Grüner Wasserstoff für grünen Stahl Steag und Thyssenkrupp planen gemeinsames Wasserstoffprojekt

Redakteur: Alexander Stark

Eine gemeinsame Machbarkeitsstudie von Thyssenkrupp und Steag soll Grundlage für eine geplante Projektentwicklung und einen möglichen Wasserstoff-Hub in NRW schaffen. Basierend auf der Elektrolysetechnologie von Thyssenkrupp Uhde Chlorine soll auf dem Steag-Gelände in Duisburg-Waslum eine Anlage mit einer Kapazität von 500 MW entstehen und das Stahlwerk in Duisburg versorgen.

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Wasserstoff ist der Schlüssel zur klimaneutralen Stahlproduktion bei Thyssenkrupp in Duisburg. Schon heute erprobt das Unternehmen den Einsatz im Hochofen. Im Hintergrund: Hochofen 8 in Duisburg Hamborn.
Wasserstoff ist der Schlüssel zur klimaneutralen Stahlproduktion bei Thyssenkrupp in Duisburg. Schon heute erprobt das Unternehmen den Einsatz im Hochofen. Im Hintergrund: Hochofen 8 in Duisburg Hamborn.
(Bild: Thyssenkrupp Steel Europe)

Essen; Duisburg – Das Essener Energieunternehmen Steag, der Duisburger Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel und der Dortmunder Elektrolyseanbieter Thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers arbeiten an einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie. Gegenstand ist der Bau einer Wasserelektrolyse am Steag-Standort in Duisburg-Walsum durch Thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers, die Strukturierung der Energieversorgung und der Betrieb der Elektrolyse durch Steag sowie die Belieferung des Stahlwerks von Thyssenkrupp Steel im benachbarten Duisburger Stadtteil Bruckhausen mit grünem Wasserstoff und Sauerstoff. Die Studie soll eine Grundlage für die folgende Projektentwicklung schaffen. Alle drei Parteien planen eine Beteiligung als Investor und werden gezielt private und öffentliche Finanzmittel einwerben.

Die kürzlich verabschiedeten Wasserstoffstrategien des Landes NRW sowie die des Bundes und der Europäischen Union heben die Bedeutung von Wasserstoff für eine klimaneutrale Gesellschaft hervor. Sie unterstützen den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft und -infrastruktur in Deutschland und Europa. Dem Land NRW und der Stadt Duisburg kann dabei eine Schlüsselrolle zukommen: Hier ballen sich Wasserstoffbedarf und technologische Expertise für die Errichtung und den Betrieb von Elektrolysen. Die Wasserstoff-Roadmap des Landes NRW verdeutlicht diesen Anspruch und der Zusammenschluss von drei Unternehmen aus der Region mit dem Ziel eines lokalen Aufbaus einer Wasserstoffproduktion unterstreicht diese Perspektive.

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Kontinuierlich steigender Wasserstoffbedarf in der Stahlherstellung

Thyssenkrupp Steel schafft durch seine Klimastrategie in den kommenden Jahren einen kontinuierlich steigenden und verlässlichen Bedarf an grünem Wasserstoff. Dieser soll zunächst in den bestehenden Hochöfen einen Teil des eingesetzten Kohlenstoffs ersetzen und später in neuen Direktreduktionsanlagen zum Einsatz kommen. Schon in den kommenden Jahren rechnet das Unternehmen durch die Umrüstung eines Hochofens mit einem Bedarf von rund 20.000 Tonnen an grünem Wasserstoff pro Jahr. Dieser Bedarf wird bis 2050 durch die schrittweise Umstellung des Anlagenparks auf etwa 720.000 Tonnen jährlich ansteigen. Mit einer Leistung von bis zu 500 MW könnte die geplante Elektrolyse auf dem Steag-Gelände bereits bis zu rund 75.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr liefern – genug für die erste Direktreduktionsanlage des Stahlherstellers. Sie würde damit einen wichtigen Beitrag zur kurz- und mittelfristigen Versorgung des Stahlwerks leisten.

