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Meilenstein Explosionsschutz/Druckentlastung

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Exklusiv-Interview: Meilenstein Explosionsschutz/Druckentlastung

Sicherheit ist eine Frage des Vertrauens

| Autor / Redakteur: Manja Wühr / Manja Wühr

„Als inhabergeführter Mittelständler denken und planen wir langfristig – im Gegensatz zu vielen Konzernen.“ Stefan Penno, Geschäftsführer
„Als inhabergeführter Mittelständler denken und planen wir langfristig – im Gegensatz zu vielen Konzernen.“ Stefan Penno, Geschäftsführer (Bild: PROCESS/Wühr)

Wenn es um die Sicherheit geht, darf es keine Kompromisse geben. Doch wie findet man den richtigen Zulieferer sicherheitsrelevanter Komponenten? Und wie stellt man sicher, dass man schlussendlich die optimale Lösung zum Schutz der eigenen Anlagen und seiner Mitarbeiter erhält? Stefan Penno, Rembe-Geschäftsführer, und Nils Lange, Prozessingenieur bei Rembe, wissen, dass es auf die Details ankommt.

PROCESS: Herr Penno, was zeichnet einen Lieferanten von sicherheitsrelevanten Bauteilen aus?

Penno: Betriebliche Sicherheit ist in erster Linie Vertrauenssache. Da braucht man einen Partner, auf den man sich verlassen kann. Dieser sollte vor allem unabhängig sein. Wir als inhabergeführter Mittelständler beispielsweise denken und planen langfristig – im Gegensatz zu vielen Konzernen. Uns interessiert weniger der kurzfristige Gewinn, als viel mehr solide Partnerschaften. Das versetzt uns in die Lage, die beste Lösung für den Kunden zu entwickeln. Auch wenn das heißt, mal kein Rembe-Produkt zu verkaufen.

PROCESS: Was verkaufen Sie stattdessen?

Penno: Unsere Engineering-Experten erarbeiten gemeinsam mit dem Kunden das optimale Schutzkonzept. Dank unserer breiten Produktpalette können wir auch viele Lösungen selbst umsetzen. Sollte das erarbeitete Schutzkonzept ein Produkt umfassen, das wir selbst nicht haben, arbeiten wir mit ausgewählten Partnern zusammen. Mein Rat ist, schauen Sie sich die Lieferanten genau an. Keiner kann in allem gut sein. Das gewährleistet, dass Sie am Ende wirtschaftliche, langlebige und vor allem sichere Produkte und Lösungen erhalten.

PROCESS: Doch woran erkenne ich das als Außenstehender?

Penno: Ein Indiz dafür ist beispielsweise die Zahl der Zertifizierungen. Klar interessieren den Einzelnen nur die für ihn relevanten. Aber man muss bedenken, dass jede Zertifizierung mit einer anderen Zielsetzung erfolgt. Darauf muss sich das Unternehmen einstellen und gegebenenfalls Prozesse anpassen. Mit jeder Zertifizierung sammelt das Unternehmen umfassende Kenntnisse an die verschiedensten Anforderungen. Mit jeder Zertifizierung belegt es seine Expertise im Markt.

„Berstscheiben sind keine Standardprodukte. Sie werden von uns immer individuell auf die jeweiligen Prozessbedingungen abgestimmt.“ Nils Lange, Process Safety Technical Sales bei Rembe
„Berstscheiben sind keine Standardprodukte. Sie werden von uns immer individuell auf die jeweiligen Prozessbedingungen abgestimmt.“ Nils Lange, Process Safety Technical Sales bei Rembe (Bild: PROCESS/Wühr)

PROCESS: Viel Theorie, wie sieht es in der Praxis aus? Was sollten Betreiber speziell bei der Auswahl einer Berstscheibe beachten?

Lange: Berstscheiben sind keine Standardprodukte. Sie werden von uns immer individuell auf die jeweiligen Prozessbedingungen abgestimmt. Dabei müssen wir zahlreiche Parameter berücksichtigen, um eine optimale Funktionsweise zu gewährleisten.

PROCESS: Welche Parameter sollte der Betreiber angeben?

Lange: Im Grunde alle. Denn um die Berstscheibe wirklich bestmöglich für die jeweilige Anwendung auslegen zu können, möchten wir so viel wie möglich über den Prozess wissen. Schon kleinste Fehlinformationen können dazu führen, dass eine zunächst richtig ausgelegte Berstscheibe am Ende doch nicht optimal für den Prozess ist. Schließlich soll die Berstscheibe erst beim definierten Berstdruck ansprechen. Nur so schützt sie das System vor Über- oder Unterdruck.

