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Kritik an „Dream Production“

Ist die stoffliche Nutzung von Kohlendioxid Öko-Schwindel?

| Redakteur: Manja Wühr

Am Standort Dormagen entwickelt Covestro gemeinsam mit der RWTH Aachen und der TU Berlin, um das Treibhausgas Kohlendioxid in industriellem Maßstab nun auch zur umweltverträglichen Herstellung von Elastomeren einzusetzen. Nun melden sich kritische Stimmen zu Wort.
Am Standort Dormagen entwickelt Covestro gemeinsam mit der RWTH Aachen und der TU Berlin, um das Treibhausgas Kohlendioxid in industriellem Maßstab nun auch zur umweltverträglichen Herstellung von Elastomeren einzusetzen. Nun melden sich kritische Stimmen zu Wort. (Bild: Covestro)

Seit mehren Jahren forscht Covestro gemeinsam mit der RWTH Aachen und der Technischen Universität Berlin an einem Verfahren, um Kohlendioxid als Rohstoff in Polyole einzubauen. Nun äußern verschiedene Umweltschützer Zweifel an der Nachhaltigkeit des Verfahrens. Und auch Covestro bezieht Stellung.

Düsseldorf – Zusammen mit Hochschul-Partnern arbeitet Covestro in dem Projekt „Dream Production“. Ziel ist es, im kommerziellem Maßstab Kohlendioxid als Rohstoff in Polyole einzubauen - zentrale Vorprodukte zur Herstellung von Schaumstoff. process.de berichtete. Im Juni soll am Standort Dormagen eine entsprechende Produktionsstraße in Betrieb genommen werden. Nun melden sich verschiedene Umweltschützer und Wissenschaftler zu Wort, die vor allem die Energieeffizienz der Aktivierung von Kohlendioxid in Frage stellen.

Covestro will zusammen mit Partnern Elastomere aus Kohlendioxid herstellen

Neues Verfahren

Covestro will zusammen mit Partnern Elastomere aus Kohlendioxid herstellen

10.03.16 - Dass Kohlendioxid als Rohstoff immer universeller wird, zeigt ein neues Projekt von Covestro: Zusammen mit Hochschul-Partnern arbeitet das Unternehmen an einem klimaschonenden neuen Verfahren für die Kunststoffproduktion. lesen

Dr. Hermann Fischer, Präsidiumsmitglied des Naturschutzbundes (NABU), Gründer der Auro AG und Autor des Buchs "Stoff-Wechsel": „Man kann sich kaum eine ökologisch katastrophalere Strategie ausdenken, als ausgerechnet das auf dem niedrigsten Energielevel ruhende Molekül CO2 zum Aufbau komplexer, energiereicher Verbindungen nutzen zu wollen. Die Physik kann man nicht überlisten - der riesige energetische Abstand zwischen CO2 und komplexen Kohlenstoff-Verbindungen ist eben nur mit ebenso riesigem Energieaufwand zu überwinden. Nur Illusionäre glauben, man könne diesen Energieeinsatz aus regenerativen Quellen beziehen. Wir brauchen die regenerative Energie viel dringender für die Energiewende. Es gibt nur ein System, das Kohlendioxid nachhaltig und mit regenerativer Energie in komplexe chemische Stoffe umwandelt: Pflanzen in einer intakten Biosphäre (Photosynthese).

Dass man ausgerechnet CO2, also das am wenigsten geeignete Molekül, als Synthesegrundlage propagiert, hat ganz andere Gründe: Billige Pseudo-Öko-PR. Es macht sich einfach gut, mit einem Verfahren zu prahlen, welches das „böse“ CO2 in harmlose und nützliche Verbindungen umwandelt. PR-Strategen haben daher Kohlendioxid zum neuen Lieblings-Spielzeug der Chemie erwählt. Man baut darauf, dass die Öffentlichkeit den energetischen und verfahrenstechnischen Irrsinn hinter dieser Aktion nicht hinterfragt.“

Manuel Fernández vom Bereich Chemikalienpolitik des Bundes für Umwelt und Naturschutz: „Der Einsatz von Kohlendioxid bei der Produktion von Polyurethan stellt aus Sicht des BUND keinen echten Fortschritt in Sachen Klimaschutz dar. Wenn BAYER im Zusammenhang mit diesem neuen Verfahren von einem „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“ spricht, muss sich die Konzernleitung nicht über den Vorwurf wundern, Öko-PR in eigener Sache zu betreiben. Der Nutzen eines solchen Verfahrens ist schon angesichts des benötigten Energieaufwands fragwürdig und steht in keinem Verhältnis zu den Mengen an CO2, mit denen wir alljährlich die Umwelt belasten. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Nachhaltigkeit führt für den BUND nach wie vor nur über eine drastische Reduzierung der Kunststoffproduktion und des Einsatzes von fossilen Brennstoffen.“

Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker und langjähriges Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit: „Es handelt sich hierbei nicht um eine Dream Reaction, sondern um eine Reaktion der Illusionen. Eine mögliche Nutzung von CO2 in der Kunststoff-Produktion spielt angesichts der um Zehnerpotenzen größeren Mengen, die bei energetischen Verbrennungsprozessen freigesetzt werden, eine zu vernachlässigende Rolle. Dies zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: BAYER will 5.000 Tonnen Polyol auf CO2-Basis herstellen und hierbei 1.000 Tonnen Kohlendioxid einsetzen. Das ist gerade mal ein Tausendstel des jährlichen CO2-Ausstoßes von BAYER in Höhe von rund fünf Millionen Tonnen.“

Prof. Dr. Gerd Liebezeit, Meeres-Chemiker: „Selbst wenn hocheffektive Katalysatoren zur Verfügung ständen (deren Herstellung ja auch wieder Energie kosten würde), wird für die Produktion noch immer Energie in großer Menge benötigt. Das ist Greenwashing, mit dem sich das Unternehmen ein grünes Mäntelchen umhängen möchte. Ökologisch akzeptabel ist nur der Einsatz langlebiger Kunststoffe mit intelligentem Design, die später recycelt werden können. Kurzlebige Kunststoffe wie Einmalverpackungen und Plastiktüten müssen ganz vermieden werden.“

Lesen Sie auf Seite 2 die Stellungnahme des Covestro-Pressesprechers Stefan Paul Mechnig.

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