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BASF-Unfallserie

Ursachenforschung läuft auf Hochtouren – Neue Panne im Werksteil Süd

| Autor/ Redakteur: Tobias Hüser / Wolfgang Ernhofer

Nach dem schweren Unfall im Landeshafen Nord des BASF-Werks Ludwigshafen mit drei Todesopfern und zahlreichen zum Teil Schwerverletzten, reißt die Pannenserie bei BASF nicht ab. Gestern musste die Werksfeuerwehr erneut ausrücken, um im Werksteil Süd eine unerwünschte Behälterreaktion zu verhindern. Währenddessen hat das Unternehmen einen der beiden Steamcracker wieder in Betrieb genommen.

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Bei einem Chemieunfall im BASF-Stammwerk Ludwigshafen sind zwei Menschen ums Leben gekommen. (Symbolbild)
Bei einem Chemieunfall im BASF-Stammwerk Ludwigshafen sind zwei Menschen ums Leben gekommen. (Symbolbild)
(Bild: David Mark, CC0, http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/)

Ludwigshafen – Die Ursachenforschung der gewaltigen Explosion läuft auf Hochtouren. Bei der Explosion auf dem BASF-Werksgelände am 17. Oktober 2016 um 11:30 Uhr kamen drei Menschen ums Leben, mindestens acht Personen wurden schwer verletzt, viele weitere erlitten Verletzungen.

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Insgesamt sollen mehr als 160 Feuerwehrmänner am Einsatz beteiligt gewesen sein. Da die explodierten Rohrleitungen in einem Rohrgraben mit einer Schaumdecke überzogen sind, konnte die Unglücksstelle erst nach Abpumpen der unter der Schaumabdichtung befindlichen Stoffe untersucht werden. Nach Auskunft eines BASF-Sprechers handelte es sich bei den verbrannten Substanzen an der Versorgungsleitung im Tanklager des Hafens mit großer Wahrscheinlichkeit um Ethylen und Propylen. Erst nach dem Eintreffen der Werksfeuerwehr hatte sich die Explosion ereignet. Am Nordhafen werden verschiedene flüssige und gasförmige Stoffe mit Schiffen angeliefert und verladen.

Direkt nach der Explosion wurden aus Sicherheitsgründen beide Steamcracker, die als Herzstück des Werkes gelten, sowie weitere Produktionsanlagen heruntergefahren. Nach intensiver Prüfung der Sicherheitslage und in enger Abstimmung mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd wurde jetzt ein Steamcracker wieder in Betrieb genommen. Beim Herunterfahren hatten sich Fackeln gebildet, weil Stoffe in Leitungen verbrannt werden müssten. In den kommenden Tage sollen dann weitere abgeschaltete Anlagen wieder hochgefahren werden.

Die Logistik mit Zügen, Lastwagen und Schiffen ist derzeit eingeschränkt funktional. Der wirtschaftliche Schaden indes ist laut BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale noch nicht absehbar. BASF hat eine Force Majeure-Erklärungen für die Abnahme von Naphtha, Ethylen und Propylen herausgegeben.

Weiterer Unfall in Lampertheim

Bereits vor der schweren Explosion in Ludwigshafen war es am gleichen Tag am BASF-Standort Lampertheim zu einer Verpuffung am Filter einer Anlage für Kunststoffzusätze gekommen. Dabei wurden laut dem Unternehmen vier Mitarbeiter verletzt. Die Anlage wurde abgestellt. Umweltmessungen stellten keine erhöhten Werte fest. Die Ursache für die Verpuffung war zunächst unklar.

Erneuter Einsatz der Werksfeuerwehr

Unabhängig vom Störfall am Landeshafen Nord musste am Donnerstag, den 20. Oktober erneut die Werksfeuerwehr ausrücken, um eine Behälterreaktion im Werksteil Süd zu verhindern. Ursache war laut Unternehmen eine unerwünschte Reaktion in einer Produktionsanlage. Aufgrund einer fehlerhaften Produktmischung sei ein Temperatur- und Druckanstieg in einem Behälter mit Ethylenoxid und Ammoniak möglich gewesen. Während die Mischung korrigiert wurde, war die Feuerwehr damit beschäftigt, den Behälter herunterzukühlen. Wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte, seien keine Chemikalien ausgetreten. Offensichtlich sei in einem kurzen Abschnitt vergessen worden, ein Produkt beizumischen. Um eine mögliche Explosion zu verhindern, wurde die fehlende Substanz dann gezielt zugeführt. Mitarbeiter im Radius von hundert Metern durften die Gebäude nicht verlassen.

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