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Energiemanagementsystemen

Was die neuen Iso-Normen für das nächste Audit ihres Energiemanagementsystems bedeuten?

| Autor / Redakteur: Dr. Wolfgang Hahn, Matthias Ebinger* / Anke Geipel-Kern

Autor Dr. Wolfgang Hahn ist Geschäftsführer der ECG-Consulting
Autor Dr. Wolfgang Hahn ist Geschäftsführer der ECG-Consulting (Bild: ECG – Energie Consulting GmbH)

Die neue ISO 50003 zur Auditierung und Zertifizierung von Energiemanagementsystemen verschärft den Druck auf die Industrie. Zertifiziert wird bald nur noch, wer wirklich besser geworden ist und das mit Kennzahlen nachweisen kann. Was die neuen Anforderungen an Energiemanagementsysteme für die Chemiebranche wirklich bedeuten.

Seit dem 14. Oktober 2017 müssen Unternehmer erstmals eine kontinuierliche und messbare Verbesserung der energetischen Leistung nachweisen. So will es die neue Norm ISO 50003, die die Anforderungen an den Prüfer bei der Auditierung und Zertifizierung von Energiemanagementsystemen (EnMS) definiert. Über diesen Umweg wird faktisch auch die Basisnorm ISO 50001 verschärft.

Wichtig für energieintensive Industrien

Die Regelung ist auch für die Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie von Bedeutung, vor allem für die, die als energieintensiv eingestuft sind und deshalb von der besonderen Ausgleichsregel des EEG-Gesetzes profitieren. Zwar stellen in der Chemie- und der Pharmaindustrie Wärme und Dampf die wichtigsten Energieträger dar. Da diese aber häufig zusammen mit Strom erzeugt werden, verändert die Befreiung von der EEG-Umlage die Energiekostenbelastung insgesamt.

Das jeweilige Unternehmen muss in Zukunft dem Auditor bei der Prüfung nachweisen, dass im Unternehmen tatsächlich eine Verbesserung eingetreten ist, was deutlich mehr Aufwand erfordert. War bisher im Prinzip das reine Vorhandensein eines EnMS ausreichend, wird nun deutlich mehr verlangt. Je nach Gültigkeit des derzeit aktuellen Zertifikats eines Unternehmens nach ISO 50001 besteht eine Übergangsfrist bis spätestens Oktober 2020. Neue EnMS müssen die Vorgaben schon jetzt erfüllen.

Energiemanagement 2.0

Um die geforderte Verbesserung der energetischen Leistung in Zukunft sicherzustellen, müssen Unternehmen unbedingt einen konsistenten Energieplanungsprozess und ein valides Kennzahlensystem aufsetzen. Insbesondere die Anforderungen an das Kennzahlensystem steigen deutlich.

Oftmals haben Unternehmen in den ersten Jahren ihres ISO 50001-Systems Kennzahlen sehr pragmatisch in einem Top-Down-Ansatz definiert, also anhand von verfügbaren historischen Daten. Dabei waren die Einflussparameter auf die einzelnen Kennzahlen häufig nicht ausreichend messbar oder im Extremfall unbekannt. Wenn man aber das Gewicht der einzelnen Einflussvariablen nicht kennt, kann man die Entwicklung einer Kennzahl nicht wirklich vorhersagen und ist so vor Überraschungen nicht gefeit.

Künftig sollte ein Unterneh- men Energieleistungskennzahlen (EnPIs) verwenden, die sich über deren Einflussparameter und gegebenenfalls bereinigt um Sondereffekte erklären lassen, beispielsweise über eine Formel mit Konstanten und Variablen. Hierfür bietet sich ein Bottom-Up-Vorgehen an. Die Entwicklung eines solchen Systems ist nicht trivial, weil bereits rechtzeitig vor einem Zertifizierungsaudit Aufzeichnungen der Kennzahlen vorliegen müssen. Hinzu kommt, dass auch die Dokumentationspflichten für das Unternehmen steigen. Insgesamt dürfte die neue Norm deshalb zu signifikantem Mehraufwand führen.

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