M&A in Chemie und Life Sciences Transaktionsaktivitäten zeigen deutliche Erholung im zweiten Halbjahr 2020

| Aktualisiert am 11.01.2021Redakteur: MA Alexander Stark

Im vergangenen Jahr ist das Transaktionsvolumen der angekündigten Fusionen und Übernahmen in den Branchen Life Sciences und Chemie auf 290 Milliarden Euro gesunken. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Minus von 42 %. Die Zahl der Transaktionen zeigte im zweiten Halbjahr allerdings wieder einen positiven Trend, so eine KPMG-Analyse, die auf Daten von Thomson Reuters beruht.

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Die M&A-Aktivität in der Chemie- und Life Sciences-Branche verzeichnet im zweiten Halbjahr 2020 eine Aufholjagd.
Die M&A-Aktivität in der Chemie- und Life Sciences-Branche verzeichnet im zweiten Halbjahr 2020 eine Aufholjagd.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Nachdem das Transaktionsvolumen in den Branchen Chemie und Life Sciences im ersten Halbjahr drastisch abgenommen hatte, haben Nachholeffekte sowie der Fokus auf strategische Maßnahmen zur Portfoliooptimierung im zweiten Halbjahr für eine Wiederbelebung gesorgt. Trotz anhaltender Covid-19 Pandemie und weltweiter Rezession wurden in den vergangenen sechs Monaten Deals in Höhe von rund 76 % des jährlichen Deal-Volumens angekündigt. Dabei stieg die Zahl der Transaktionen von 3735 auf 4140. Für Christian Klingbeil, Sector Head Deal Advisory Life Science bei KPMG in Deutschland, verdeutlicht diese Entwicklung, dass M&A-Akteure makroökonomische Rahmenbedingungen als stabil betrachten, sodass sich an den positiv gestimmten Kapitalmärkten zahlreiche Übernahmechancen ergeben würden.

Life Sciences: Blockbuster-Übernahmen trotz Covid-19 Pandemie

Auch wenn das angekündigte Transaktionsvolumen der Life-Sciences-Branche gegenüber dem Rekordjahr 2019 um 39 % einbrach, ist eine deutliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte erkennbar. Seit Ende des ersten Halbjahres vervierfachte sich das kumulierte Transaktionsvolumen auf 234,5 Milliarden Euro. Dabei überstieg die Zahl der angekündigten Deals mit insgesamt 3161 sogar die des Vorjahres (2768).

Die rasche Erholung der M&A-Aktivitäten der Life-Sciences-Branche ist zum einen auf vier große Blockbuster-Transaktionen der zweiten Jahreshälfte in den Bereichen Immunologie, Onkologie und Kardiologie zurückzuführen. Zum anderen trugen Biotech-Unternehmen enorm zum Aufschwung bei, da diese aufgrund der Entwicklung eines Impfstoffes eine

Schlüsselrolle im Kampf gegen Covid-19 einnehmen und somit zu attraktiven Übernahmekandidaten wurden und der gesamten Branche zu höheren Bewertungen verhalfen. Verstärkt wurde diese Entwicklung zusätzlich durch ein gesteigertes Interesse von Private-Equity-Unternehmen an Biotech-Aktivitäten.

Laut Klingbeil zeigen die großen Übernahmen von Varian Medical Systems und Asklepios Biopharmaceutical – mit deutscher Beteiligung von Siemens bzw. Bayer –, dass der Weg der Erholung auch in Deutschland bereits begonnen habe. Die Analysten erwarten für 2021 eine rasch voranschreitende Erholung der M&A-Aktivitäten im Life-Sciences-Bereich, getrieben durch weitere Portfolio-Reorganisationen sowie eine steigende Nachfrage in den Therapiegebieten Onkologie und Autoimmunkrankheiten.

Chemie: Krise verstärkt Veränderungsdruck auf Unternehmen

Im Chemiesektor wurden im Jahr 2020 nach einer Aufholjagd am Jahresende mit 979 Transaktionen ein vergleichbares Niveau zum Vorjahr angekündigt, wodurch der stetige Abwärtstrend der vergangenen vier Jahre im Hinblick auf die Zahl der Transaktionen trotz der Covid-19-Krise gestoppt wurde. Anhaltender Treiber hierfür war die vergleichsweise schnelle Erholung in Asien, die sich in einer gestiegenen Zahl an Transaktionen niederschlug. Als zunehmend wichtige Akteure haben zudem im Jahr 2020 Finanzinvestoren ihren Anteil an der Gesamtzahl der Transaktionen von 33 % im Jahr 2019 auf 40 % im vergangenen Jahr weiter ausgebaut und hierdurch die M&A-Aktivität angetrieben.

Demgegenüber blieb das Transaktionsvolumen mit 56 Milliarden Euro mit einem Minus von 51 % weit unter dem Vorjahreswert - auch nach Bereinigung des Vorjahres um die Sabic-Transaktion (56,8 Milliarden Euro), setzt 2020 den Abwärtstrend beim Transaktionsvolumen fort. Wesentlicher Treiber des gesunkenen Volumens stellte das Ausbleiben von Blockbuster Deals oberhalb von 10 Milliarden Dollar (8,2 Milliarden Euro) dar.

Wie bereits im vergangenen Jahr stellte die Optimierung des Portfolios und die Konzentration auf das Kerngeschäft auch im Jahr 2020 einen wesentlichen Treiber des M&A-Geschehens dar.

Covid-19 hat die Unternehmen nach Ansicht von Klingbeil nicht nur dazu getrieben, sich robuster aufzustellen, sondern auch verstärkt den Fokus auf Themen wie die Sicherung von Lieferketten gelegt. Investitionen sowie strategische Akquisitionen wären insgesamt aufgrund der Marktunsicherheiten und deren Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle zurückhaltender verfolgt worden. Mit Blick auf 2021 erwarten die Analysten ausgehend von einer Verbesserung der Pandemiesituation sowie wirtschaftlichen Erholung eine leichte Erhöhung der M&A-Aktivitäten durch weitere Portfolioumschichtungen im Zuge der strategischen Ausrichtung der Chemieunternehmen auf ihr Kerngeschäft. Hierbei sollen auch Finanzinvestoren weiter zum Zuge kommen, deren gestiegener Anteil sich zunehmend auch in größeren Transaktionen widerspiegle. Megatrends der Branche wie Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung und Digitalisierung seien angesichts der Krise weniger im Fokus gestanden, sollen nach den Erwartungen von Klingbeil aber in naher Zukunft ebenfalls weiter zu Veränderungsdruck führen.

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