Biogas-Projekt in Frankreich Elf-Millionen Euro Biogas-Anlage gebaut

Redakteur: Dominik Stephan

Jährlich rund 5300 Tonnen CO2 einsparen oder ein Fünftel des Gasbedarfs der Stadt Vire (18.500 Einwohner) ersetzen: Das alles soll eine neue 70.000-Tonnen-Biomethananlage in der Normandie möglich machen. Das Elf-Millionen-Euro-Projekt wurde gemeinsam von Weltec und Agripower France in der Region Papillonnière umgesetzt und soll pro Stunde 270 Kubikmeter Gas ins Netz speisen.

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Im französischen Vire, in der Region Papillonnière, Normandie, ist im November 2020 eine Biomethananlage von Weltec Biopower in Betrieb gegangen.
Im französischen Vire, in der Region Papillonnière, Normandie, ist im November 2020 eine Biomethananlage von Weltec Biopower in Betrieb gegangen.
(Bild: Weltec Biopowe)

Vire/Frankreich – Aus Agrarabfällen mach Biomethan: Im französischen Vire (Normandie) startet die Betreibergesellschaft Agrigaz Vire eine neue Anlage, die jährlich rund 70.000 Tonnen Substrate zu Biogas vergären soll. Dieses wird anschließend zu Methan aufgearbeitet und ins örtliche Netz gespeist. Die Anlage, gebaut von Weltec und Agripower France, soll pro Stunde 270 grünen Gas produzieren und übers Jahr 5300 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht etwa einem Fünftel des Gasbedarfs der Stadt Vire mit 18.500 Einwohnern.

Der Rohstoffmix, angeliefert aus einem Umkreis von durchschnittlich sieben Kilometern, besteht größtenteils aus kostengünstigen Abfall- und Nebenprodukten der Landwirtschaft sowie der Lebensmittelindustrie. Dass die Unternehmen der Agrargesellschaft und die Substrate aus der Region stammen, prägt den regionalen, nachhaltigen Charakter des Biomethan-Projektes ganz wesentlich. Zwei Drittel der täglich benötigten 200 Tonnen Inputstoffe bestehen aus tierischen Reststoffen wie Rindermist, Rinder- und Schweinegülle.

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Weitere 20 Prozent setzen sich aus Molke, Klärschlamm und Schlachtabfällen zusammen, die von Lebensmittelbetrieben sowie einem zu Agrigaz gehörenden Tierfutterhersteller kommen. Den Rest der Stoffe bilden Mais, Gras, GPS, Strohreste und Rasenschnitt.

Abwärme für die Biogas-Erzeugung

Für den Eintrag der festen Inputstoffe stehen zwei 140 m³ und 98 m³ Schubbodendosierer und ein 30 m³ großer Vertikalschneckendosierer zur Verfügung. Ein Teil dieser Substrate wird zudem zusätzlich in zwei Multimix-Systemen zerkleinert und für eine optimale Vergärung angemischt. Die flüssigen Substrate werden zunächst in sieben Vorlagertanks zwischengelagert. Nach der Hygienisierung einiger Inputstoffe werden die Substrate in drei 4.436 Kubikmeter große Edelstahl-Fermenter befördert. Zwei Lager dienen dazu, die gewonnenen Gärreste zu bevorraten, die von den Landwirten der Gesellschaft als Dünger genutzt werden können.

Darüber hinaus kommt bei dem in Vire genutzten Verfahren ein nicht alltägliches Wärmekonzept zum Einsatz, bei dem die Biomethananlage mit der ausgekoppelten Abwärme eines nur 500 Meter entfernten Heimtierfutterherstellers versorgt wird: In dessen Produktionsprozess fällt ausreichend Wärme an, um damit die Hygienisierung der Biogasanlage zu beheizen. Zu diesem Zweck hat Agrigaz Vire die beiden Standorte mit einer Warmwasserleitung verbunden. Durch die Verwendung von Wärmepumpen wird es möglich sein, einen Teil der Energie aus der Abwärme zurückzugewinnen und diese zu Wärme auf einem höheren Temperaturniveau zu veredeln.

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Dank dieses thermodynamischen Systems, das aus 24 Wärmepumpen mit je 50 kW Leistung besteht, können sämtliche Substrate – außer den nachwachsenden Rohstoffen – eine Stunde lang bei 70 °C in drei Hygienisierungsbehältern von je 15 Kubikmeter behandelt werden. Die Fermenter müssen hingegen kaum beheizt werden, weil die Inputstoffe durch die Hygienisierung bereits im passenden Temperaturniveau für die Vergärung sind.

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