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Meilenstein Vakuumtechnik

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Exklusiv-Interview: Meilensteine Vakuumtechnik

Darum benötigt stabiles Vakuum viel Know-how

| Autor / Redakteur: Das Interview führte Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp* / Sabine Mühlenkamp

"Selbst wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als würden wir „nur“ ein Nichts liefern – Vakuum ist immer ein kritischer Parameter im Prozess, weil die Kontrolle darüber sehr komplex ist." Dr. Eric Taberlet, Vorstandsvorsitzender bei Pfeiffer Vacuum
"Selbst wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als würden wir „nur“ ein Nichts liefern – Vakuum ist immer ein kritischer Parameter im Prozess, weil die Kontrolle darüber sehr komplex ist." Dr. Eric Taberlet, Vorstandsvorsitzender bei Pfeiffer Vacuum (Bild: Pfeiffer Vacuum)

So wird Faszination fürs Vakuum gelebt – Die Geschichte der industriellen Vakuumtechnik ist eng mit dem Namen Pfeiffer Vacuum verbunden. Seit 1890 dreht sich in Asslar alles um das kostbare Nichts. „Für jeden Anspruch die perfekte Vakuumlösung“ haben sich die Hessen auf die Fahnen geschrieben. Über die Herausforderungen und zu den zukünftigen Entwicklungen äußert sich Vorstandsvorsitzender Dr. Eric Taberlet.

Ob Vakuumpumpen, Mess- und Analysegeräte oder komplexe Vakuumsysteme – immer spielt die Qualität der Produkte die entscheidende Rolle. Pfeiffer Vacuum setzt dabei auf die enge Kooperation mit seinen Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen, auf kontinuierliche Entwicklungsarbeit und das Engagement seiner Mitarbeiter.

PROCESS: Herr Dr. Taberlet, was ist das Besondere an der Vakuumtechnik?

Dr. Eric Taberlet: Die gesamte Technologie rund um das Vakuum, also nicht nur die Vakuumpumpe an sich, ist faszinierend. Jeden Tag eröffnen sich im Grunde neue Anwendungen. Selbst wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als würden wir „nur“ ein Nichts liefern – Vakuum ist immer ein kritischer Parameter im Prozess, weil die Kontrolle darüber sehr komplex ist.

PROCESS: Was macht die Vakuumtechnik eigentlich so schwierig?

Taberlet: Um ein wirklich stabiles Vakuum über einen langen Zeitraum zu erhalten, ist ein erhebliches Know-how nötig. Hinzu kommt, dass wir viele unterschiedliche Branchen bedienen. Jede hat ihre eigenen Herausforderungen, und für jede benötigt man ganz spezielles Wissen. Aber genau das macht die Technologie auch so spannend.

Ohne das Nichts läuft nichts! Warum Vakuum nicht gleich Vakuum ist

Meilensteine Vakuumtechnik

Ohne das Nichts läuft nichts! Warum Vakuum nicht gleich Vakuum ist

12.07.19 - Es ist zwar nur ein Nichts, aber das hat es in sich! – Denn ohne Vakuum wären viele alltägliche Dinge nicht möglich, seien es Brillen, Smartphones, Medikamente oder länger haltbare Lebensmittel. Pfeiffer Vacuum ist seit mehr als 125 Jahren ein Synonym für hochwertige Vakuumtechnik. Dabei ist es nicht die Technik an sich, die das Unternehmen auszeichnet, sondern vor allem das Gespür für die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Branchen. lesen

PROCESS: Pfeiffer Vacuum steht seit nunmehr 129 Jahren weltweit für innovative und individuelle Vakuumlösungen. Verraten Sie uns: Wie hält man über einen so langen Zeitraum die Technologieführerschaft?

Taberlet: Der Erfolg liegt klar in den Mitarbeitern begründet, die über sehr viel Erfahrung und Know-how verfügen. Darüber hinaus ist es sicher unser breites Angebot. Wir hatten und haben wie gesagt nie nur die einzelne Pumpe im Blick, sondern das komplette Vakuumsystem. Dazu gehören auch Gas­analysesysteme, Lecksucher oder Kalibrierpumpstände.

PROCESS: Ist es eine Herausforderung, von einem eher bodenständigen Standort in Mittelhessen weltweit zu agieren?

Taberlet: Nein, die Universität Gießen ist nah und die verkehrstechnische Anbindung gut. Uns ist es außerdem nicht wichtig, das größte Unternehmen zu sein, sondern wir wollen schnell agieren und jeden Kunden mit einer sehr guten Lösung bedienen. Wir sind ein bodenständiges und mittelständisches Unternehmen, das für alle Kunden offen ist – selbst, wenn diese ganz spezielle Lösungen fordern. Das muss sich sowohl in der Beratung als auch im Produkt widerspiegeln.

