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Meilenstein Schüttgut-Prozesstechnik Rohstoffprozesse neu definiert

| Autor: Sabine Mühlenkamp

Wie wird ein Mühlen- und Silobauer zum Spezialist für das Handling von Rohstoffen? Mit Kreativität und Erfindergeist. Und so steht Azo heute für umfassendes Know-how in Sachen Rohstoffe, Anlagenbau und Verfahrenstechnik, Engineering sowie Steuerungstechnik und Automation. Alles mit dem Ziel, Schüttgüter und Flüssigkeiten zu automatisieren.

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Die Anfänge lagen im Mühlenbau – heute sorgt Azo mit innovativem Rohstoffhandling für die zuverlässige Automatisierung von Produktionsprozessen in den Branchen Nahrung, Pharma, Chemie und Kunststoff.
Die Anfänge lagen im Mühlenbau – heute sorgt Azo mit innovativem Rohstoffhandling für die zuverlässige Automatisierung von Produktionsprozessen in den Branchen Nahrung, Pharma, Chemie und Kunststoff.
(Bild: Azo)

Einfallsreichtum, Tüftelei, hohes Engagement und dabei nie die menschliche Seite aus den Augen verlieren – dies waren von Anfang an die Markenzeichen der Azo-Gruppe. Und sind es bis heute. Zahlreiche Entwicklungen dienten zunächst dazu, schwere, körperliche Arbeit zu ersetzen oder wenigstens zu erleichtern. Andere wiederum sollten Produktionsräume staubfrei halten. Quasi damit einher gingen Qualitätssteigerung, mehr Transparenz sowie die lückenlose Dokumentation von Prozessen. Dies ebnete den Weg zum Erfolg des Unternehmens, dessen Anfänge in keine leichte Zeit fielen. 1949 gründete Adolf Zimmermann zusammen mit seiner Frau Marianne die Firma Azo. Der Firmenname setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Adolf Zimmermann und der Stadt Osterburken zusammen. Zu diesem Zeitpunkt konnte keiner ahnen, dass sich dieser Name zu einem weltweiten Markenbegriff für das Rohstoffhandling entwickeln würde. Schließlich war die Hauptaufgabe zunächst, Mühlen und dazu gehörige Holzsilos in der Umgebung von Osterburken wieder instand zu setzen, die im zweiten Weltkrieg zerstört worden waren. 1990 übernahmen die Söhne Robert und Rainer Zimmermann das Ruder. Seit 2018 ist Rainer Zimmermann alleiniger CEO der Azo-Gruppe.

Siebmaschine wird zum Schlüssel für den Erfolg

Ein Bäckermeister aus Osterburken stieß für Azo die Tür zum Schüttguthandling auf. Er benötigte eine Lösung, um Mehl aufzulockern und automatisch Verunreinigungen auszusieben. Für den leidenschaftlichen Tüftler Adolf Zimmermann lag die Herausforderung damals nicht in der Technik allein, vielmehr galt es, die Entwicklungszeit zu finanzieren. Allen äußeren Umständen zum Trotz kommt 1952 die Zentrifugal-Mehlsiebmaschine „Triumpf“ auf den Markt. Sie gilt als Prototyp der heutigen Wirbelstrom-Siebmaschine. Bereits damals hatten alle Ausführungen eine Kontrollklappe zur Siebin­spektion und innen überall Materialabweiser, damit kein Mehl in den Maschinen liegen blieb. Unrat wie Mehlwürmer landeten automatisch in einem schnell entleerbaren Textilbeutel. „Die Wirbelstrom-Siebmaschine wurde anfangs belächelt. Aber sie war der Schlüssel für unseren Erfolg“, ist Rainer Zimmermann überzeugt.

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Vor allem hat diese Siebmaschine dazu beigetragen, dass Azo sich mit verschiedensten Rohstoffen auseinander setzte. „Darauf aufbauend haben wir uns vom Maschinen- zum Anlagenbauer gewandelt. Heute sind wir Spezialist für die Umwandlung von Rohstoffen – von der Rohstoffaufgabe bis zum fertigen Produkt“, macht Zimmermann deutlich.

Schnell folgten weitere Entwicklungen, und schon Mitte der 50er-Jahre lieferte das Unternehmen der Brotindustrie komplette Mehl-, Sieb-, Auflockerungs- und Temperieranlagen – in erster Linie mit mechanischer Fördertechnik, z.B. Förderschnecken und Senkrechtförderer. Doch pneumatischen Fördersysteme standen schon in den Startlöchern. Die findigen Azo-Konstrukteure führten bereits damals Versuche mit pneumatischen Ventilatoren-Förderungen durch. Dabei konzentrierte man sich lange auf Nahrungsmittel, gewann z.B. Aufträge im Nahen Osten für die Errichtung einer Großbäckerei.

Gespür für die Oberflächenbearbeitung

In dieser Zeit erfolgte auch der Wechsel von Holz- zu Metallausführungen. „Damals – genauso wie heute – wurden wir geschätzt, weil Azo ein besonderes Händchen für die Oberflächenbearbeitung hatte. Die Behälter waren jetzt nicht mehr aus Holz, sondern pulverbeschichtet. Dank Umstieg auf Edelstahl mit perfekter Oberfläche interessierten sich plötzlich auch andere Lebensmittelhersteller für uns“, erinnert sich Zimmermann an den Wandel. Vor allem das Handling von Milchpulver stieß auf besonderes Interesse, allen voran bei großen milchverarbeitenden Betrieben aus Frankreich. „In diesen Projekten haben wir viel Erfahrung im Umgang mit hygienisch anspruchsvollen Produkten gesammelt. Seit Jahren verfügen wir über das Know-how, um Anlagen in die Pharmaindustrie zu liefern“, weiß Zimmermann zu berichten.

Von der Wirbelstrom-Siebmaschine bis zur Rohstoffautomation – Meilensteine in der Schüttgut-Prozesstechnik

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Bereits zehn Jahre später verkaufte das Unternehmen seine erste große Gesamtanlage an eine Brotfabrik im Ruhrgebiet. Eine spannende Zeit: Einige für den Betrieb der Anlage notwendige Technologien waren noch nicht entwickelt. „Da musste wirklich jeder im Unternehmen ran“, erinnert sich der Firmenchef.

Trotz der fordernden Entwicklungsarbeit für die Milchindustrie verloren die Tüftler aus Osterburken nie das Große und Ganze aus dem Blick und widmeten sich Technologien, die Azo den Einstieg in neue Branchen ermöglichten. Die pneumatischen Saugfördersysteme für die Beschickung von Verarbeitungsmaschinen stießen Anfang der 1970er Jahre die Tore zur Kunststoffindustrie auf. Schließlich sorgten diese Maschinen dafür, dass immer genug Rohstoff in Form von Granulat oder Pulver an den Verarbeitungsmaschinen zur Verfügung stand. Zeitgleich begann mit der Entwicklung des Mixomat eine neue Ära für das Fördern, Wiegen, Mischen und Einfärben von Kunststoffen. „In dieser Zeit haben wir uns auch sehr intensiv mit Steuerungstechnik beschäftigt, da diese Prozesse sehr genau gesteuert werden mussten“, so Zimmermann.

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