Anbieter zum Thema
Industriestädte in Saudi-Arabien
Ein traditionell wichtiger Markt für den deutschen Chemieanlagenbau ist der Nahe und Mittlere Osten. Allein drei Länder dieser Region, nämlich Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, gehören zu den Top-Märkten der Branche. Umfangreiche Infrastruktur- und Industrieprojekte treiben die Nachfrage, z.B. in Saudi-Arabien: Bis 2020 sollen dort sechs „Economic Cities“ fertiggestellt sein, um die Entwicklung der dortigen Wirtschaft zu beschleunigen, Arbeitsplätze für die rasch wachsende Bevölkerung zu schaffen und das Land unabhängiger von Rohstoffexporten zu machen. Ähnlich große Projekte sind die Chemicals Industrial City in Abu Dhabi mit dem integrierten Petrochemie-Komplex Chemaweyaat (voraussichtliches Investitionsvolumen: über 50 Milliarden US-Dollar) und der geplante Ras Laffan Olefin Complex in Katar mit einem Budget von etwa sieben Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz zu anderen Regionen ist die Finanzierung solcher Projekte im Nahen und Mittleren Osten relativ unproblematisch, weil die zumeist staatlichen oder halbstaatlichen Auftraggeber des Chemieanlagenbaus, etwa die saudi-arabische Sabic oder Qapco aus Katar, äußerst finanzstark sind und damit unabhängig von Fremdkapitalgebern. Ähnliches gilt für internationale Großkonzerne, die sich in der Region engagieren.
Als Markt mit vielversprechenden Möglichkeiten erweist sich auch der Irak. Denn das Land verfügt über die drittgrößten konventionellen Erdölreserven der Welt und hat nach Jahren des Embargos und des Krieges einen riesigen Nachhol- und Aufbaubedarf. Die guten Erfahrungen der Iraker mit deutschen Ingenieurleistungen überwiegend aus der Zeit vor dem Irak-Kuwait-Konflikt bilden eine gute Basis, um die Geschäftsbeziehungen wiederaufzunehmen. Anders verhält sich die Lage im Iran: Durch den Rückzug vieler internationaler Banken aus dem Irangeschäft sowie durch eine restriktive deutsche Hermes-Politik profitiert die asiatische, speziell die chinesische Konkurrenz, sodass dem deutschen Chemieanlagenbau dort langfristige Einbußen drohen.
(ID:19965130)