Logistik im Chemiepark

Intelligente Zusatzleistungen in der Chemie-Logistik sind gefragt

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Hoyer hat dementsprechend die Weichen für die kommenden Jahre gestellt und offeriert verstärkt neue Dienstleistungen im Bereich des Supply Chain-Managements für die chemische Industrie. Im Fokus stehen die Produkte Kontraktlogistik/Werklogistik, Drumming und 4PL (4th Party Logistics)-Leis-tungen, die gezielt entwickelt bzw. bestehende Geschäftsmodelle weiter ausgebaut werden. Wie dies in der Praxis aussieht, zeigt die Übernahme der Werklogistik für Evonik in Kalscheuren für das Produkt ‚Carbon Black‘. Hier wird das Hamburger Unternehmen künftig mit eigenen Mitarbeitern unterschiedliche logistische Dienstleistungen durchführen. Dazu gehören vor allem das Abfüllen von Industrierußen (Carbon Black) in Silofahrzeuge und Sonderbehälter, innerbetriebliche Shuttletransporte zwischen einzelnen Produktionsstellen und Lagern sowie das Einlagern, Auslagern und Verladen von Big Bags und Säcken auf Paletten. Über ein SAP-System organisiert Hoyer zudem die Versand-, Wa-reneingangs- und Ausgangsabfertigung einschließlich der Zollabwicklung.

Konzepte für den Reinraum

Auch beim Rohkunststoff-, Rohlatex- und Rohgummi-Hersteller Styron musste das Entladekonzept neu überdacht werden. Ende Januar übergab Talke die ersten drei von insgesamt sieben 30-Zoll-Edelstahl-Containern. Die Edelstahl-Container sind Teil eines überarbeiteten Reinraumtransport-Konzeptes für Polycarbonat-Harz für Optical Media-Produkte. Bei der Planung stand die Sicherstellung der hohen Reinheitsanforderungen an erster Stelle: Die Container sind vollständig aus hochabriebfestem Edelstahl gefertigt. Mit dem Ziel, die Staubkontaminationen innerhalb der Container auch während der Transportkette zu vermeiden, wurde bei der Entwicklung besonderes Augenmerk auf die Luftfiltrierung und den hermetischen Verschluss der Container gelegt. Kleiner und leichter als die zuvor eingesetzten Behälter und durch den Einsatz einer veränderten neuen Beladetechnik erreicht Talke mit ihnen eine Nutzlaststeigerung von etwa zehn Prozent. Zur Sicherstellung hinreichender Kapazitäten auch bei Nachfragespitzen wurde im niedersächsischen Rotenburg/Wümme zusätzlich zum Standort Stade eine weitere Basis in Norddeutschland aufgebaut.

Unterstützung durch Software

Obwohl die Ab- und Umfüllung der chemischen Produkte sehr handfest scheint und nach viel Handarbeit klingt – ohne Software läuft wenig. So präsentierte Bayer Technology Services (BTS) jüngst die Softwaresuite Lexsy, mit deren Hilfe die Abwicklung aller innerbetrieblichen Logistikströme von der Abfüllung und Verpackung über die Lagerung bis zum Versand automatisiert werden kann. Dabei ist Lexsy das Bindeglied zwischen der ERP-Ebene (Enterprise Resource Planning) und betrieblichen Anlagen, wie z.B. Abfüllanlagen, Fördertechnik, Palettier-, Kommissionier- und Versandanlagen.

Um Fehler zu vermeiden, setzt die Branche zunehmend auf automatisierte Entladesys-teme. So wurde die Anlieferung von industriellen Mineralien beim Feinpapierhersteller Sappi am Standort Maastricht erfolgreich automatisiert. Orbit Logistics Europe, Leverkusen, entwickelte und installierte dafür ein System, das die fehlerfreie Lkw-Entladung durch den Fahrer des Lieferanten garantiert. Die Fahrer haben Tag und Nacht Zugang zum Werksgelände und werden über ein automatisches Ampelsystem zu ihrer Entladestation gelotst. Das System erkennt elektronisch, welches Produkt angeliefert wird, prüft den Füllstand der Tanks und weist dem Fahrer den richtigen Tank zum Entladen zu. Bei der automatisierten Entladung ist eine Unterstützung durch Sappi-Personal nicht mehr notwendig, denn ein fest am Auflieger montierter RFID-Chip (Radiofrequenz-Identifikation) enthält alle notwendigen Informationen.

Alternativ kann ein Barcode auf dem Lieferschein automatisch gelesen werden, wenn der Lkw am Werkstor ankommt. Nach erfolgter Lieferung werden die Daten automatisch an das bereits bestehende lieferantengesteuerte Bestandsmanagement-System, die elektronische Vendor Managed Inventory (e-VMI)-Lösung, weitergeleitet. Sämtliche Daten werden hier erfasst und über das Rechenzentrum von Orbit Logistics in die Systeme von Empfänger und Lieferanten übermittelt. Sappi plant derzeit, das effektive Entladesystem von Orbit Logistics auch in anderen europäischen Werken einzuführen. Langfristig ist außerdem an eine Ausweitung auf Schiffsfracht gedacht.

* Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PROCESS.

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