Achema Pulse Am Wasserstoff gebaut: Darum setzt die Achema-Pulse auf H2

Redakteur: Dominik Stephan

Wenn alle vom Wasserstoff reden, kann die Leitmesse der Prozessindustrie nicht außen vor bleiben: Auch als digitales Event will sich die Dechema mit der Achema Pulse als H2-Hub positionieren. Rückendeckung bekommen die Chemiker von der Industrie, die auf Milliardeninvestments hofft.

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Auf der Achema 2018 war nur die Zukunft digital und Wasserstoff eine Randnotiz.
Auf der Achema 2018 war nur die Zukunft digital und Wasserstoff eine Randnotiz.
(Bild: Dechema / Jean-Luc Valentin)

Frankfurt/Main – Mit der Chemie ist zu rechnen - Davon ist jedenfalls Dr. Kurt Wagemann überzeugt: Der Dechema-Geschäftsführer hält das leichteste Element des Periodensystems für einen „Gamechanger“ für die De-Fossilierung von Verkehr, Energieerzeugung und Rohstoffproduktion. Kein Wunder, dass die Dechema Ausstellungsgesellschaft bei der Achema Pulse Wasserstoff als eines von fünf Fokusthemen auf eine Stufe mit der Digitalisierung stellt. Das Digital-Event im Juni soll die Wartezeit auf die auf 2022 verschobene Weltleitmesse der Prozessindustrie verkürzen und dem Messe-Schwergewicht in Frankfurt ein digitales Pendant zur Seite stellen.

Dabei kommt auch die Chemieindustrie 2021 nicht mehr an Nachhaltigkeit, De-Fossilierung und Kreislaufwirtschaft vorbei: Schon 2020 hatte der Verband der Chemischen Industrie VCI bei der Dechema einmal durchrechnen lassen, ob und zu welchem Preis eine vollständig klimaneutrale Chemie überhaupt möglich wäre. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen dabei drei Szenarien, die einmal ein „Weiter-so“ unter Ausnutzung üblicher Energiesparmaßnahmen, eine konsequente Umsetzung der Effizienz-Technologien und eine Null-Emissions-Strategie „um jedem Preis“ umfassten.

Um jeden Preis heißt konkret: Für zusätzliche 45 Milliarden Euro und, was noch schwerer wiegt, etwa 628 TWh emissionsfrei erzeugtem Strom (Zum Vergleich: 2020 lag die deutsche Bruttostromerzeugung bei 489 TWh, wovon 247 TWh auf die „Erneuerbare“ entfielen, erklärt das Fraunhofer ISE). Diese enormen Energiemengen sollen helfen, neue Wertschöpfungsketten etwa auf Basis von Biomasse oder der stofflichen Nutzung von CO2 ermöglichen.

Der Schlüssel zu Kreislaufwirtschaft: Wasserstoff und Strom

Der Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft ist dabei einmal mehr Wasserstoff: Nicht nur, dass das Gas helfen könnte, fluktuierende erneuerbare Energien zu speichern, es hilft dank entsprechender Verfahren auch, Basischemikalien, Kraftstoff-Additive oder Polymere aus Abgasen und Strom zu gewinnen. Dabei verwies Wagemann im Vorfeld der Pulse auf die Ende 2019 vorgestellte Roadmap „Auf dem Weg zu einer treibhausgasneutralen chemischen Industrie in Deutschland“ der Dechema und der auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisierten Unternehmensberatung Futurecamp.

Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg: Etwa zehn Tonnen Wasserstoff pro Tag soll der weltgrößte PEM-Elektrolyseur, den Linde derzeit in Leuna baut, einmal produzieren. Das entspricht etwa der H2-Menge, die der Gase-Riese derzeit weltweit bereit stellt, wobei der Löwenanteil aus fossilen Quellen gewonnen wird. Entsprechend beziffert auch Jürgen Nowicki, CEO von Linde Engineering beim Media-Preview zur Achema Pulse den derzeitigen Wasserstoff-Markt als „winzig“ – aber mit exponentiellen Wachstumsraten.

Jetzt gelte es, so der Gase-Spezialist, mit dem verfügbarem H2 eine Infrastruktur aufzubauen und dafür auch mutige Investitionen zu tätigen, um das Henne-Ei-Problem der Gaswirtschaft zu lösen. Damit wäre Deutschland nicht allein: Insbesondere China, Japan und Südkorea haben bereits gewaltige Mittel bereitgestellt. Die Forderung ist aus Linde-Sicht nicht völlig uneigennützig, aber auch nicht einfach vom Tisch zu wischen. Wasserstoff ist jedenfalls gekommen, um zu bleiben – und die Chemie will mit am Tisch sitzen.

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