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Virtuelle Hauptversammlung Wacker rechnet wegen Corona mit Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis

| Redakteur: MA Alexander Stark

Der wirtschaftliche Abschwung in Folge der Pandemie hat Spuren im operativen Geschäft von Wacker hinterlassen. Seit dem zweiten Quartal macht sich der wirtschaftliche Stillstand durch die Corona-Pandemie für den Konzern deutlich spürbar. Das zeigt sich im Auftragseingang, aber auch in rückläufigen Umsätzen.

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„Das Coronavirus hat die Wirtschaft mit voller Wucht und unvorbereitet getroffen. Die Kosten übersteigen voraussichtlich alles, was wir aus Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte kennen“, so Rudolf Staudigl.
„Das Coronavirus hat die Wirtschaft mit voller Wucht und unvorbereitet getroffen. Die Kosten übersteigen voraussichtlich alles, was wir aus Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte kennen“, so Rudolf Staudigl.
(Bild: Wacker)

München – Die Hauptversammlung von Wacker Chemie hat in diesem Jahr erstmals in rein virtueller Form ohne physische Anwesenheit der Aktionäre stattgefunden. In seiner Rede, die vorab auf der Webseite des Unternehmens veröffentlicht worden war und über das Internet live an die Aktionäre übertragen wurde, ging Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender des Münchner Chemiekonzerns, auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie ein. „Das Coronavirus hat die Wirtschaft mit voller Wucht und unvorbereitet getroffen. Die Kosten übersteigen voraussichtlich alles, was wir aus Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte kennen“, so Staudigl. Wacker habe unmittelbar alles getan, um den Auswirkungen der Pandemie mit ganzer Kraft zu begegnen. Der Schutz und die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das Aufrechterhalten der Produktion sowie die langfristige Sicherung des Unternehmens hätten dabei oberste Priorität, betonte der Vorstandsvorsitzende.

Wie lange s die Auswirkungen von Corona das Unternehmen noch begleiten werden, sei derzeit nicht verlässlich abzuschätzen, so Staudigl weiter. Eine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr 2020 gibt der Konzern daher weiterhin nicht ab. Das Unternehmen hatte bereits im Bericht zum ersten Quartal davon Abstand genommen, eine Prognose für 2020 abzugeben. Aktuell rechnet Wacker damit, dass in Folge der Pandemie der Umsatz, das Ebitda und die Ebitda-Marge im laufenden Geschäftsjahr unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Beim Netto-Cashflow geht das Unternehmen von einem höheren Wert als im letzten Jahr aus.

Das Unternehmen geht davon aus, dass sich das Chemiegeschäft im zweiten Halbjahr stabilisieren wird – vorausgesetzt eine zweite Infektionswelle bringt das öffentliche Leben in der Welt nicht wieder zum Erliegen. Vor allem das Polysiliciumgeschäft ist vor allem im Solarmarkt von der Corona-Pandemie betroffen. Der Zubau neu installierter Anlagen ist hier zeitweise stark zurückgegangen. Gleichzeitig ist das Preisniveau weiterhin niedrig.

Preisanstieg bei Silicium wirkt sich stabilisierend aus

Seit Kurzem sei allerdings ein Preisanstieg am Markt zu beobachten, erläuterte Staudigl auf der virtuellen Hauptversammlung. Ein Grund dafür dürfe der Produktionsausfall bei einem großen chinesischen Wettbewerber sein, der für Wacker einen Bedarf an zusätzlichen Mengen auf Kundenseite und die Chance auf höhere Preise nach sich gezogen hat. Dieser Effekt wird sich nach Einschätzung des Unternehmens voraussichtlich zeitweise positiv auf sein Geschäft mit Silicium für die Solarindustrie auswirken. Stabil gestaltet sich nach wie vor die Nachfrage nach Polysilicium für die Halbleiterindustrie. Hier geht Wacker davon aus, dass sich der Markt im zweiten Halbjahr weiterhin gut entwickeln wird.

Digitales Netzwerk statt Präsenzveranstaltung

Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus werden reihenweise Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Digitalen Plattformen, die diese Entwicklung kompensieren können, kann die Zukunft gehören. „Industrial Generation Network“ ist so eine Lösung für Professionals in der Industrie. Die Plattform ermöglicht eine umfassende Vernetzung sowie Produktpräsentation und thematischer Austausch mithilfe von Tools wie Terminvereinbarung und Videokonferenzen. Damit ersetzt die Plattform die aktuell stark eingeschränkte Face-to-Face-Kommunikation vor allem auf Messen.

Wie kann die Plattform mir helfen?

Für die langfristige Zukunft des Unternehmens zeigte sich Staudigl optimistisch: „Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen werde: Wir besitzen die richtigen Produkte und sind nah am Kunden. Wir nehmen auf allen für uns wichtigen Märkten führende Positionen ein und arbeiten kontinuierlich an der Entwicklung innovativer neuer Produkte und Technologien. Dabei setzen wir verstärkt auf nachhaltige Lösungen – nicht nur bei unseren Produkten, auch in unseren Produktionsprozessen und in den Lieferketten. Dazu kommt, dass wir auf einem stabilen finanziellen Fundament stehen.“

Als Dividende des Geschäftsjahres 2019 schüttet der Chemiekonzern insgesamt 24,8 Millionen Euro an seine Aktionäre aus. Die Dividende pro dividendenberechtigter Aktie beträgt 0,50 Euro. Auch die übrigen Vorschläge der Verwaltung wurden von der Hauptversammlung mit großer Mehrheit angenommen.

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