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Katalanische Unabhängigkeitsbestrebungen

Quo vadis Chemie in Katalonien?

| Autor: Gerd Kielburger, Wolfgang Ernhofer

Sackgasse, Konflikt oder doch Dialog? Seit Wochen halten die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen Europa in Atem. Die Front zwischen Separatisten und Befürwortern für den Verbleib bei Spanien, scheint verhärtet. Welche Rolle spielt die Wirtschaft? Zuschauer oder auch Akteur? Die Chemische Industrie ist die wohl wichtigste Industriesparte in der nach Unabhängigkeit strebenden Region. Am Chemiestandort Tarragona ist auch das Who is Who der deutschen Chemie vertreten. Was passiert, wenn es zum Bruch kommt?

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(Bild: ©nyul/trendobjects stock.adobe.com; [M]-Grimm PROCESS)

Würzburg – Völlig unklar, wie es nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Katalanen weitergeht. Konflikt, Abspaltung, Zwangsverwaltung oder gar Bürgerkrieg, oder doch Dialog und Kompromissfindung? Die Fronten scheinen total verhärtet. Erst gestern demonstrierten erstmals hunderttausende in Barcelona für den Verbleib Kataloniens innerhalb Spaniens. Welche Rolle spielt dabei die Wirtschaft? Können Drohungen mit Standortverlagerungen und Abbau von Arbeitsplätzen Einfluss auf die Separatisten nehmen? Immerhin ist ein wesentlicher Streitpunkt im Konflikt die vergleichsweise hohe Wirtschaftsleistung der Region und die nach Einschätzung katalanischer Separatisten ungerechtfertigt hohen Abgaben in Richtung Madrid.

Rund 200 Milliarden Euro, etwa ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts, erwirtschaftet die Region nicht zuletzt dank einer starken Chemie- und Pharmaindustrie auch aus Deutschland. Hohe Steuern und Abgaben an den Staat sehen die Unabhängigkeitsbefürworter dagegen als Bremse für die eigene Entwicklung. Kein Zweifel, die Unruhe in der katalanischen Wirtschaft ist mit Händen zu greifen.

Doch inzwischen ziehen erste dunkle Wolken am katalanischen Wirtschaftshimmel auf, die den Unabhängigkeitsbefürwortern nicht gleichgültig sein können. Während an den spanischen Börsen bereits die Kurse fielen, bangen ausländische Unternehmen mit Sitz in Katalonien um die Zukunft ihrer Standorte. Zwei Banken haben bereits einen Standortwechsel ins spanische Kernland angekündigt oder fassen diesen ins Auge. Ist das auch für dort ansässige Chemie- oder Pharmafirmen denkbar?

Katalonien hat einen Exportanteil von über 30 % und liegt damit deutlich über dem spanischen Schnitt mit rund 23  %. Eine Unabhängigkeit von Spanien wäre mit einem Ausstieg aus der Europäischen Union und der Eurozone verbunden und könnte die Wirtschaft vor Ort nach Expertenmeinung schnell kollabieren lassen.

Deutschland ist neben Frankreich ein wichtiger Handelspartner für die Region Katalonien. Wie die Wirtschaftswoche berichtet stammten 18,3 % der Importe im Wert von rund 14 Milliarden Euro aus Deutschland. Umgekehrt würden ca. 2700 katalanische Unternehmen Waren im Wert von 7,5 Milliarden Euro nach Deutschland exportieren. Das entspricht rund zwölf Prozent der gesamten Exporte. „Ein Bruch der Region mit dem spanischen Staat würde für beide Seiten tiefe Einschnitte bedeuten und zu Verunsicherungen in der stark exportorientierten Wirtschaft führen“, warnt daher auch Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

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Wolfgang Ernhofer

Wolfgang Ernhofer

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