Lithiumproduktion im Chemiepark Batteriematerial aus Deutschland: Höchst bekommt Lithiumraffinerie

Von Dominik Stephan

Lithium macht es möglich: Das Element, das quasi im Alleingang Smartphones, E-Autos oder Batteriespeicher befeuert, ist heiß begehrt. Ideen, das Alkalimetall in Deutschland zu produzieren, gibt es schon länger. Jetzt soll in Frankfurt Höchst eine „Lithiumraffinerie“ entstehen, die auch noch Klimaneutral arbeiten soll.

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Vom Traditionsstandort der Chemie zur Keimzelle der deutschen Lithium-Produktion? Vulcan Energie und Nobian wollen in Höchst Lithiumhydroxid produzieren.
Vom Traditionsstandort der Chemie zur Keimzelle der deutschen Lithium-Produktion? Vulcan Energie und Nobian wollen in Höchst Lithiumhydroxid produzieren.
(Bild: Infraserv Höchst)

Unter dem Rhein liegt ein Schatz: Nicht das „Rheingold“, der sagenhafte Hort der Nibelungen, sondern ein anderes seltenes Metall – Lithium. Im Oberrheingraben zwischen Frankfurt und Basel findet sich ein salzhaltiges Thermalwasser, dass Europa und Deutschland mit einem Schlag auf die Lithium-Landkarte setzen könnten. Doch wo ein Schatz ist, da sind Schatzsucher und -Gräber nicht weit: Vulcan Energie heißt eine Karlsruher Firma, die jährlich mehrere 10.000 Tonnen Lithium produzieren und dabei auch noch Umweltschutz mit Profit verbinden will. Doch wie wird aus Wasser ein Rohstoff? Typischerweise durch Verdunstung an der Sonne, bei der Lithiumchlorid als Salz ausfällt.

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Das will Vulcan anders machen und setzt dafür auf eine dreistufige Verfahrenstechnik. Dabei wird die salzhaltige Sole gefiltert und in einer Geothermie-Anlage eingedampft, bevor mittels Ionenaustausch Lithiumhydroxid gewonnen wird. Damit, heißt es in Karlsruhe, ließen sich bis zu neunzig Prozent des enthaltenen Lithiums gewinnen. Doch da das chemisch instabile Lithium in der Regel in Form von Lithiumhydroxid gehandelt wird, soll das Lithiumchlorid aus der Salzsole in einem Elektrolyseprozess aufgearbeitet werden. Eine entsprechende Anlage, von Vulcan Energie als „Lithiumraffinerie“ bezeichnet, könnte im Industriepark Höchst vor den Toren Frankfurts entstehen.

Lithium aus dem Chemiepark

„Der Standort Höchst ist uns bestens bekannt. Unweit unserer Projekte einen erfahrenen und etablierten Partner zu finden, der uns in der Aufbereitung des CO2-freien Lithiumhydroxids unterstützen kann, ist ein echter Gewinn“, erklärt Dr. Horst Kreuter, Geschäftsführer von Vulcan. Dieser Partner kommt in Form des Chloralkali-Spezialisten Nobian ins Boot. Der Basischemikalien-Hersteller hat aus der Chlorchemie große Erfahrungen mit Elektrolyseprozessen und -Elektrolyseuren.

Ein angenehmer Nebeneffekt: Die Koppelprodukte, nämlich Chlorgas und Wasserstoff, dürften im Chemiepark leicht Abnehmer finden. „Wir hoffen durch diese Kooperation unsere operative Erfahrung und das Fachwissen in der Elektrolyse von Lithiumchemikalien langfristig auszubauen“, ist sich Kreuter sicher. Bereits im vergangenen Jahr hat Vulcan das aus dem Thermalwasser des Oberrheingrabens gewonnene Lithiumchlorid erfolgreich in Lithiumhydroxid weiterverarbeiten und in der Qualität marktübliche Standards deutlich übertreffen können.

Von der Chlorchemie zu Batteriematerialien

Nobian hofft währenddessen, auf diese Weise Zugang zu wichtigen Zukunftsmärkten zu erhalten, erklärt Dr. Jürgen Baune, Vice President Chlor-Alkali und Geschäftsführer bei Nobian in Deutschland: "Damit kann sich Nobian als ein wichtiger Akteur bei der Lieferung von Rohstoffen für die Batterieindustrie etablieren und sein Portfolio an Batterierohstoffen weiter stärken können.“

Zunächst wird jedoch die Machbarkeit des Projektes geprüft. Anschließend soll mit dem Betrieb einer Elektrolyse-Demonstrationsanlage begonnen werden. Erst nach erfolgreichem Abschluss der Probephase folgt die Planung, der Bau und die Inbetriebnahme einer Anlage im kommerziellen Maßstab beginnen. Ein entsprechendes Grundstück haben sich die Lithium-Pioniere bereits gesichert. „Die Lithiumelektrolyse und der Standort der Anlage sind sowohl aus ökologischer, infrastruktureller als auch aus wirtschaftlicher Sicht ein wichtiger Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Die Synergieeffekte, die sich aus der neuen Partnerschaft ergeben, bestärken auch den regionalen Standort und sichern die Rolle Deutschland als größter Chemieproduzent Europas“, so Horst Kreuter.

Das Zero-Carbon-Lithium-Projekt (wie Vulcan die klimaneutrale Lithium-Gewinnung bezeichnet) soll ab 2024 starten. Erst kürzlich sicherte sich das Unternehmen eine weitere Gewinnungslizenz für Erdwärme und vier weitere Explorationslizenzen für geothermische Energie und Lithium in der Region des Oberrheingrabens.

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