Wasserstoffprojekt HY5 Wasserstoff von der Waterkant: Norddeutsche Bundesländer wollen führende H2-Region werden

Redakteur: Dominik Stephan

Gib mir Fünf: Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollen gemeinsam eine „grüne“ Wasserstoffwirtschaft, basierend auf Windstrom und Elektrolyseleistung im Gigawatt-Bereich entwickeln. Die Bedingungen im Norden seien ungewöhnlich günstig, so die Beteiligten. Was hinter den Plänen zu HY5 steckt...

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HY5: Die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein machen bei der Wirtschaftsförderung für grünen Wasserstoff gemeinsame Sache.
HY5: Die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein machen bei der Wirtschaftsförderung für grünen Wasserstoff gemeinsame Sache.
(Bild: Jan Oelker)

Hamburg – Norddeutschland will zur stärksten Zukunftsregion für grünen Wasserstoff in Europa werden: Statt mit hanseatischem Understatement kommt die Ankündigung der fünf Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, gemeinsam eine Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff zu entwickeln, mit großer Geste. Gemeinsam wollen die Bundesländer Synergien für die Standortkommunikation schaffen und Norddeutschland als Hotspot auf der Wasserstoff-Landkarte etablieren. Die Chancen dafür könnten sogar gar nicht so schlecht stehen, zumindest wenn man der OECD glaubt: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass Norddeutschland besonders für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft geeignet sei. So besäße die Region einzigartige Standortvorteile zur Erzeugung erneuerbarer Energien und ein großes Abnahmepotenzial von grünem Wasserstoff durch die ansässigen Industrieunternehmen.

In den nächsten 15 Jahren soll in Norddeutschland eine grüne Wertschöpfungskette für das leichte Gas entstehen. Die Zwischenziele sind durchaus ambitioniert: So sollen schon 2025 mindestens 500 Megawatt Elektrolyseleistung installiert sein, bis zum Ende des Jahrzehnts sind entstehen.Geplant ist laut Norddeutscher Wasserstoffstrategie, dass bereits mindestens fünf Gigawatt geplant.

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Häfen, Pipelines und Gasspeicher: Der Norden sieht sich vorbereitet für H2

In sechs von der Bundesregierung geförderten Reallaboren arbeiten Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Start-ups an Wasserstoffprojekten, die Themenfelder wie die Dekarbonisierung der Industrie, Sektorenkopplung oder Elektrolyse beinhalten. Dazu kommt die Anbindung an etwa ein Dutzend Seehäfen mit Logistik-und Importterminals, die ihre Kapazitäten für den Umschlag von Wasserstoff ausbauen wollen. Eine Gaspipeline, geologische Untergrundformationen wie Speicherkavernen und eine ausgebaute Erdgasnetzinfrastruktur bieten zudem gute Startbedingungen für Zwischenspeicherung und Transport des Gases.

Nicht zuletzt gibt es potenzielle Abnehmer in zahlreichen Schlüsselindustrien von der Stahlindustrie, der Chemieindustrie, der Automobilindustrie, dem Flugzeug-oder Schiffbau über die Medizintechnik und die Pharmaindustrie bis zur Lebensmittelindustrie. Auch die Landwirtschaft bietet Abnahmepotenzial. Die so gewonnene Expertise soll nun im Schulterschluss mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbändenund Politik in die Herstellung und kommerzielle Nutzung grünen Wasserstoffs einfließen.

Drei Jahrzehnte Wasserstoff-Expertise in Industrie und Forschung

Und auch Wasserstoff ist an der Waterkant kein Unbekannter: Forschungen an Wasserstofftechnologien gibt es im Norden seit den Neunziger Jahren. Aus dieser Geschichte stammen auch erste Wasserstoffnetzwerke, die in Zukunft deutlich gestärkt werden sollen. Derzeit arbeiten im Radius von gut 200 Kilometern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an zwei Dutzend Universitäten und Fachhochschulen, über 20 Fraunhofer-Instituten, Helmholtz-Zentren, den Energieforschungsverbünden oder der DLR. An der norddeutschen Wasserstoffstrategie sind darüber hinaus mehrere hundert Unternehmen beteiligt, darunter Global Player wie Siemens, Shell, Total, Arcelor Mittal, Aurubis, Alstom, Continental, Salzgitter, Linde, VW, Bosch, MAN und EWE genauso wie innovative Start-ups und Spezialisten.

Grüner Wasserstoff ist ein umweltfreundlicher Energieträger, der in Zukunft Öl und Gas ersetzen könnte. Er ist außerdem ein wichtiger Ausgangsstoff für die chemische Industrie. Wer hier erfolgreich ist, kann nachhaltig profitieren –bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft, bei der Wettbewerbsfähigkeit und beim Strukturwandel, aber auch beim Klimaschutz.Darum will sich die Initiative dafür stark machen, dass sich weitere Unternehmen, Think Tanks, Forschungseinrichtungen und Start-ups in Norddeutschland ansiedeln, um so gemeinsam mit den Stakeholdern vor Ort Lösungen für grünen Wasserstoff zu entwickeln.

Mehr als Windstrom und Wasser

Die Wasserstoffwirtschaft soll damit auch Bestandteil einer "nachhaltigen" Wirtschaftspolitik werden. Norddeutschland liegt im Zentrum zukünftiger Wasserstoffmärkte entlang der europäischen Nord-und Ostseeküste. In der Region, die so groß wie Dänemark und die Niederlande zusammen ist, leben 15 Millionen Menschen, die ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von mehr als 600 Millionen Euro erwirtschaften und damit den 7. Platz im EU-Länder-Ranking belegen würden.

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