Dr. Arnd Köfler, Produktionsvorstand bei Thyssenkrupp Steel, sieht im Wasserstoff den Schlüssel, um den Hebel zur Senkung der CO2-Emissionen in der Stahlindustrie umzulegen. Das Projekt lege den Grundstein für eine Wasserstoffwirtschaft in NRW, so Köfler weiter. Zudem soll mit dem Projekt Investoren die Möglichkeit gegeben werden, direkt in diesen Wachstumsmarkt zu investieren.

Die unmittelbare Nähe der Standorte ermöglicht eine schnelle Anbindung ans Stahlwerk: Das Projekt umfasst den Bau zweier neuer Pipelines für den Transport von Wasser- und Sauerstoff von Walsum zum weniger als drei Kilometer entfernt gelegenen Stahlwerk. Ein Anschluss ans Höchstspannungsnetz sichert die Versorgung mit grünem Strom für die Elektrolyse; Großbatteriespeicher unterstützen die Netzstabilität. Das etwa 15 Hektar große Gelände in Duisburg-Walsum bietet die Möglichkeit, Elektrolyseeinheiten bis zu einer Gesamtkapazität von 500 MW zu errichten. Es verfügt zudem über eine Anbindung ans bestehende Erdgasnetz, das perspektivisch auch für den Transport von Wasserstoff genutzt werden könnte.

Mit dem „Hydro Hub“ im saarländischen Völklingen-Fenne, einer vom Bundeswirtschaftsministerium in den Kreis der „Reallabore der Energiewende“ aufgenommenen Projektskizze, hat Steag bereits Erfahrung in Sachen Wasserstoffwirtschaft gesammelt.

Das gemeinsame Projekt hätte Signalwirkung für ein wichtiges Zentrum der deutschen Industrie: Aufbau und Betrieb einer Elektrolyseanlage in dieser Größenordnung sicherte nicht nur langfristig den Stahl- wie auch Energiestandort Duisburg, sondern mache die Stadt mit einem Schlag zur Keimzelle einer erfolgreich florierenden, grünen Wasserstoffwirtschaft, sagt Steag-Geschäftsführer Dr. Ralf Schiele. Duisburg werde so zu einem weltweiten Leuchtturmprojekt in Sachen klimaneutraler Stahlherstellung.

Wasserelektrolysetechnologie aus dem Hause Thyssenkrupp

Die Wasserelektrolyse wird von thyssenkrupp Uhde Chlorine Engineers Produktbereich Green Hydrogen installiert und setzt sich aus vorgefertigten Standardmodulen zusammen. Durch dieses modulare Konzept, lässt sich eine Anlage einfach auf bis zu mehrere hundert Megawatt bzw. Gigawatt erweitern. Dadurch ist der Einsatz für die Dekarbonisierung über die grüne Stahlproduktion im industriellen Maßstab hinaus vor allem auf dem Weg zu nachhaltigen Wertschöpfungsketten und CO2-Reduktion interessant. Diese Art der Sektorenkopplung ermöglicht neue Geschäftsmodelle und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, die perspektivisch vollständig durch erneuerbare Energiequellen gespeist werden soll. Gemeinsam mit der Business Unit Chemical and Process Technologies kann thyssenkrupp in Dortmund somit die gesamte Palette grüner Chemikalien, von Wasserstoff bis zu Ammoniak, Methanol und synthetischem Erdgas, liefern, und so erheblich zu einer klimaneutralen Industrie beitragen. Als größtes Projekt seiner Art soll die Zusammenarbeit als eine Blaupause für den Export von Know-How und High-Tech-Anwendungen aus NRW in die Welt bieten. Der Start der Projektentwicklung ist im unmittelbaren Anschluss an ein positives Ergebnis der Machbarkeitsstudie geplant.

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