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Energiemanagementsystemen

Was die neuen Iso-Normen für das nächste Audit ihres Energiemanagementsystems bedeuten?

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Handlungsfelder bestimmen

Das letzte ist bereits der Übergang zum dritten Handlungsfeld, nämlich der Definition einer bereinigten Kennzahl für die Energieeffizienz-Bewertung. Dabei geht es sowohl um Faktoren wie Wetter und Temperatur, aber auch neue Produkte oder Veränderungen bei der Nachfrage. Auch hier ein Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen weist in dem dreijährigen Betrachtungszeitraum 2014 bis 2016 den prognostizierten Rückgang beim Erdgasverbrauch zur Beheizung der Bürogebäude auf, musste aber für 2015 einen Ausrutscher nach oben erklären.

Zur Normalisierung wurden Klima- und Temperaturdaten herangezogen und der Erdgasverbrauch dazu ins Verhältnis gesetzt. Im Ergebnis stellte sich heraus, dass im ersten Jahr aufgrund ungewöhnlich hoher Wintertemperaturen der Erdgasverbrauch sehr niedrig gewesen war und damit als Maßstab für das Folgejahr nicht geeignet war. Die normalisierte Darstellung zeigte dann, dass die umgesetzten Maßnahmen zur Energieeinsparung tatsächlich gegriffen hatten.

Neuer Leitfaden: ISO 50006

Um es den Unternehmen in der Praxis leichter zu machen, sinnvolle Kennzahlen zu identifizieren, hat der Normgeber mit der ISO 50006 einen „Leitfaden für Anwender mit methodischen Ansätzen und Praxisbeispielen zu Energiekennzahlen“ vorgelegt. Diese Norm stellt eine Hilfe zur Identifizierung von Einflussgrößen und Erstellung von Energieleistungskennzahlen (EnPI) dar. So werden u.a. Verfahren beschrieben, mit welchen die Einflussparameter auf Kennzahlen mathematisch erfasst und dargestellt werden können.

Insgesamt stellt die verschärfte ISO 50001 eine echte Herausforderung für Unternehmen mit einem Energiemanagementsystem dar. Systeme, die in der Vergangenheit eher pragmatisch aufgebaut worden waren, müssen nun auf ihre Systematik und Qualität überprüft und bei Bedarf neu strukturiert werden. Mancher wird deshalb vor dem Aufwand zurückschrecken. Mit Blick auf das Risiko, die Privilegierung als energieintensives Unternehmen zu verlieren, gibt es aber für die Prozessindustrien keine Alternative dazu, das Thema anzugehen.

* * Dr. W. Hahn ist Geschäftsführer und M. Ebinger Energieberater der ECG Energie Consulting GmbH, Kehl. Kontakt: Tel. +49-7854-98750

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Über den Autor

Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik