Anlagenbau der Zukunft Streben nach Energieeffizienz ist für Europas Chemie überlebensnotwendig

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Eingeklemmt zwischen Shale Gas und gigantischen Chemiekomplexen im Nahen Osten ist Rohstoff- und Energieeffizienz blanke Notwendigkeit für deutsche Chemiestandorte. Reiner Roghmann, Chef des Dow Olefinverbundes, spürt die Verwerfungen im internationalen Wettbewerb deutlich. Das wurde in seiner Keynote-Speak anlässlich der Tagung „Anlagenbau der Zukunft“ in Magdeburg klar.

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„Insbesondere energieintensive Produktionsprozesse, wie z.B. die Chlor-Alkali-Elektrolyse zur PVC-Herstellung in Schkopau, werden verstärkt nach einem innovativen Energiemanagement suchen müssen um auch unter steigenden Energiepreisen konkurrenzfähig zu bleiben.“ Reiner Roghmann, Geschäftsführer Dow Olefinverbund, Schkopau.
„Insbesondere energieintensive Produktionsprozesse, wie z.B. die Chlor-Alkali-Elektrolyse zur PVC-Herstellung in Schkopau, werden verstärkt nach einem innovativen Energiemanagement suchen müssen um auch unter steigenden Energiepreisen konkurrenzfähig zu bleiben.“ Reiner Roghmann, Geschäftsführer Dow Olefinverbund, Schkopau.
(Bild: Viktoria Kühne)

Auch wenn die Experten der gerade zu Ende gegangenen UN-Klimakonferenz eindeutig der exzessiven Kohlenutzung den schwarzen Peter an der steigenden Erderwärmung zuteilen – das niederschmetternde Ergebnis, das die Wissenschaftler Unternehmenslenkern und Politikern ins Stammbuch schreiben, zeigt eindrücklich: Energie- und Rohstoffeffizienz bleiben auf der Tagesordnung, und kein Unternehmen kann sich mit dem Hinweis auf das bereits Erreichte zurücklehnen.

Energieeffizienz auch Selbstzweck

Für die Großchemie ist das mit Blick auf die immer schwieriger werdende Wettbewerbssituation ohnehin keine Option. Der Fokus auf noch mehr Energieefffizienz ist aber nicht nur dem Klimawandel geschuldet, sondern durchaus auch Selbstzweck. Ohne entsprechende Maßnahmen, die alle Bereiche erfassen, kann in Europa kaum noch ein Unternehmen im weltweiten Wettbewerb mithalten.

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Daran ließen Reiner Roghmann, Geschäftsführer der Dow Olefinverbund in Schkopau, und Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Gerhardt, BASF, auf der Fraunhofer-Tagung „Anlagenbau der Zukunft“ keinen Zweifel. Ludwigshafen sei der größte Verbundstandort Europas und daher per se schon ein Energiesparmodell, sagt Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Gerhardt, Senior Vice Präsident Engineering der BASF.

Viel Luft nach oben ist seiner Meinung nach nicht mehr, und Diskussionen, wie die über eine Streichung der EEG-Umlage oder der Wegfall der Eigenstromverordnung, lassen auch bei den BASF-Granden Nervosität auf kommen. Schließlich ist der Gaspreis europaweit jetzt schon viermal und der Strompreis doppelt so hoch wie in Nordamerika.

Shalegasboom in den USA

Dabei ist der vielzitierte Shalegasboom, der die amerikanischen Energiepreise in den Keller fallen lässt, nur die Spitze der Herausforderungen, mit der die Unternehmen zu kämpfen haben. „Der Markt in Europa wächst schon seit 2008 nicht“, sagt Reiner Roghmann. Lege man das Marktwachstum von 2 bis 3 % zugrunde, fehlten in Summe 15 %. Economy of Scale sei daher in Europa schon lange kein Mittel mehr, um Fixkosten zu verdünnen.

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