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Tiefkälte-Lager in Containerbauweise Eiseskälte für den Impfstoff: Kann die Tiefkälte-Logistik gelingen?

Redakteur: Dominik Stephan

Kaum scheint das Rennen um einen wirksamen Covid-19-Wirkstoff in die Zielgerade einzulaufen, kommt die nächste Herausforderung: Infrage kommende Präparate müssen bei mindestens -70° C bis -80° C transportiert und im Impfzentrum vor Ort gelagert werden. Das erfordert eine bisher nicht dagewesene Flexibilität - schlägt jetzt die Stunde der modularen Container-Kälte?

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Sobald ein wirksamer Covid-19-Impfstoff in den benötigten Mengen zur Verfügung steht und an die Impfzentren geliefert werden soll, ist auch eine besondere logistische Aufgabe zu bewältigen.
Sobald ein wirksamer Covid-19-Impfstoff in den benötigten Mengen zur Verfügung steht und an die Impfzentren geliefert werden soll, ist auch eine besondere logistische Aufgabe zu bewältigen.
(Bild: L&R Kältetechnik)

Wie können Millionen von Impfdosen kurzfristig bei -80° C gelagert werden? Genau das wäre bei dekürzlich vorgestellten Corona-Impfstoff-Kandidaten der Fall, und das nicht nur beim Hersteller, sondern über die gesamte Lieferkette bis ins Impfzentrum. Prinzipiell ist die tiefkalte Lagerung von sensiblen Pharmawirkstoffen und –produkten nichts Neues: Impfseren, Blutplasma, Stammzellen, Knochenmark und biomedizinische Wirkstoffe werden schon heute bei Temperaturen bis zu -110° C aufbewahrt werden. Aber die dezentrale Lagerung von Millionen Impfstoffdosen in im ganzen Land verteilten Zentren erfordert neue Lösungen, meinen zumindest die Entwickler bei L&R Kältetechnik. Die Kältespezialisten bringen einen Ansatz ins Gespräch, der im Anlagenbau zu den Toptrends gehört: Ein modulares Baukasten-System im Container-Format.

Die Grundidee: Die -80°C-Lagerzelle mit einem -20°C-Vorraum wird zusammen mit der zugehörigen redundanten, mehrstufigen Kältetechnik in einen Industriecontainer eingebaut, um eine pharmagerechte und zugleich flexible Lagermöglichkeit zu gewährleisten. In die 20- oder 40-Fuß-Containern werden zwei hoch effiziente Kälteanlagen installiert, die jede für sich ein dauerhaftes Temperaturniveau unterhalb von -70° C sicherstellen.

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Die Anlagen sind luftgekühlt, für den Betrieb ist also nur ein Stromanschluss erforderlich. Und sie sind redundant aufgebaut, so dass beim Ausfall eines Kältekreislaufs der zweite Kreislauf selbsttätig die Tiefkälteerzeugung übernehmen kann. Eine optionale Notstromversorgung oder eine Stickstoff-Notkühlung (LN2) bieten ein nochmals höheres Sicherheitsniveau.

Kälte im Container: Die Tiefkälte-Anlage nach Maß

Und was ist dabei für den Nutzer drinnen? Das hängt davon ab, was benötigt wird. Palettenstellplätze sind ebenso möglich wie Regale und/ oder Schubladen für unterschiedliche Gebindegrößen. Optional wird der Innenraum reinraumgerecht mit einem totraumfreien Edelstahlboden gefertigt. Die hoch wirksame Isolation gewährleistet einen niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten, erhöht die Temperatur-Haltedauer und senkt den Energiebedarf, erklären die Entwickler.

Die Tiefkälte-Container entsprechen den Anforderungen der GMP, optional können sie mit einer FDA-Freigabe für produktberührte Materialien geliefert werden. Über das Touch Panel der Siemens-SPS kann der Anwender die Anlage komfortabel steuern und den Prozess visualisieren. Eine Fernwartung ist ebenso möglich wie die GPS-Ortung des Containers. Weitere Optionen werden gemäß den Wünschen der Kunden realisiert, erklärt L&R..

Flexibel aufgestellt, auch für die Zeit nach Corona

Bei der Konstruktion dieser Tiefkälte-Lageranlage wurde nicht nur auf höchste Sicherheit und hohe Energieeffizienz geachtet. Auch die weltweite Verfügbarkeit der verwendeten Komponenten spielte eine Rolle. Burkhard Rüßmann, geschäftsführender Gesellschafter von L&R Kältetechnik: „Wenn die Impfstoffproduktion anläuft, muss die Logistik bis zu den Impfzentren ´stehen´ - nicht nur in Deutschland. Deshalb haben wir darauf geachtet, dass unsere Produktion in einem weiten Bereich skalierbar ist.“

Die Containerbauweise schafft dabei die Voraussetzung dafür, dass die hochwertigen Anlagen mit sehr geringem Aufwand exakt dort aufgestellt werden können, wo geimpft wird. Und sie bietet noch einen anderen Vorteil: Die mobilen Tiefkältelager können über ihre Lebenszeit hinweg auch an anderen Standorten und für andere Aufgaben eingesetzt werden. Denn jede Krise ist - hoffentlich - auch einmal zu Ende.

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