Suchen

Tag 2 der NAMUR-Hauptsitzung 2016 Vom Feldgerät über Modularisierung bis Data Mining

| Autor / Redakteur: Gerd Kielburger, Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Vom Heute zum Morgen. Vom Feldgeräte-Alltag über die Chancen der Modularisierung bis hin zu Data Mining. Der Spannungsbogen war auch am zweiten Tag der Namur-Hauptsitzung weit geschlagen. Deutlich spürbar auch hier: Das Modernisierungstempo, das Anwender und Betreiber in der Prozessautomatisierung gemeinsam mit der Ausrüsterindustrie eingeschlagen haben, hat signifikant zugenommen.

Firmen zum Thema

Blick in den Plenarsaal der 79. NAMUR-Hauptsitzung.
Blick in den Plenarsaal der 79. NAMUR-Hauptsitzung.
(Bild: Ernhofer/PROCESS)

Tag zwei der diesjährigen Namur-Hauptsitzung adressierte zu Beginn die Themen, die den Anwendern in ihrer täglichen Arbeit unter den Nägeln brennen. Denn bei allen Konzepten, die im Augenblick unter der Stichwort Industrie 4.0 laufen, wird eines deutlich: Zunächst müssen die jetzt eingesetzten Komponenten funktionieren. Und gerade im Hinblick auf zuverlässige Feldgeräte gibt es durchaus noch Hausaufgaben zu erledigen. Darauf verwies Thomas Grein, Interessengemeinschaft Regelwerke Technik (IGR) e.V., der die Anwender diesbezüglich auf den Boden des Feldgeräte-Alltags zurückholte, indem er über seine Erfahrungen bei der Typprüfung von Feldgeräten berichtete. „Erst die sichere und zuverlässige Erfassung der Prozessparameter ermöglicht den wirtschaftlichen Betrieb einer Prozessanlage“, machte Grein mehr als deutlich.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Bei der Typprüfung gemäß NE 95 wird getestet, ob das Gerät für die Belange der Prozessindustrie geeignet ist. Dazu gehören unter anderem EMV-Tests, die Einhaltung der Namur-Empfehlungen, Dokumentationsprüfungen oder Ex-Begutachtungen. Das Erstaunliche: Noch nicht mal jedes zweite Gerät besteht die Typprüfung auf Anhieb, obwohl diese eigentlich für die Prozessindustrie entwickelt wurden. Davon kann zwar ein Drittel nachgebessert werden, aber: Für die Betreiber bedeutet dies einen verzögerten Einsatz und auf Gerätehersteller kommen oft Mehrkosten in der Entwicklung und Dokumentation zu. Jedes 5. Gerät besteht im Übrigen die Typenprüfung überhaupt nicht.

Nicht immer sind es schwerwiegende Mängel, manchmal handelt es sich lediglich um unklare Begriffsbezeichnungen. „Was verbirgt sich hinter dem Begriff Sicherheits-Messabweichung?“, nannte Grein ein Beispiel. Wesentlich schwerwiegender sind Fehler, die zu einer geringeren Verfügbarkeit führen. So wurde bei einem Gerät ein Messbereich von 1 bis 4 bar Überdruck eingestellt. Die Diagnosefunktion meldete, dass ein Messwert von kleiner als 1 bar gleichbedeutend mit einem Gerätefehler ist. Da die Inbetriebnahme bei Normdruck erfolgt, wird die Messung erst gar nicht in Betrieb gehen können. „Nur irreversible Geräteschäden, die die Funktion als Komponente einer PLT-Sicherheitsfunktion beeinträchtigen können, dürfen zu einer Abschaltung des Gerätes führen“, weist Grein auf die logische Konsequenz hin. In diesem Beispiel führte erst der Dialog mit dem Hersteller zu einer Nachbesserung und Erweiterung des Messbereichs.

Klare Aussage der Namur: Grundlegende Anforderungen an Feldgeräte sind zeitlos gültig, dies ist bei der Neuentwicklung und Weiterentwicklung zu berücksichtigen. Der entscheidende Punkt für den Erfolg - so Grein – liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Geräteherstellern und Anlagenbetreibern. Nur so lassen sich die künftigen Anforderungen am Markt erfolgreich umsetzen. Dabei will sich die Namur nicht als Bremser verstanden wissen, sondern die Anforderungen, wie sie in den zahlreichen Namur-Empfehlungen niedergeschrieben stehen, sind das Fundament für einen sicheren Betrieb. Vor diesem Hintergrund wird sich der Arbeitskreis dann auch mit Themen der Zukunft beschäftigen, zum Beispiel den Umgang mit Geräten, die mit Bluetooth versehen sind, smarte Feldgeräte, der Cloud-Instandhaltung, den Themen Diagnose-Informationen und Modellstrategien in Verbindung mit Cyberphysical Sensors sowie Web-Servern und Apps.

An der Modularisierung führt kein Weg vorbei

Seit geraumer Zeit beherrscht das Thema Modularisierung die Diskussionen der Namur-Besucher. Über die neuesten Entwicklungen diskutierten in diesem Jahr – zwei Jahre nach Vorstellung des DIMA-Konzeptes – Jens Bernshausen (Invite, Namur), Axel Haller (ABB, Automation, ZVEI) und Dr. Johannes Wagner (Sartorius Stedim Systems GmbH) im Rahmen einer Podiumsdiskussion über den aktuellen Stand. Anwender Wagner betonte die Wichtigkeit der modularen Einheiten, da insbesondere Pharma- und Biotech-Projekte sehr schnell umgesetzt werden müssen. „Das Engineering lässt sich verkürzen und die Spezifizierungsphase gestaltet sich wesentlich einfacher, weil ich mich mit einem Kunden nicht mehr über jedes einzelne Ventil unterhalten muss. Zudem ist im GMP-Bereich allein die Dokumentation von vorvalidierten Modulen wesentlich leichter“, bringt Wagner die Vorteile auf den Punkt.

Link zur Studie Weitere Beiträge, Bildergalerien und Webcasts zur NAMUR finden Sie auf unserer Landingpage zur Veranstaltung.

(ID:44374892)

Über den Autor