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Kohlechemie Wer profitiert vom Kohleboom in China?

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

China strebt nach Unabhängigkeit von Erdölimporten und beutet seine heimischen Kohlevorkommen aus. Der Frage, wem die Coal-to-Chemical-Projekten wirklich nutzen, ist PROCESS auf den Grund gegangen.

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Dr. Thomas Wurzel, Air Liquide Global E&C Solutions: Air Liquide ist ein integrierter Spieler, der neben der Kohlekonversion auch Luftzerlegungsanlagen im Portfolio hat.
Dr. Thomas Wurzel, Air Liquide Global E&C Solutions: Air Liquide ist ein integrierter Spieler, der neben der Kohlekonversion auch Luftzerlegungsanlagen im Portfolio hat.
(Bild: Air Liquide)

Während sich momentan alle Aufmerksamkeit auf den amerikanischen Schiefergasboom richtet, vollzieht sich in China gerade eine ganz andere, nicht minder dramatische Revolution. Europa werde in die Zange genommen von amerikanischem Schiefergas und chinesischer Kohle, warnte vor kurzem BASF-Vorstandsmitglied Dr. Harald Schwager auf der Euroforum-Tagung Chemie, und sein Vorstandskollege Dr. Martin Brudermüller stimmte auf der Processnet-Jahrestagung in den Chor der warnenden Stimmen mit ein.

Die weltweite Rohstoffbasis werde breiter, sagte er, und die Chemieunternehmen müssen sich darauf einstellen. Fakt ist, die Zeiten in denen Grundchemikalien fast ausschließlich erdölbasiert waren, scheinen vorbei zu sein. Schiefergas als Crackerrohstoff ist nur der Anfang. Im Reich der Mitte erlebt die Kohle gerade eine ungeahnte und unerwartet Renaissance. Treiber ist der ungebremst wachsende Kunststoffhunger des Riesenreichs. Laut China National Chemical Information Center (CINC) ist das Importvolumen an Polyethylen von 2002 bis 2013 von 5,47 Megatonnen auf 8,61 Megatonnen jährlich angestiegen. Das von Polypropylen im gleichen Zeitraum sogar von 3,2 auf 16,1 Megatonnen im Jahr.

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Zu viel, befand das chinesische Zentralkommittee, zu hoch sei die Importrate und damit die Abhängigkeit von den volatilen Chemiemärkten und den zum Teil krisengeschüttelten Ölexportländern. Seit 2007, dem Jahr in dem der 11. Fünfjahresplan in Kraft getreten ist, setzt China deshalb auf einheimische Kohle und konzentriert sich auf die Herstellung von Treibstoffen, Flüssigkohle, Methanol oder Dimethylether (DME) aus Kohle.

Wie groß die Bedeutung im Energiemix mittlerweile ist, zeigen die Zahlen des chinesischen Forschungsministeriums: Demnach deckt das Riesenreich knapp 70 Prozent seines Energieverbrauchs, 75 Prozent des Kraftstoff- und 60 Prozent des chemischen Rohstoffbedarfs mit Kohle – alles in allem also ein lohnendes Feld für Technologieunternehmen.

Vor allem seit Coal-to-Chemicals als strategische Technologie geadelt und in den letzten Jahren systematisch auf ihre Tauglichkeit hin unter die Lupe genommen wurde. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anlagen, die in den letzten Jahren in Betrieb gegangen sind und alle in der Inneren Mongolei liegen, wo die reichsten Kohlevorkommen schlummern. Weitere werden gerade gebaut oder sind in Planung – die Umsetzung aller Vorhaben würde, Berechnungen des CINCs zufolge, Kohle basierte PE/PP-Kapazitäten schaffen, die bis 2015 bei 8,4 Megatonnen/a liegen und bis 2018 sogar die 27 Megatonnen- Grenze knacken könnten.

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