Newsticker April: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Astrazeneca nimmt für Corona-Impfstoff weniger Ertrag hin

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23.04.2021

Genf (dpa) *15:29 Uhr – Pharma-Verbände fordern Aufhebung von Exportschranken für Impfstoffe

Die Pharmaindustrie drängt auf die sofortige Streichung von Exportbeschränkungen für Impfstoff-Bestandteile. Besonders die restriktive Politik der USA sei eine der größten Hürden für die globale Versorgung mit Corona-Vakzinen, sagten hochrangige Branchenvertreter am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz. Dieses Problem sei dringlicher als der Transfer von Patenten und technischem Wissen für zusätzliche Hersteller.

«Die Lieferketten für Impfstoffe sind global. Exportkontrollen bedrohen diese Lieferketten», sagte Thomas Cueni, Chef des Weltpharmaverbandes IFPMA in Genf. Die meisten der zurzeit knappen Materialien für die Vakzin-Herstellung, wie Schläuche, Filter oder Nährstoffe für Zellkulturen, werden in den USA hergestellt. Die US-Regierung hat im Februar angekündigt, heimische Impfstoffhersteller im Rahmen des Defense Production Act zu unterstützen. Dieses Gesetz erlaubt US-Präsidenten, im Interesse der nationalen Sicherheit in die Privatwirtschaft einzugreifen.

Dies könne die globalen Produktion bedrohen, warnte Rajinder Suri, der dem Netzwerk von Impfherstellern in Entwicklungsländern (DCVMN) vorsteht. «Wenn nur eine Komponente fehlt, kommt es zu einem völligen Stillstand der Produktionskette», sagte er.

Die befristete Aufhebung von Patenten auf Impfstoffe, die von Entwicklungsländern gefordert wird, sehen die Pharmaverbände skeptisch. Sie argumentierten, dass es bis nächstes Jahr dauern würde, bis weitere Firmen Produktionsanlagen aufbauen, Mitarbeiter schulen und zusätzliche Covid-Impfdosen liefern könnten.

Brüssel (dpa) *14:18 Uhr – EU-Vertrag für 1,8 Milliarden Dosen von Biontech fast fertig

Der angekündigte EU-Vertrag zum Kauf von weiteren 1,8 Milliarden Dosen Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist nach den Worten von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen fast fertig. Von der Leyen hatte am 14. April bestätigt, dass mit dem deutschen Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer über die Lieferung der Riesenmenge verhandelt wird. Sie soll bis 2023 geliefert werden. Damit sollen Impfungen von Erwachsenen aufgefrischt und die 70 bis 80 Millionen Kinder in der EU gegen das Coronavirus immunisiert werden.

Schon jetzt hat die EU zwei Rahmenverträge mit Biontech/Pfizer über 600 Millionen Impfdosen, die seit Ende 2020 nach und nach ausgeliefert werden. Allein im zweiten Quartal – also von Anfang April bis Ende Juni – erwartet die EU 250 Millionen Impfdosen der Hersteller.

Leverkusen (dpa) *13:42 Uhr – Bayer profitiert von Agrargeschäft

Die stark steigenden Preise für Agrargüter haben dem Leverkusener Bayer-Konzern zum Jahresstart wohl Rückenwind verliehen. Es zeichne sich ein erfolgreicher Auftakt ab, gerade im Agrargeschäft stimme das Marktumfeld zunehmend positiv, sagte Bayer-Chef Werner Baumann in seiner am Freitag vorab veröffentlichten Rede zur Hauptversammlung des Dax-Konzerns in der kommenden Woche.

Wie es in der Pharmasparte lief, die bereits im vergangenen Jahr unter der Corona-Krise litt, dürfte die Investoren aber ebenso interessieren. Hier müssen sie sich wohl bis zur Vorlage der Quartalszahlen am 12. Mai gedulden.

New York (dpa) *0:23 Uhr – New York verklagt Exxon, Shell und BP wegen angeblicher Klimalügen

Die Stadt New York City hat die Ölmultis Exxon Mobil, Shell und BP sowie den Lobbyverband American Petroleum Institute wegen irreführender Werbung und betrügerischer Geschäftspraktiken verklagt. Die Konzerne würden durch PR-Kampagnen systematisch über ihre Rolle bei der Klimaverschmutzung hinwegtäuschen, teilte Bürgermeister Bill de Blasio am Donnerstag (Ortszeit) mit.

Die Unternehmen zählten zu den größten Umweltverpestern, würden ihre Produkte aber als «grüner» und «sauberer» bewerben, beklagte Lorelei Salas von der Abteilung für Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Ölkonzerne von diesem Schwindel profitieren. Die Stadt fordert, dass das angeblich illegale «Greenwashing» untersagt wird und die Unternehmen Strafen zahlen.

Der Leiter der Rechtsabteilung des American Petroleum Institutes, Paul Afonso, bezeichnete die Klage in US-Medien als «haltlos». Ein Exxon-Sprecher verwies auf einen früheren New Yorker Rechtsstreit um angebliche Falschaussagen zum Klimawandel, bei dem der Ölkonzern im Jahr 2019 freigesprochen worden war. Solche Klagen würden nichts Sinnvolles dazu beitragen, Umweltprobleme zu lösen, sagte der Sprecher. Stellungnahmen von BP und Shell lagen zunächst nicht.

Umweltschützer fordern von den Unternehmen der Branche schon lange striktere Klimaziele. Exxon etwa kam dem laut eigenen Angaben Ende 2020 nach und sieht sich im Einklang mit dem Klimaabkommen von Paris. Die Ziele beziehen sich aber auf die Emissionsintensität, bei der es nicht um eine absolute Senkung von Treibhausgasen geht. Somit könnte der Ausstoß an umweltschädlichen Emissionen bei einer steigenden Ölproduktion in Zukunft zunächst durchaus weiter zunehmen.

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