PROCESS: Mit welchen Folgen müssen Betreiber dann rechnen?

Lange: Ein Beispiel: Nehmen wir an, Rembe hat eine Berstscheibe ausgelegt für einen Berstdruck von 1 bar bei einer Betriebstemperatur von 400 °C. Wird diese Berstscheibe jedoch in einem Prozess mit einer Betriebstemperatur von 22 °C eingesetzt, spricht die Berstscheibe bei einem abweichenden Berstdruck an. Warum? Das Materialverhalten ändert sich mit der Temperatur; bei hohen Temperaturen kann das Material deutlich schwächer sein im Vergleich zur Umgebungstemperatur. Wird die Berstscheibe nun bei 22 °C betrieben, so hat das Material eine höhere Festigkeit. Damit steigt automatisch der Berstdruck an. Der Behälter ist aber in diesem Beispiel nur für Drücke bis zu 1 bar zugelassen; die Anlage ist also nicht mehr sicher geschützt. Bei der Auslegung der Berstscheibe müssen wir also die temperaturbedingten Eigenschaften des Metalls berücksichtigen.

PROCESS: Wie kann es zu solchen Fehlinformationen kommen?

Lange: Das kann verschiedene Ursachen haben: Fehlende Datenblätter, Revisionen von Normen und Standards, vertrauliche Prozessinformationen oder neue Medien bzw. Gemische. Die Abstimmung zwischen den Betreibern und uns ist daher enorm wichtig.

Was leisten moderne Explosionsschutz- und Druckentlastungslösungen von Rembe?

Meilenstein Explosionsschutz/Druckentlastung

Was leisten moderne Explosionsschutz- und Druckentlastungslösungen von Rembe?

05.04.19 - Anfang der 70er kamen die ersten Rembe-Berstscheiben auf den deutschen Markt – damals noch komplett von Hand bearbeitet. Heute entwickeln und produzieren die findigen Sauerländer Sicherheitskonzepte für Anlagen und Apparaturen nicht nur für die Prozessindustrien. Im Mittelpunkt steht stets die optimale Lösung zum Schutz von Anlage, Mensch und Umwelt. lesen

PROCESS: Was kann ein Betreiber bei fehlender Dokumentation machen?

Lange: Jüngstes Beispiel war ein ca. 45 Jahre alter Druckbehälter, der weder gewartet wurde, noch waren Daten über den Druckbehälter vorhanden. Wir haben dem Kunden geraten, von unserem Partner CSE (Center of Safety Excellence) eine Sicherheitsbetrachtung durchführen zu lassen. Das umfasst den Behälter, die Rohrleitung sowie die verwendeten Armaturen und Komponenten. Dabei wird ermittelt, welche Risiken beim Betrieb berücksichtigt werden müssen und welche Druckentlastung erforderlich ist. Das ist sicherlich ein extremes Beispiel. Aber es zeigt, dass, selbst wenn keine Daten vorliegen, wir gemeinsam mit unseren Partnern jede Anlage schützen können.

PROCESS: Niemand muss Rembe also blind vertrauen?

Penno: Ganz und gar nicht. Wir setzen auf Transparenz. Sicher ist es schwierig zu belegen, dass eben diese Berstscheibe genau diesen Prozess sicher schützt. Aber wir haben dennoch einige Möglichkeiten, um unsere Sicherheitslösungen zu überprüfen, etwa in unserem Research + Technology Center. Zudem produzieren wir immer eine zusätzliche Berstscheibe und unterziehen diese vor der Auslieferung einem Bersttest. Für sehr komplexe Versuche arbeiten wir zudem mit unserem Partner CSE zusammen. So können wir mit realen Tests den Betreibern von Prozessanlagen ein Maximum an Sicherheit gewährleisten.

PROCESS: Rembe arbeitet in den verschiedensten Bereichen mit Partnern. Nach welchen Kriterien treffen Sie Ihre Wahl?

Penno: Als jemand, der sicherheitsrelevante Bauteile herstellt, müssen wir alles im Blick haben. Das fängt bei den Lieferanten an. Eine Berstscheibe kann noch so gut ausgelegt und produziert sein, wenn das Material nicht unseren strengen Qualitätsvorgaben entspricht, kann sie die Anlagen nicht wie vorgegeben schützen. Also auditieren wir unsere Lieferanten. Dabei prüfen wir nicht nur die Qualität der Produkte und die Produktionsweise. Wir hinterfragen auch die Neutralität, die Finanzsituation und die ethische Haltung der jeweiligen Unternehmen.

PROCESS: Herr Penno, Herr Lange, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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