E-Fuels/grünes Kerosin in Serie Millionenspritze für E-Fuels: So bringt ein deutsches Power-to-X-Startup grünes Kerosin auf den Weg

Von Dominik Stephan

20 Millionen Euro sollen die E-Fuels-Produktion in Deutschland anschieben: Das Karlsruher Startup Ineratec kann in einer Finanzierungsrunde wichtige strategische Investoren überzeugen und Wachstumskapital einsammeln. Damit soll die Produktion von synthetischen Kraftstoffen aus CO2 und grünem Wasserstoff im Megatonnenbereich in Angriff genommen werden.

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Ineratec beginnt 2022 mit dem Abschluss der bisher größten Finanzierungsrunde: Investoren stellen 20 Mio. Euro Wachstumskapital zur Verfügung, um die Produktion von nachhaltigen e-Fuels auszubauen.
Ineratec beginnt 2022 mit dem Abschluss der bisher größten Finanzierungsrunde: Investoren stellen 20 Mio. Euro Wachstumskapital zur Verfügung, um die Produktion von nachhaltigen e-Fuels auszubauen.
(Bild: Ineratec)

Wenn aus Strom grünes Kerosin werden soll, braucht es drei Dinge: Entsprechende Produktionsanlagen, grüne Energie und nicht zuletzt das nötige Kapital. Ineratec, eine ehemalige Ausgründung des KIT, konnte in einer Finazierungsrunde mit wichtigen Playern aus Industrie und Wirtschaft Wagniskapital in Höhe von 20 Millionen Euro an Wachstumskapital einsammeln. Damit soll die Produktion von E-Fuels wie synthetischem Kerosin aus CO2 und grünem Wasserstoff den Sprung von kleinen Versuchsanlagen in den Megatonnenbereich schaffen, erklärten Firmensprecher.

Mit dem Technologiekonzern Safran, Nachfolgeunternehmen des französischen Triebwerksbauers Snecma, kommt einer der Investoren aus der Luft- und Raumfahrt, einem Bereich, in dem für E-Fuels besonderes Potenzial erwartet wird. Die anderen Partner sind Engie, ein in Brüssel und Paris gelistetes Energieunternehmen und die deutsch MPC. Welcher Partner wie viel Anteil an der Finanzierung hat, wurde nicht bekannt.

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Power-to-X-Prozesse für grüne E-Fuels

"Das ist ein enormer Schub für unser Unternehmen. Wir werden nachhaltige, bezahlbare e-Fuels und Materialien für alle bereitstellen", so Geschäftsführer und Ineratec-Gründer Dr.-Ing. Tim Böltken. Die Karlsruher nutzen eine auf Mikroreaktoren aufbauende Verfahrenstechnik, um kompakte und flexible Power-to-X-Anlagen im Containermaßstab zu bauen.

Damit wollen die Karlsruher über die Wasserstoffsynthese und aufgefangenes CO2 synthetische Kraftstoffe (sogenannte E-Fuels) produzieren. Eine entsprechende Demonstrationsanlage wurde vergangenes Jahr im Emsland eröffnet, 2022 soll eine weitere im Industriepark Höchst den Betrieb aufnehmen. Dort sollen aus bis zu 10.000 Tonnen biogenem CO2 und regenerativem Strom jährlich bis zu 4,6 Millionen Liter synthetisches Kerosin für den Frankfurter Flughafen erzeugt werden.

Dringend benötigt: Emissionsneutraler Wasserstoff

“Safran konzentriert sich auf diesen wichtigen Bereich, um die Luftfahrt bis 2050 kohlenstoffneutral zu machen. Die Spitzentechnologien von Ineratec werden das technische Know-how stärken, das für die Entwicklung eines zertifizierten Prozesses für die Luftfahrt erforderlich ist", sagte Eric Dalbiès, Senior Executive Vice President, Strategie, Technologie und Innovation bei Safran.

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Große Hoffnungen macht sich nicht nur die Luftfahrt, auch Schiffs- und Bahnverkehr könnten von den Retorten-Treistoffen profitieren. „Wasserstoff und E-Fuels werden eine Schlüsselrolle bei der Dekarbonisierung der schweren Mobilität spielen, ", fügt Olivier Sala, Engie Vice-President, Research and Innovation, hinzu. "Diese Investition wird die ehrgeizige Strategie von Engie unterstützen, bis 2030 vier GW grünen Wasserstoff zu produzieren."

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Ist jetzt der Weg für die emissionsneutrale Luftfahrt bereitet? Immerhin glauben selbst Optimisten kaum an die Zukunft des batterieelektrischen Fliegens – die nötige Energiedichte wäre selbst mit modernen Zellen kaum erreichbar. Bis es jedoch soweit sein könnte, wird noch einige Zeit ins Land gehen: Die Marktforscher bei Roland Berger rechnen nicht vor 2035 damit, dass nachhaltig produziertes Flugbenzin in nennenswerter Menge auf den Markt kommt.

Außerdem bleibt der enorme Strombedarf der Power-to-X-Prozesse selbst: Ineratec schätzt, für etwa die 4,6 Millionen Liter E-Fuel 10 Megawatt regenerativ erzeugter Strom benötigt werden. Damit bleibt, aller CO2-Bepreisung zum Trotz, bis auf weiteres grünes Kerosin gegenüber seinem fossilen Pendant im Hintertreffen.

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