Hochwasserschutz Wie sieht ein professionelles Hochwasser-Risikomanagement aus?

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Anfang Juni 2013 wurden mehrere hundert Soldaten abkommandiert, um in Bitterfeld einen Deich zum Schutz des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen zu errichten. Hochwasser kann für Industrieunternehmen existenzbedrohend sein und Menschen wie Umwelt hochgradig gefährden. Die Lösung: Ein professionelles Hochwasser-Risikomanagement, das natürlich bereits vor der Flut zu starten ist.

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Das Hochwasser 2013 beeinträchtigte auch Wasserkraftwerke (hier das Wasserkraftwerk Rheinfelden im Jahr 2007).
Das Hochwasser 2013 beeinträchtigte auch Wasserkraftwerke (hier das Wasserkraftwerk Rheinfelden im Jahr 2007).
(Bild: ?)

Selbstverständlich hat Brüssel auch beim Thema Hochwasser vorgesorgt: Ziel der 2007 in Kraft getretenen EG-Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie ist die Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen für die vier Schutzgüter (1) menschliche Gesundheit, (2) Umwelt, (3) Kulturerbe und (4) wirtschaftliche Tätigkeiten. Bau und Pflege von Dämmen und das Ausweisen von Überflutungsarealen (Polder) stehen neben der sicheren Trinkwasser- und Stromversorgung im Mittelpunkt.

Industriebetriebe sollten sich weitergehende Gedanken machen, rät die Weyer Gruppe. Dieser Dienstleister bietet eine Betriebsunterbrechungs-Analyse an, um realistische Szenarien für Störungen zu identifizieren und angemessene Maßnahmen für die Schadensbegrenzung zu erarbeiten. Dabei wird für den Auftraggeber ermittelt, wie hoch die Schadenerwartung ausfällt.

Passend dazu werden Wiederbeschaffungswerte, Ausfallzeiten und Kosten für einen Austausch in Bezug gesetzt. Hieraus ergeben sich für den Betriebsverantwortlichen häufig überraschende Ergebnisse: So werde z.B. häufig falsch eingeschätzt, an welcher Stelle Engpässe bei der Wiederaufnahme des Betriebs entstehen würden.

Was im Falle von Hochwasser einem Industriebetrieb droht, hat das UBA eindrucksvoll beschrieben (siehe Literatur-Tipp PROCESS Plus): Durch den Auftrieb von Behältern und Tanks verformen sich diese und Rohrleitungen reißen ab. Die Folge sind Leckagen von Chemikalien, die sich weiträumig verteilen.

Kabel zur Energieversorgung oder Steuerung von Armaturen, Pumpen, Mischer, Kompressoren usw. werden beschädigt; die Produktion stoppt ungeplant und abrupt – mit der Konsequenz von erheblichen Schäden in den Anlagen. Durch das Überspülen von Chemikalienlagern bestehe zudem die Gefahr, dass Gebinde fortgespült werden.

Überspülte Trafostationen außerhalb des eigentlichen Betriebsgeländes führen zu Problemen bei der Energieversorgung, ebenso problematisch ist der Ausfall von Kläranlagen (ungeklärte Abwässer verteilen sich bei einer Überspülung weiträumig; ohne Abwasserentsorgung muss die Produktion stillgesetzt werden).

Gefahrenquelle Hochwasser

Weil das Technische Regelwerk die Anforderungen in § 3 Störfall-Verordnung (StörfallV) im Hinblick auf umgebungsbedingte Gefahrenquellen nur unzureichend konkretisiert, hat die Kommission für Anlagensicherheit die TRAS 310 „Vorkehrungen und Maßnahmen wegen der Gefahrenquellen Niederschläge und Hochwasser“ erarbeitet.

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