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Zukunftsmärkte in Lateinamerika
In Lateinamerika ist besonders Brasilien ein attraktiver Zukunftsmarkt für den Chemieanlagenbau. Denn das Land verfügt über den größten Binnenmarkt Südamerikas und besitzt ergiebige Erdölvorkommen sowie große Mengen an Biomasse. Von Oktober 2008 bis September 2009 wurden aus Brasilien Chemieanlagen für 123 Millionen Euro bestellt, den höchsten Wert seit über einem Jahrzehnt. Geprägt war das Geschäft vor allem von zwei Großaufträgen zum Neubau eines Polyesterkomplexes. In der klassischen Petrochemie setzt Brasilien zunehmend auf nachwachsende Rohstoffe, und für den Anlagenbau spielt auch die Produktion von Biotreibstoffen eine wesentliche Rolle. Dieses große Marktpotenzial kompensiert auch den Nachteil, dass Brasilien schon seit längerem kein Niedriglohnland mehr ist und die Engineering-Stundensätze dort deutlich über dem Niveau in China oder Indien liegen.
Auch der fünftwichtigste Abnehmer von Chemieanlagen weltweit stammt aus Lateinamerika: Venezuela. Von Oktober 2008 bis September 2009 hat sich die Nachfrage jedoch beruhigt, und die Order lagen bei 107 Millionen Euro (2007: 436 Millionen Euro). Die Gründe dafür sind vor allem der im Vergleich zu 2008 deutlich gesunkene Ölpreis und die rigide Verstaatlichungspolitik der venezolanischen Regierung, die internationale Investoren verunsichert. Infolge haben sich bereits viele internationale Konzerne aus dem Land zurückgezogen und ihre Fertigungsstätten verkauft. Die sich erholenden Rohstoffpreise verheißen allerdings gute Perspektiven, zudem befinden sich drei neue Großraffinerien in der Re-Evaluierung, die ab 2012 die Verarbeitung von schwerem Öl steigern sollten. Aufgrund lokaler Präsenz und umfangreicher Referenzlisten haben deutsche Anlagenbauer dabei gute Chancen, zum Zug zu kommen.
Der wichtigste Markt in Südamerika für den deutschen Chemieanlagenbau im vergangenen Jahrzehnt war Trinidad und Tobago: Der Aufbau einer petrochemischen Industrie brachte zahlreiche Aufträge zur Errichtung von Großanlagen ein, welche Basischemikalien wie Methanol und Ammoniak sowie Produkte höherer Veredlungsstufen, z.B. Melamin oder Flüssigdünger, produzieren. Der Ausgangsstoff, Erdgas, wird vor der Küste Trinidad und Tobagos gefördert und in den Anlagen weiterverarbeitet. Mittlerweile ist der Inselstaat mit deutscher Unterstützung zum am stärksten industrialisierten Land der Karibik aufgestiegen. Zwischen Oktober 2008 und September 2009 erhielt der Chemieanlagenbau einige Ergänzungsaufträge zu bereits laufenden Projekten im Gesamtwert von 36 Millionen Euro (2008: 44 Millionen Euro). Aufträge für Neubauten sind angesichts der schwachen Wirtschaftslage in großen Exportmärkten wie den USA und Europa und einer hohen Investitionstiefe kurzfristig nicht zu erwarten. Weitere Märkte für den deutschen Chemieanlagenbau sind Mexico, Costa Rica und Panama, weil in diesen Ländern große Petrochemieprojekte sowie Raffinerieneubauten auf der Agenda stehen. Nach wie vor wird jedoch der mittelamerikanische Markt von US-Kontraktoren dominiert, und mehr und mehr kommen auch chinesische Anlagenbauer dazu, sodass deutsche Anbieter nur schwer Aufträge erhalten, die über Ertüchtigungs- und Erweiterungsprojekte im Raffineriesektor hinausreichen.
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