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Propylenschere hat sich in den letzten Jahren immer weiter geöffnet
„In den letzten Jahren ist die Propylenschere immer weiter aufgegangen, was zu einer Verteuerung geführt hat. Durch eine vermehrte Investition in Ethancracker im Nahen Osten war deshalb Ethylen zu Preisen verfügbar, inkl. Transport nach China, die beim MTO-Verfahren damals nicht darstellbar waren.“ Eine Gemengelage, die dazu führte, dass die NDRC (National Development and Reform Commission) MTP als Referenztechnologie empfohlen hat. Jetzt stehen in der Mongolei neben der ersten noch zwei weitere Anlagen, und der Shalegasboom in Nordamerika hat weitere Anfragen ausgelöst. „Seit der erste Komplex 2011 in Betrieb gegangen ist, sehen wir auch außerhalb Chinas ein sehr starkes Interesse an der MTP-Technik“, bestätigt Wurzel.
Schiefergas in den USA
Verursacht der Schiefergas-Boom in den USA eine Ethylenkrise in Europa?
Integration ist der Schlüssel
Sein Vorzeigeprojekt ist der Komplex der Shenhua Ningxia Coal Industry Group (SNCG), für den der Anlagenbauer das Know-how für die gesamte hochintegrierte Prozesskette nach der Kohlevergasung geliefert hat.
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Ausgehend von der zerkleinerten Kohle wird hier Synthesegas erzeugt, konditioniert und gereinigt, mit dem Mega-Methanol-Verfahren Methanol hergestellt und schließlich mit dem MTP-Prozess zu Propylen aufgebaut. „Wir sind ein integrierter Spieler, der neben den für die Kohlekonversion nötigen Verfahren außerdem noch die Luftzerlegungsanlage liefern kann“ betont Wurzel.
Die Luftzerlegung ist ein wichtiger Anlagenteil, denn zur Vergasung braucht man jede Menge Sauerstoff, der ja irgendwo her kommen muss. Air Liquide ist seit diesem erfolgreichen Projekt eng mit SNCG verbandelt und erhält Zugang zu den Anlagendaten, die es erlauben, das Verfahren weiter zu optimieren. Hebel gibt es mehr als genug. Sowohl bei der Propylenausbeute als auch bei den Katalysatorstandzeiten ist noch Luft nach oben. Partner bei der Katalysatorentwicklung für das Megamethanol- und das MTP-Verfahren ist Clariant, die zurzeit ein F&E- Zentrum in Shanghai bauen, mit dem Ziel, Technologieportfolio und Serviceangebot für Coal-to-Chemicals-Anwendungen zu verstärken.
China lockt also gewaltig, bleibt aber gleichzeitig verschlossen. Das Konstrukt der Design-Institute schließt systematisch europäische und amerikanische Großanlagenbauer von EPC-Kontrakten aus. „Das chinesische Modell sieht vor, dass der Lizenzgeber tatsächlich als Lizenzgeber auftritt“, erklärt Wurzel. Für technologiestarke Großanlagenbauer, zu denen auch Air Liquide gehört, hat der chinesische Markt deshalb, wie Ying und Yang, eine Licht- und eine Schattenseite. Auf der einen Seite ist China ein riesiges Experimentierfeld. Der chinesische Partner habe geholfen, MTP zu referenzieren und in den Markt zu kommen, betont der Air Liquide-Mann.
Doch die Gefahr irgendwann durch eine Kopie ersetzt zu werden, ist allgegenwärtig. Die Bestrebungen bei Coal-to-Olefin technologisch unabhängig zu werden, seien durchaus da, bestätigt Wurzel. Trotzdem hat er genügend Grund gelassen zu bleiben. Vor allem an großen Kapazitäten beißen sich die chinesischen Verfahrenstechniker immer noch die Zähne aus. Das zeigt das Beispiel Methanolherstellung. Alles, was in Richtung Megamethanol geht, ist bisher technisch unerreicht und das gleiche gilt bisher auch noch für MTP. Und von den in Eigenregie abgewickelten MTO-Anlagen läuft noch keine unter Volllast.
* Die Autorin ist leitende Redakteurin der PROCESS. E-Mail-Kontakt: anke.geipel-kern@vogel.de
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