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Verpuffung und Chlorgasfreisetzung Störfälle in Lampertheim und Burghausen aufgearbeitet

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Die Zentrale Melde- und Auswertestelle für Störfälle und Störungen in verfahrenstechnischen Anlagen (Zema) hat die Abschlussberichte für zwei Störfälle veröffentlicht. Bei der Verpuffung an einer Förderschnecke am BASF-Standort Lampertheim wurden vier Mitarbeiter verletzt. Bei Wacker in Burghausen gab es zwölf Verletzte durch eine Chlorgasfreisetzung. PROCESS fasst die Abschlussberichte mit Ursachen und Schlussfolgerungen zusammen.

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In Lampertheim und in Burghausen gab es Störfälle die in der Zema-Datenbank abschließend aufgearbeitet wurden. (Symbolbild)
In Lampertheim und in Burghausen gab es Störfälle die in der Zema-Datenbank abschließend aufgearbeitet wurden. (Symbolbild)
(Bild: Ernhofer / PROCESS)

Würzburg – Am BASF-Standort im hessischen Lampertheim kam es am 17.10.2016 zu einer Verpuffung an einer Förderschnecke in einer Mehrzweckanlage. Bei der Herstellung eines Lichtschutzmittels wird dieses aus einem Kristallisationsbehälter als Feststoff (noch lösemittelfeucht; hier Siedegrenzenbenzin) isoliert und anschließend in Trocknern getrocknet.

„Zur Produktisolierung über eine Nutsche wird die Kristallsuspension auf die Nutsche gegeben und das Lösemittel (hier: Siedegrenzenbenzin) unter leichtem Vakuum und geringem Stickstoffüberdruck entfernt. Auf dem Filter verbleibt die feuchte Produktschicht, die mit einem – sich in der Nutsche drehenden – Krählarm über einen Abwurfschacht nach unten ausgetragen wird und über ein Förderschneckensystem in den jeweiligen Trockner gelangt“, so die Zema.

Der Auslöser der Verpuffung war ein verstopfter Austragsweg einer Förderschnecke. Das Produkt konnte dadurch nicht mehr ausgetragen und von der Nutsche zu den Trocknern gefördert werden. Die Mitarbeiter wollten die Störung mechanisch durch einen manuellen Eingriff beheben.

Funkenbildung führt zu Zündung von Benzindämpfen

Die Zema beschreibt die Geschehnisse wie folgt „Für diese Tätigkeit wurde im Vorfeld eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt und darauf basierend eine schriftliche Arbeitsfreigabe (spezieller Freigabeschein) erteilt. Der Eingriff zur Beseitigung der Verstopfung erfolgte an der Revisionsöffnung des Abwurfschachtes/Eingang Förderschnecke unterhalb des Austragsschiebers der Nutsche. Dabei kam es trotz der ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen (z.B. Verwendung eines Holzstabes zur Vermeidung von Funkenbildung) zur nicht vorhergesehenen (höchstwahrscheinlich elektrostatischen) Zündung der, aus dem Produkt ausgasenden, Siedegrenzenbenzindämpfe.“

Bei der Verpuffung wurden vier Mitarbeiter verletzt und es entstand ein Sachschaden in Höhe von 20.000 Euro. Die Flammen konnten sofort durch eine ausgelöste Brandmelde-/Schaumsprinkleranlage gelöscht werden.

Konsequenzen und technische Vorkehrungen

Als direkte Konsequenz aus dem Störfall, wird das Produkt nur noch in der inertisierten Zentrifuge isoliert und nicht mehr auf der Nutsche. Die Zentrifuge ist direkt über den Trocknern konstruiert, so dass keine Förderschnecken mehr benötigt werden, weil das Produkt direkt aus der zentrifuge in den Trockner abgeworfen werden kann.

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