Chemieindustrie: Jahresbilanz 2016

Chemie in schwierigem Fahrwasser: Umsatzrückgang trotz gestiegener Produktion

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Sorgen bereitet dem Verband dabei vor allem die anhaltende Schwächeperiode entscheidender Schwellenländer wie Russland und Brasilien, aber ganz besonders China, wo der VCI mit einem längerfristigen Wachstumsrückgang rechnet, sowie die anhaltende Unsicherheit der EU.

Auch die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA trägt nicht zur guten Stimmung bei – zu groß seien die Unsicherheiten, die sich aus den angekündigten handelspolitischen Maßnahmen des Milliardärs ergeben, so Bock. „Diese Entscheidungen haben enorme Ausstrahlungseffekte über die Region hinaus“, erklärte der VCI mit Blick auf das mindestens ebenso umstrittene Freihandelsabkommen TTIP, für das die exportstarke Branche mit allen Mitteln getrommelt hatte.

VCI-Präsident Kurt Bock (2. von rechts): „Das Chemiegeschäft dürfte 2017 ohne nennenswerte Dynamik bleiben, zumal die politischen Unsicherheiten und konjunkturellen Risiken auf den Auslandsmärkten rund um den Globus zugenommen haben."
VCI-Präsident Kurt Bock (2. von rechts): „Das Chemiegeschäft dürfte 2017 ohne nennenswerte Dynamik bleiben, zumal die politischen Unsicherheiten und konjunkturellen Risiken auf den Auslandsmärkten rund um den Globus zugenommen haben."
(Bild: VCI/René Spalek)

So sieht der VCI auch 2017 keine stärkere Dynamik: Zwar rechnet der Verband mit einer Wachstumssteigerung von 0,5 % und leicht ansteigenden Preisen, jedoch bleibe die Aussicht „spekulativ“ und ohne „nennenswerte Dynamik“. Vorsichtig optimistische Schätzungen gehen von einer Umsatzsteigerung um 1 % auf 185 Milliarden Euro aus, wobei dieses Wachstumsplus lediglich vom Auslandsgeschäft getragen würde.

Industrie 4.0 auf dem Weg in die Chemie

Den Befreiungsschlag soll die konsequente Anwendung der Digitalisierung bringen. „Die Welt der chemischen Industrie befindet sich im Umbruch“ – Wachstumszentren verschieben sich, die Schwellenländer forcieren mit großen Schritten ihre Innovationsprozesse und die Globalisierung der Wertschöpfungsketten stellt ganz neue Herausforderungen. Jetzt will sich die Chemie dem Wandel auf breiter Front stellen und sich mit neuen, vernetzten Produkten und Lösungen positionieren – quasi Chemie 4.0.

„Ich bin überzeugt, dass wir vor einer Weichenstellung stehen. Chemie 4.0 drückt dies aus und ist mehr als nur die weitere Digitalisierung der Industrie“, betonte VCI-Präsident Bock. „Chemie 4.0 steht für die Strategie, durch Innovationen auf allen Ebenen nachhaltiges Wachstum für die Branche zu erzeugen.“ Konkret sollen Visionen wie die vorausschauende Steuerung der Anlagen durch „Predictive Maintenance“, der punktgenaue Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln in der Landwirtschaft durch „Digital Farming“, oder eine bessere Steuerung der Logistik die Digitalisierung zur Steigerung der Kosten- und Ressourceneffizienz nutzen.

Nicht nur in der Produktion: Forscher spekulieren auf Big-Data

Auch Forschung und Entwicklung profitieren stark von den Auswertungsmöglichkeiten großer Datenmengen. Mit Chemie 4.0, so der VCI, will die Branche zudem ihre Funktion in den Wertschöpfungsketten weiterentwickeln. Das Ziel: Nicht nur Lieferant von Vorleistungen zu sein, sondern sich als Anbieter von ganzheitlichen Lösungen für die Kunden zu etablieren. 3D-Druck ist hier ein Beispiel für ein neues Geschäftsmodell

„Unter Chemie 4.0 verstehen wir mehr, als nur die Chancen zu nutzen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen. Nachhaltigkeit wird zum umfassenden Leitbild und Zukunftskonzept für das Handeln der Branche. Das unterstreicht unsere Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3“, betonte Bock. Dazu gehöre, dass die Chemie eine wichtige Funktion in einer Kreislaufwirtschaft durch die Wiederverwertung kohlenstoffhaltiger Abfälle übernehmen könne. Aber auch die mittelfristige Perspektive, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien in Kombination mit CO2 für die Produktion von Grundchemikalien einzusetzen.

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