Kohlechemie

Wer profitiert vom Kohleboom in China?

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Die Kohlerevolution

Doch wie werden aus Kohle Chemikalien? Und wer verfügt über das entsprechende Know-how?

Stark vereinfacht, folgen alle Kohlekonversionstechnologien dem gleichen Schema: Im ersten Schritt entsteht aus der zerkleinerten Kohle durch Umsetzung mit Sauerstoff Synthesegas, das dann wiederum zu Ammoniak oder Me­thanol umgesetzt wird. Ammoniak wandert in die Harnstoffanlagen und wird zu Düngemittel. Methanol hingegen ist der ideale Chemie­rohstoff. „Es ist rohstoffneutral und daraus erzeugte Kunststoffe haben die gleichen Eigenschaften wie erdölbasierte,“ erklärt Dr. Thomas Wurzel, Air Liquide Global E&C Solutions. Und der C1-Baustein ist vielseitig, außer Kunststoffe kann man daraus Kraftstoffe wie Dimethylether oder Chemikalien wie Essigsäure aufbauen – wie geschaffen also für die Chinesische Kohlerevolution.

Erfreulich für die Inhaber von Verfahrenslizenzen: Es gibt nur wenige, die über das entsprechende Know-how verfügen. Dazu gehören Honeywell UOP, dessen Methanol-to-Olefin-Verfahren ein Gemisch aus Propylen und Ethylen liefert, das chinesische Dalian Institute of Chemical Physics, das den leicht abgewandelten DMTO-Prozess entwickelt hat und das Frankfurter Ingenieurunternehmen Lurgi, seit ein paar Jahren Teil der Engineering & Construction Aktivitäten innerhalb der Air Liquide Gruppe.

Zu deren Verfahrens- Know-how gehört nicht nur die Kohlevergasung, sondern auch die Methanolherstellung mit dem Mega-Methanol-Verfahren, das mehr als 5000 Tonnen Methanol am Tag erzeugt. Bei solchen World-Scale-Anlagen gilt das Unternehmen als Marktführer. Zwei Drittel aller weltweit existierenden Anlagen sind eigenen Angaben zufolge made by Air Liquide.

Das Methanol-zu-Propylen-Verfahren, kurz MTP, haben die Frankfurter Verfahrenstechniker zu einem Zeitpunkt entwickelt, als Erdgas noch die wichtige Alternative zu Erdöl zu sein schien, und noch nicht abzusehen war, dass die Renaissance der Kohle kurz bevor steht. Nach einer Phase intensiver Vermarktungsaktivität habe die andauernde Verknappung an Propylen dem MTP-Verfahren in die Karten gespielt, erzählt Wurzel. Der wachsende Propylenbedarf in China und die günstige Verfügbarkeit von Ethlyen aus Ethancrackern im Nahen Osten haben den Ausschlag zugunsten von MTP gegenüber der Wettbewerbstechnologie MTO gegeben und das erste MTP-Projekt in China ermöglicht.

(ID:43033266)