Newsticker Juni: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Wie die Energiewende vorankommt – Habeck besucht BASF und Leag

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20.06.2023

Leverkusen (dpa) *18:46 Uhr – Staatlicher Ölkonzern von Abu Dhabi hat Interesse an Covestro

Der Ölkonzern Abu Dhabi National Oil (Adnoc) ist nach einem Medienbericht an einer Übernahme des Kunststoffkonzerns Covestro interessiert. Erste Gespräche mit Covestro-Vertretern in Leverkusen habe es bereits gegeben, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Bei dem Treffen habe der Staatskonzern sein Interesse an dem Dax-Unternehmen bekundet. Ein Sprecher des arabischen Unternehmens lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Covestro-Sprecher sagte, das Unternehmen kommentiere grundsätzlich keine Marktgerüchte.

Die Covestro-Aktie sprang nach der Nachricht kräftig ins Plus, zog zeitweise mehr als 17 Prozent an und schloss schließlich 13 Prozent höher bei 45,51 Euro. Im Tageshoch war das Papier mit 47,44 Euro auf das höchste Niveau seit April 2022 gesprungen, blieb aber noch deutlich unter dem kolportieren etwaigen Übernahmepreis. Covestros Börsenwert betrug damit zuletzt knapp 8,8 Milliarden Euro. In der Vergangenheit hatten Analysten Covestro angesichts des stark gefallenen Kurses immer mal wieder als potenziellen Übernahmekandidaten genannt.

Adnoc fördert fast das gesamte Öl für das Opec-Mitglied Vereinigte Arabischen Emirate. Der Konzern hat Pläne für Investitionen in Höhe von 150 Milliarden Dollar, um seine Aktivitäten in den Bereichen Erdgas, Chemikalien und saubere Energie weltweit auszubauen. Dies ist Teil eines Vorstoßes der Ölproduzenten am Persischen Golf, ihr bisher auf den Verkauf von Rohöl und Verkehrskraftstoffe wie Benzin und Diesel konzentriertes Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen.

Im vergangenen Jahr kaufte Adnoc Anteile an der österreichischen OMV im Wert von rund 3,9 Milliarden Euro. Der Konzern besitzt zudem 25 Prozent an Borealis, einem österreichischen Chemie- und Kunststoffhersteller, der mehrheitlich von der OMV gehalten wird. Im Mai tat sich Adnoc mit Apollo Global Management zusammen, um für den brasilianischen Petrochemiekonzern Braskem zu bieten.

Covestro kämpfte zuletzt mit einer unsicheren Konjunktur, hatte nach einem besser ausgefallenen ersten Quartal seine Prognosen aber angehoben und erwartet bestenfalls einen operativen Gewinn auf Vorjahresniveau.

Frankfurt/Main (dpa) *18:09 Uhr – Dax schwächelt weiter – Chemiebranche im Fokus

Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag weiter geschwächelt. Nach dem Rekordhoch über 16.400 Punkten am vergangenen Freitag fehlt es unverändert an positiven Kurstreibern.

Wenigstens aber belasteten die US-Börsen kaum, denn nachdem sie am Montag feiertagsbedingt geschlossen geblieben waren, gaben sie an diesem Tag nur moderat nach.

Der deutsche Leitindex Dax verlor letztlich 0,55 Prozent auf 16.111,32 Punkte, nachdem er bereits zu Wochenbeginn unter Gewinnmitnahmen gelitten hatte. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,71 Prozent auf 26.719,17 Punkte ein. Hier belastete vor allem der Kursrutsch der Lanxess-Aktie.

Der Spezialchemiekonzern sorgte zudem zeitweise für einen recht kräftigen Stimmungsdämpfer im gesamten deutschen Chemiesektor, bevor am Nachmittag dann Gerüchte über ein Übernahme-Interesse am Kunststoffkonzern Covestro für eine Erholungsbewegung sorgten.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging mit einem Abschlag von 0,44 Prozent auf 4343,14 Punkte aus dem Tag. Verluste verzeichneten auch die Leitindizes in Paris und London. Der Dow Jones Industrial zeigte sich an der Wall Street zum europäischen Börsenschluss mit rund 0,90 Prozent im Minus.

