Worldwide China Indien

Umfrage: Auslandsverlagerungen

Deutsche Chemie verlagert Unternehmensbereiche verstärkt ins Ausland

| Redakteur: Tobias Hüser

VDI-Umfrage: Auslandsverlagerungen in der chemischen Industrie drastisch gestiegen
VDI-Umfrage: Auslandsverlagerungen in der chemischen Industrie drastisch gestiegen (Bild: Thomas Ernsting)

Die deutsche Chemieindustrie verlagert mehr denn je einzelne Unternehmensbereiche ins Ausland – ein Trend, der sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet. Dies ergab eine Umfrage unter den rund 9000 Mitgliedern der VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (GVC). Aktuell geben knapp 51 % der Befragten an, dass in ihren Unternehmen eine Verlagerung bereits läuft, in Vorbereitung oder in Diskussion ist.

Düsseldorf – Nur bei knapp 30 % der befragten Unternehmen ist eine Verlagerung derzeit nicht vorstellbar. Zum Vergleich: 2014 wurde die Frage, ob ihr Unternehmen Bereiche ins Ausland verlagert, noch von knapp 40 % der Befragten bejaht. Know-how-Transfer oder doch eher Know-how-Verlust? Bedenklich sieht der VDI vor allem die gesteigerten Verlagerungen von Forschung und Entwicklung (F&E) von 21 % auf 34 %, der Informationstechnologie von 25 % auf 33 % und der Dienstleistung sogar von 33 % auf 54 %. Erfreulich ist, dass die Verlagerung der Produktion offensichtlich rückläufig ist: Sie ist zwar noch immer hoch, sinkt aber von 74 % auf 64 %. Das Engineering ist relativ konstant bei 33 %.

Es bleibt jedoch die Frage, warum die Verlagerungen speziell von F&E so deutlich gestiegen sind. Die Forschungsausgaben erreichen seit Jahren neue Höchststände und untermauern Deutschlands Platz weltweit als viertgrößter Forschungsstandort nach den USA, China und Japan. „Unsere Branche bemängelt vor allem regulatorische Hemmnisse, fehlende steuerliche Anreize für Forschung in Unternehmen, langwierige Genehmigungsverfahren und fehlende Offenheit für neue Technologien. Die Investitionsbereitschaft in innovative Start-ups in Deutschland spielt noch immer keine Rolle. Auch die Innovationsförderung durch die Politik sehen wir kritisch“, sagt Claas-Jürgen Klasen, President Asia Pacific North bei Evonik Degussa und Vorsitzender GVC.

F&E-Standorte von lokalen Bedürfnissen abhängig

F&E sind heute mehr denn je marktgetrieben. Viele Märkte außerhalb Deutschlands entwickeln sich rasant und haben ihre eigenen lokalen Produktbedürfnisse. Daher gibt es verstärkt lokale Produktentwicklungen. „F&E in Schwellenmärkten wird zielgerichtet von der lokalen Politik gefördert, bürokratische Hürden sind deutlich geringer als in Deutschland und die Entwicklung verläuft viel rasanter“, sagt Klasen. Um Auslandsverlagerungen im F&E-Bereich gegensteuern zu können, braucht es neue Konzepte der internationalen Zusammenarbeit. Für Klasen steht fest: „Die digitale Transformation ist nicht im Alleingang möglich. Sie muss gemeinsam mit allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungsketten gestaltet werden, wobei die horizontale Vernetzung (Supply Chain) und vertikale Vernetzung (Asset Life Cycle) stärker verknüpft werden müssen. Und: Das volle Potenzial der Digitalisierung kann in der Prozessindustrie erst durch KI gehoben werden.“

Trotz all dieser Herausforderungen bleiben die Chemie- und Prozessindustrie mit all ihren verwandten Branchen ein wichtiger Jobmotor für Deutschland: So planen laut Umfrage 55 % der Unternehmen in 2018 und 2019 die Schaffung neuer Stellen. Dabei können sie auf hervorragend ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen, denn über 90 % der Befragten beurteilen die Ausbildung in der Verfahrenstechnik als gut oder sogar sehr gut. Diese hervorragende Ausbildung benötigt Deutschland auch, um für die digitale Transformation gewappnet zu sein.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45494897 / Management)