Anwendungswissen entscheidet bei der Vakuumtechnik

PROCESS: Das resultiert sicher in einer hohen Anzahl an Anwendungen. Wie viele verschiedene bedient Pfeiffer Vacuum?

Taberlet: Spontan würde ich sagen Hunderte – von der Produktion von Alltagsgegenständen wie der Thermoskanne über die Auswertung von Dopingproben oder Beschichtungsprozesse bis hin zur Halbleiterherstellung, um nur einige Anwendungsgebiete zu nennen. Schaut man jedoch genauer hin und betrachtet beispielsweise nur das Gebiet der Gefriertrocknung, so ist eine Zahl überhaupt nicht aussagekräftig. Allein bei der Gefriertrocknung von Kaffee oder Früchten werden völlig unterschiedliche Technologien eingesetzt, ständig kommen neue Anwendungen dazu.

Welche Vakuumpumpe passt zu welchem chemischen Verfahren?

Vakuumpumpen

Welche Vakuumpumpe passt zu welchem chemischen Verfahren?

11.04.17 - Der Effizienteste gewinnt! Trockenverdichtende Schraubenvakuumpumpen mit besonders gutem Wirkungsgrad stehen in der chemischen Produktion u.a. in Konkurrenz zu Flüssigkeitsringpumpen. Auf den ersten Blick scheint klar, welches Prinzip die Nase vorne hat. Doch das kann täuschen. Wirklich effiziente, sichere und hochverfügbare Systeme lassen sich nur applikationsspezifisch auslegen. lesen

PROCESS: Welche Anwendungen gewinnen für die Vakuumtechnik aus Ihrer Sicht an Bedeutung?

Taberlet: Sicherlich alles, was mit Energie zu tun hat, beispielsweise die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien. Hier spielt die Dichtheitsprüfung ein entscheidende Rolle, da in die Batterien keinerlei Feuchtigkeit eindringen darf. Ein weiteres Zukunftsthema sind Schwungradspeicher. Diese Energiespeicher ermöglichen einen extrem energiesparenden Antrieb von Fahrzeugen und sollen schon bald das gesamte Transportwesen revolutionieren. Für diese Anwendung ist unsere Drehschieberpumpe Duo 3 DC prädestiniert.

Im Chemiebereich sind die Vakuumdestillation, die Produktion von Polyisocyanaten sowie die Einhaltung der Atex-Bestimmungen aktuelle Themen, die uns beschäftigen. Hier kommen unsere magnetgekuppelten Pumpen zum Einsatz – mit zwei entscheidenden Vorteilen im Vergleich zu klauengekuppelten Pumpen: Zum einen treten keine explosiven Gase aus. Zum anderen sind die Magnetkupplungspumpen wartungsfreundlich, da sie sehr schnell ausgebaut werden können.

Wird die Vakuumtechnik digital?

PROCESS: Und wie sieht es mit Zukunftsthemen wie Industrie 4.0 in Ihrer Branche aus?

Taberlet: Selbstverständlich werden die Digitalisierung und damit verbunden die intelligente Schnittstellentechnologie auch in der Vakuumtechnik immer wichtiger. Wir haben daher eine eigene Abteilung gegründet, die sich intensiv mit diesen Themen beschäftigt. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch Themen wie Predictive Maintenance und den Service herausheben. Viele Unternehmen sprechen nicht gerne darüber – aus Angst, dass damit impliziert wird, die Qualität sei schlecht. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Ein durchdachtes und zuverlässiges Service-Konzept garantiert unseren Kunden doch erst eine gleichbleibende Produktqualität.

Für uns hat das Servicegeschäft daher einen extrem hohen Stellenwert. Je nach Branche ist dies übrigens nicht nur eine Frage von Service. Sie tragen als Hersteller auch soziale Verantwortung. Beispielsweise wird Vakuum zur Dichtheitsprüfung in der Medizintechnik benötigt, etwa für Herzschrittmacher. Hier geht es nicht nur um Produktqualität, sondern um Menschenleben. Um die hohe Qualität unserer Produkte zu garantieren, setzen wir auf ganz unterschiedliche Strategien, angefangen von der Bevorratung von Ersatzteilen bis hin zu speziellen Schulungsprogrammen.

PROCESS: Zusammenfassend – wenn Sie die Stärken Ihres Unternehmens in drei Sätzen beschreiben müssten ...

Taberlet: Wir sind sehr gut in der Erweiterung unseres Portfolios, da uns der Ehrgeiz treibt, jedem unserer Kunden die perfekte Vakuumlösung für seine Anwendung zu liefern. Das führt zu sehr spezifischen Lösungen, die nur durch eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden möglich sind. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir sind eigentlich immer in Bewegung.

PROCESS: Herr Dr. Taberlet, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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