an die konzernunabhängige Klesch-Gruppe zu verkaufen. Der Verkauf soll nach einer Zustimmung der Behörden noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden, hieß es damals.

Die auf Malta ansässige Klesch-Gruppe des US-Amerikaners A. Gary Klesch betreibt in Europa zwei Ölraffinerien: die Raffinerie Heide im schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen und eine Raffinerie im dänischen Kalundborg.

Das Bundeswirtschaftsministerium prüft laut einem «Spiegel»-Bericht von April ebenfalls den Verkauf der Raffinerie und nimmt dafür eine Investitionsprüfung vor. Hinter der auf Malta ansässigen Klesch-Gruppe stehe ein undurchsichtiges Firmenkonstrukt in der Steueroase Jersey, berichtete der «Spiegel». Der Staat kann unter bestimmten Voraussetzungen den Erwerb von Firmen durch nicht-europäische Investoren untersagen.

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