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Turnaround-Management: How-to Sicher durch den Boxenstopp – Anlagenstillstand richtig organisieren

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Turnaround-Time: Werden verfahrenstechnische Produktionsanlagen heruntergefahren, trägt das Wort Prozesssicherheit mehrere Bedeutungen: Spezialprozesse lösen die Betriebsroutine ab, um die Produktionsprozesse in einen sicheren Zustand zu überführen. Gleichzeitig müssen komplexe Arbeitsprozesse wie Zahnräder eines Uhrwerks ineinandergreifen, um das Projekt sicher und pünktlich abzuschließen.

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Jörg Friedrich (links) und Reiko Hass beim Rundgang durch die Anlage. Sie koordinieren den Turnaround und prüfen täglich, ob alles nach Plan läuft.
Jörg Friedrich (links) und Reiko Hass beim Rundgang durch die Anlage. Sie koordinieren den Turnaround und prüfen täglich, ob alles nach Plan läuft.
(Bild: Tüv Süd )

Kurz nach Schichtbeginn deutet am Besucherempfang des Werksgeländes bei Leipzig noch nichts auf die Betriebsamkeit in der Chemieanlage hin. Die Morgensonne scheint in das gläserne Gebäude und wird reflektiert von den Schutzwesten der Arbeiter, die hier nur vereinzelt vorbeikommen. „Hier ist vergleichsweise wenig los“, sagt Volker Schaufler vom Standortmanagement des Dow Olefinverbundes. Mit einem kräftigen Händedruck öffnet er die Tür zum Werksgelände und tritt ins Freie. „Für die vielen Arbeiter, die uns bei dem Turnaround unterstützen, richten wir am Tor Nord einen separaten Werkszugang ein. Mit hunderten Parkplätzen, hunderten Containern für die Anmeldung, Umkleiden und Sanitäranlagen sowie einer Extra-Ampel auf der Durchgangsstraße schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass hier auf dem Areal alles nach Plan läuft.“

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Das Großprojekt soll innerhalb von sechs Wochen reibungslos über die Bühne gehen, berichtet Schaufler beim Rundgang über das Gelände. Auch das Herzstück des Standortes, der Naphtha-Cracker, muss dieses Mal wieder auf den Prüfstand. Im Normalbetrieb werden in diesem Teil der Anlage die Kohlenwasserstoffe des Rohbenzins thermisch aufgebrochen. Doch heute pulsiert kein Naphtha in der Hauptschlagader, die das Werksgelände von Dow mit dem Rostocker Hafen verbindet. Die Armaturen sind abgesperrt, die Feuer im Brennerraum des Crackers erloschen.

Zehn Tage Dreischichtbetrieb

„Um die laufenden Prozesse koordiniert herunterzufahren, arbeite ich mit meinem Team im Dreischichtbetrieb knapp zehn Tage lang rund um die Uhr“, sagt Jörg Friedrich, der als Leiter für den Betrieb des Crackers verantwortlich ist. Er deutet auf die verschiedenen Komponenten und Bauteile, die wie eine Skyline in den blauen Himmel ragen. „Schritt für Schritt nehmen wir Teile der Anlage außer Betrieb und müssen dennoch gewährleisten, dass die wichtigsten Prozesse zumindest einige Zeit weiter laufen“, sagt er. Denn manche Anlagen, die nicht mit Produkten oder Dampf vom Cracker versorgt werden, arbeiten während des Turnarounds planmäßig weiter. Fehler hätten weitreichende Folgen für die nachgeschalteten Prozesse. „Wir müssen also stets die Situation im gesamten Verbund im Blick behalten“, sagt Friedrich.

Hierzu kann sich sein Team auf die Prozessleittechnik verlassen. Sie sorgt für den Überblick über die Stoffströme, die Füllstände der Lagertanks, die Auslastung der Energie- und Rohrleitungssysteme und die Verfügbarkeit alternativer Quellen für die Arbeits- und Betriebsstoffe. Dennoch nutzt Dow den Turnaround auch dazu, die Prozessleittechnik in allen Teilen der Anlagen auf den neusten Stand zu bringen. Davon zeugen ausrangierte Messgeräte, Sensoren und Rohrleitungen, die sich entlang der Werksstraßen aufhäufen und in Containern gesammelt werden.

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