Lanxess senkte nach einem schwächeren zweiten Quartal als erwartet das bereinigte operative Jahresgewinnziel. Die Aktien sackten daraufhin am MDax-Ende zeitweise um mehr als 18 Prozent ab und damit so stark wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Nachdem sie den tiefsten Stand seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 erreicht hatten, erholten sie sich leicht und gingen schließlich mit minus 15,4 Prozent aus dem Handel.

Wacker Chemie verloren 4,5 Prozent und Evonik 3,5 Prozent. Im Dax ging es für BASF um 3,2 Prozent abwärts. Covestro drehten dagegen nach einer fast achtprozentigen Talfahrt ins Plus und legten letztlich an der Dax-Spitze um rund 13 Prozent zu.

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Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Kreisen berichtete, hat Adnoc, ein staatseigener Ölkonzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, vorläufige Übernahmegespräche mit dem Kunststoffhersteller geführt.

Dortmund (dpa/lnw) *14:26 Uhr – Chemieunfall bei Duftstoff-Hersteller – vier Arbeiter verletzt

Bei Reinigungsarbeiten in einem Chemieunternehmen in Dortmund haben vier Beschäftigte womöglich giftige Dämpfe eingeatmet. Das berichtete ein Feuerwehrsprecher am Dienstag. Es seien aus noch ungeklärter Ursache Chemikalien ausgetreten. Die vier Arbeiter des Geschmacks- und Duftstoffhersteller hätten bei dem Vorfall wahrscheinlich Dämpfe eingeatmet. Um was es sich dabei genau handele, werde noch untersucht. Sie seien «zur Abklärung und Beobachtung» in ein Krankenhaus gebracht worden. Zuvor hatte die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» (WAZ) über den Chemieunfall berichtet.

Der Feuerwehrsprecher sagte, die Unfallursache werde von der Polizei und parallel dazu auch vom Unternehmen ermittelt. Der Fall habe sich am frühen Mittag ereignet, die betreffende Halle sei gelüftet worden. Die Produktionsstätte liegt in der Nähe des Dortmunder Flughafens.

Paris (dpa) *11:06 Uhr – Sanofi muss Boehringer nicht entschädigen – US-Klage abgewiesen

Im Entschädigungsstreit mit Boehringer Ingelheim rund um das in die Schlagzeilen geratene Medikament Zantac kann der französische Pharmakonzern Sanofi aufatmen. Die Internationale Handelskammer in den USA habe die Klage des deutschen Herstellers zurückgewiesen, teilte Sanofi am Dienstag mit. Die Franzosen sind demnach nicht verpflichtet, Boehringer für mögliche Verluste im Zusammenhang mit den zu Zantac in den USA laufenden Rechtsstreitigkeiten zu entschädigen. Die Entscheidung sei endgültig und unanfechtbar, hieß es.

Sanofi gab sich zuversichtlich, sich vor Gericht in den USA weiter erfolgreich verteidigen zu können. Der Konzern verwies auf ein Urteil eines US-Bundesgerichts vom Dezember. Dieses hatte festgestellt, dass die Klagen gegen das Magen- und Sodbrennenmittel wegen angeblicher Krebsrisiken nicht wissenschaftlich fundiert seien und es keine zuverlässigen Beweise für die von den Klägern behaupteten Schäden gebe. Inzwischen haben laut Sanofi deshalb Zehntausende ihre Ansprüche aufgegeben. Das Medikament gehörte zeitweise Boehringer.

Später gingen die Rechte an den französischen Konzern über.

Boehringer teilte mit, man habe die Entscheidung des Schiedsgerichts zur Kenntnis genommen. Da das Verfahren Vertraulichkeitsbestimmungen unterliege, könne das Unternehmen keine weitergehenden Kommentare abgeben.

Astana (dpa) *10:00 Uhr – Rohöllieferung aus Kasachstan für Raffinerie Schwedt vereinbart

Die Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt soll bis Ende 2024 jeden Monat 100.000 Tonnen Rohöl aus Kasachstan geliefert bekommen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen der deutschen und der kasachischen Seite wurde am Dienstag am Rande des Staatsbesuchs von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in dem zentralasiatischen Staat getroffen. Mit der langfristigen Lieferung wird sich die Auslastung der Raffinerie den Angaben zufolge um etwa zehn Prozentpunkte erhöhen.

