Hochwasserschutz

Wie sieht ein professionelles Hochwasser-Risikomanagement aus?

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So soll der Betreiber vorgehen

Der Betreiber sollte demnach so vorgehen:

  • Gefahrenquellenanalyse, in der geprüft wird, welche Gefahrenquellen singulär oder in Kombination auf den Betrieb einwirken können,
  • Analyse der Gefahren und Gefährdungen, in der geprüft wird, ob durch Einwirkungen auf sicherheitsrelevante Teile des Betriebsbereichs oder der Anlagen Störfälle eintreten können,
  • Erstellung eines Schutzkonzepts, in der Vorkehrungen zur Störfallverhinderung festgelegt werden,
  • Betrachtung von ‚Dennoch-Störfällen‘, durch die insbesondere Maßnahmen zur Begrenzung der Auswirkungen von Störfällen festgelegt werden.

Trockene Vorsorge

In aller Regel gilt, dass Wasser nicht auf das Betriebsgelände eindringen darf. Bayer Bitterfeld ließ vor dem Bau neuer Produktionsanlagen auf der Grundlage einer möglichen Hochwassergefährdung ihr Betriebsgelände anheben. Das Anheben des Geländeniveaus ist ein sicherer Weg, Betriebsbereiche zu schützen; das ist jedoch in der Regel nur bei Neuanlagen realisierbar.

Größere Betriebsbereiche werden oft durch Deiche geschützt, z.B. Tanklager in Raffinerien. Eindeichungen mit Sperrbauwerken wurden beispielsweise bei der Dow Deutschland in Stade an der Unterelbe realisiert. Das mit diesen Maßnahmen erreichbare Schutzniveau ist jedoch nicht dem bei einer ausreichenden Höhenlage gleichzusetzen, weil das Risiko z.B. eines Deichversagens oder der Beschädigung durch Treibgut oder Eis je nach Anlagenstandort bestehen bleibt. Feste Schutzwände wurden z.B. zur Sicherung des Bayer Chemieparks Leverkusen oder zur Sicherung des Betriebsgeländes der Uniqema in Emmerich errichtet.

Sichere Verschlusssysteme für Abwasserkanäle oder Kühlwasserableitungen sind Rückschlagklappen, die den Wasserdruck des Gewässers nutzen, um den Wassereintritt in das betriebliche Kanalsystem zu verhindern. Nachteilig bei derartigen Systemen ist, dass mit einem solchen Verschluss auch kein Wasser mehr abgeleitet werden kann.

Produktionsbetriebe, die weder Abwasser noch Kühlwasser abgeben können, müssen ohne weitere Vorsorge die Produktion herunterfahren. Um den Produktionsbetrieb möglichst lange aufrecht erhalten zu können, erfolgt die Abgabe von Kühlwasser und Oberflächenwasser im Bayer Chemiepark Leverkusen über eine Druckrohrleitung, die über die Hochwasserschutzwand führt, wobei der normale Kanal abgeschiebert wird.

Für das Aufrechterhalten der Produktion kann es bedeutsam sein, wenn eine Zwischenspeicherung des Abwassers möglich ist. Im Chemiepark Leverkusen werden die Abwässer in einem Speicher gesammelt, der für mehrere Tage die Produktionsabwässer der verschiedenen Betriebe aufnehmen kann.

Die Energieversorgung muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein. Dies bedeutet, dass eine doppelte unabhängige Einspeisung über zwei Schienen vorhanden sein muss. Dies stellen zahlreiche Betriebsbereiche z.B. über eine Notstromversorgung (meist Notstromgenerator mit Dieselaggregat) sicher, damit ein ordnungsgemäßes Abfahren der Anlage gewährleistet ist. Für die relevanten MSR/PLT-Systeme zum sicheren Abfahren oder so genannten Stillstands-Hold können auch Batterien eingesetzt werden.

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