Suchen

Deutscher Anlagenbau Königsdisziplin Großanlagenbau weiter unter Veränderungsdruck

| Redakteur: Gerd Kielburger

Die schwache Weltkonjunktur macht sich bei deutschen Großanlagenbauern bemerkbar. Die Königsdisziplin deutscher Ingenieurskunst steht unter Druck. Wie der aktuelle Lagebericht des VDMA zeigt, ist der Inlandsmarkt für fossile Kraftwerke um knapp 30 Prozent eingebrochen, im Hütten- und Walzwerksbau sank der Auftragseingang 2015 auf den niedrigsten Stand seit 1999 und im Chemieanlagenbau ist weltweit ein Minus von 35 Prozent zu verzeichnen. Was tun? Die Branche steht vor einer Fülle von Handlungsfeldern.

Firmen zum Thema

Der Druck auf die deutschen Großanlagenbauer wächst weiter, obwohl für 2016 ein stabiler Auftragseingang erwartet wird.
Der Druck auf die deutschen Großanlagenbauer wächst weiter, obwohl für 2016 ein stabiler Auftragseingang erwartet wird.
(Bild: © industrieblick - Fotolia)

Frankfurt/Main – Deutsche Großanlagenbauer sind ob ihrer Technologiekompetenz bekanntlich selbstbewusst. Die Branche sei robust und durchaus auch mal in der Lage mit Auftragsabweichungen von 30 Prozent umzugehen. Von daher ist die Branche von Dämmerstimmung zwar noch ein gutes Stück weit entfernt, aber die anhaltende volatile Situation der Weltwirtschaft und die politischen Krisen sind Gift für die auf längerfristige Projekte ausgerichteten Anlagenbau-Spezialisten. Hinzu kommt ein enormer Wettbewerbsdruck vor allem von Seiten asiatischer Wettbewerber, die gerade bei Preis- und Finanzierungsfragen oftmals Vorteile verbuchen können. Kein Zweifel, die Gemengelage im deutschen Großanlagenbau ist derzeit komplex und herausfordernd, so die offizielle Lesart der Branche.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Das war auf der Pressekonferenz der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (kurz AGAB) spürbar. Dabei bemühte man sich weiterhin Optimismus auszustrahlen. Die von den AGAB-Mitgliedsfirmen 2015 in Deutschland verbuchten Bestellungen lagen mit 19,5 Milliarden Euro in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (2014: 19,6 Milliarden Euro). Jürgen Nowicki, neu gewählter Sprecher der AGAB und Sprecher der Geschäftsleitung der Linde AG Engineering Division sagte anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Lageberichts: „Angesichts des sehr volatilen Umfelds, das von niedrigen Rohstoffpreisen, einer schwachen Weltkonjunktur, starkem Wettbewerbsdruck und einer Vielzahl regionaler Konflikte geprägt ist, werten wir es als Zeichen besonderer Robustheit, dass der Großanlagenbau sich in Summe stabil behaupten konnte.“

Doch diese Zahlen liegen weit entfernt von den Hochzahlen aus den Jahren 2007/2008, wo man mit Rekordaufträgen von 26 bis knapp 27 Milliarden ausweisen konnte und der Ausblick auf das laufende Jahr ist nicht gerade rosig. Die Gemengelage der Herausforderungen ist weit gefächert. Während kleine und mittlere Aufträge zurückgehen, zeigt der Trend weiterhin zu Mega-Projekten, um Economy-of-Scale-Effekte zu erzielen. Doch derartige Megaprojekte sind aufgrund ihrer Dimension aber fast nur noch über Konsortien mit entsprechenden Hermes-Absicherungen möglich.

Forderung an Politik: Bei Hermesdeckung Auslandsanteile für mehr Wettbewerbschancen anpassen

Dabei konkurrieren deutsche Player mit Anbietern aus der OECD und zunehmend mit solchen aus Nicht-OECD-Staaten. Die Folgen der fortschreitenden Internationalisierung in den Wertschöpfungsketten, die Änderungen in vielen nationalen förderpolitischen Ansätzen sowie die finanzmarktpolitisch verursachte Zurückhaltung von Banken in der Vergabe von Krediten für Großprojekte zeigen nachdrücklich: Die Möglichkeit, attraktive Finanzierungen anzubieten, ist immer mehr zu einem Erfolgsfaktor im Projektgeschäft des Anlagenbaus geworden. In vielen Ländern sei die staatliche Exportkreditversicherung im Hinblick auf die internationale Beschaffung von Leistungsbausteinen flexibler als hierzulande, was zu Wettbewerbsnachteilen für deutsche Unternehmen führe, so Nowicki.

(ID:43977296)