Steinmeier begrüßte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew die zusätzlichen Lieferungen. Das sichere die Zukunft des Standortes Schwedt und damit auch der Treibstoffversorgung in Ostdeutschland. «Das ist eine gute Nachricht für Schwedt und eine gute Nachricht für die Energiesicherheit in Deutschland.»

Die Raffinerie PCK versorgt Berlin und große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff. Bis Ende 2022 verarbeitete sie hauptsächlich Rohöl aus Russland. Im Zuge der Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine beschloss die Bundesregierung, auf russisches Öl zu verzichten. Seitdem werden andere Bezugsquellen und neue Lieferwege gesucht. Schon in den vergangenen Monaten war Kasachstan mehrfach mit Lieferungen eingesprungen.

Burg (dpa/sa) *06:18 Uhr – Ammoniak tritt in Knäckebrotfabrik in Burg aus – acht Leichtverletzte

In einer Knäckebrotfabrik in Burg ist in der Nacht zum Dienstag Ammoniak ausgetreten. Dabei wurden acht Menschen, die dort in der Nachtschicht arbeiteten, leicht verletzt, wie die Polizei Stendal berichtete. Die genaue Ursache für den Austritt des Luftschadstoffs wird laut Polizei noch ermittelt. Die Feuerwehr lokalisierte demnach ein Leck, dichtete es ab und leitete das Ammoniak nach draußen.

Kiel (dpa/lno) *06:00 Uhr – Madsen warnt vor pauschalem Verbot von Ewigkeitschemikalien

PFAS sind bei der Industrie beliebt. Doch die sogenannten Ewigkeitschemikalien haben auch Nachteile. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Madsen warnt nun vor einem undifferenzierten Verbot und will darüber in München sprechen.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hat vor EU-Plänen für ein umfassendes Verbot von sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS (gesprochen: Pifas) gewarnt. Das von der EU-Kommission ab 2025 geplante undifferenzierte Verbot von mehr als 10.000 Substanzen bringe nicht nur Unternehmen wie den Lübecker Medizintechnik-Hersteller Dräger in Bedrängnis, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er will bei der Wirtschaftsministerkonferenz am Mittwoch in München seine Länderkolleginnen und -kollegen für eine risikobasierte Regulierung gewinnen.

Madsen wirbt für Übergangsfristen und regt Ausnahmen für Maschinen an. «Es geht eben auch um Membranen für Beatmungs- und Dialysegeräte, Schläuche für die Produktion hochwertiger Arzneien oder Teile von Windenergie- und Wasserstoffanlagen sowie Wärmepumpen.»

PFAS steht für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Die extrem stabilen Chemikalien, die natürlicherweise nicht vorkommen, können sich in der Umwelt anreichern, auch in Deutschland. Sie werden beispielsweise bei Outdoor-Produkten verwendet.

Gerade in Hightech-Anwendungen der Elektronik-, Energie-, Pharma- oder Medizinbranche gebe es zu PFAS vielfach keine Alternativen, sagte Madsen. «Es wird auch den grünen Umbau der deutschen Wirtschaft zurückwerfen. Zudem läuft es dem erklärten Ziel der EU zuwider, Europa wieder zum Zentrum der Halbleiterindustrie zu machen und die Pharmabranche zu stärken.»

Ein Verbot von PFAS-Schläuchen in der Arzneimittel-Produktion könne dazu führen, dass Hersteller ihre Werke in Länder außerhalb der EU verlagern, sagte Madsen. Bei der Nutzung von PFAS-Schläuchen würden Verunreinigungen deutlich geringer ausfallen.

Auch Konzerne, die unersetzbare PFAS-Stoffe in ihren Produkten nutzen würden wie Dräger, könnten mit Verlagerungen auf die EU-Pläne reagieren, warnte Madsen. «Beatmungsgeräte oder Sicherheitstechnologien würden dann in einem ohnehin weltweit aufgestellten Konzern nicht mehr in Europa produziert und dort auch nicht mehr verkauft werden.»

Firmenchef Stefan Dräger sagte dpa, «wenn das PFAS-Verbot in der vorgeschlagenen Form umgesetzt wird, betrifft das fast alle unsere Produkte, die es dann nicht mehr geben wird – und uns als Unternehmen vermutlich dann auch nicht mehr. Das ist wirklich existenziell.»

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