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Konjunkturreport Chemieanlagenbau Die Krise schwächt sich ab, die Auftragslage im deutschen Chemieanlagenbau bessert sich

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

An kaum einer Branche zog die weltweite Wirtschaftskrise spurlos vorüber. Auch der deutsche Chemieanlagenbau hatte mit der Flaute zu kämpfen, doch inzwischen sorgen Großprojekte im Nahen und Mittleren Osten für eine frische Brise.

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Die Chancen für den deutschen Chemieanlagenbau liegen im Nahen und Mittleren Osten. (Bild: Uhde, Archiv; [M]-Deppe)
Die Chancen für den deutschen Chemieanlagenbau liegen im Nahen und Mittleren Osten. (Bild: Uhde, Archiv; [M]-Deppe)

Der Chemieanlagenbau bekam als spätzyklischer Industriezweig die Krise später als andere Branchen zu spüren. Seit dem zweiten Quartal 2009 hat sich die Wirtschaft in Deutschland und dem übrigen Westeuropa zwar wieder stabilisiert, sodass sich an den internationalen Börsen die Kurse erholten und die Preise für Öl und andere Rohstoffe stiegen. Allerdings wird der Chemieanlagenbau den Aufschwung ebenfalls mit Verzögerung erleben: Denn die Vergabe von Neuprojekten verlief in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres noch zurückhaltend, was den Auftragseingang von Januar bis September um 43 Prozent schmelzen ließ – das ist der stärkste Einbruch seit der Asien- und Russlandkrise 1999, als das Minus 54 Prozent betrug. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet der Chemieanlagenbau einen um rund 40 Prozent schwächeren Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr. Immerhin, die Auftragsbücher sind nach wie vor gefüllt, und einige Firmen konnten in den vergangenen Monaten trotz des enger gewordenen Marktes und der gesunkenen Projektzahl sogar wieder Großaufträge akquirieren.

Hoffnungen machen der Branche vor allem die langfristigen Wachstumstrends, beispielsweise der weltweit steigende Energiebedarf sowie eine überproportional hohe Nachfrage aus aufstrebenden Volkswirtschaften. Zudem könnte das gesunkene Preisniveau im Chemieanlagenbau strategisch denkende Investoren zu weiteren Auftragsvergaben motivieren.

Schuld am Auftragsrückgang im Chemieanlagenbau ist nicht nur die gesunkene Nachfrage nach Chemikalien aus wichtigen Abnehmerbranchen, sondern auch die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Das Resultat: Zahlreiche Vorhaben sind verschoben oder gestrichen. Von Juli bis Oktober 2008 wurden weltweit noch 250 Chemie- und Petrochemieanlagen neu bestellt, ein Jahr später waren es nur noch 151 – der niedrigste Stand seit Langem. Und Großprojekte mit Auftragswerten von mehreren 100 Millionen Euro gibt es überwiegend in Rohstoffländern am Persischen Golf, in Nordafrika oder Südamerika, denn in Nordamerika und Europa sind die Märkte ausgereift und konzentrieren sich somit lediglich auf Ausbau- und Modernisierungsvorhaben.

Auf den folgenden Seiten wird die Entwicklung der Märkte Saudi-Arabien, Nordafrika, Lateinamerika und Asien im Detail beschrieben.

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