Turnaround-Management: How-to

Sicher durch den Boxenstopp – Anlagenstillstand richtig organisieren

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

„Die Innovationszyklen in diesem High-Tech-Bereich werden immer kürzer, gleichzeitig steigen die Anforderungen an die funktionale Sicherheit“, sagt Dow-Mitarbeiter Reiko Hass, Stillstandsleiter und als Manager verantwortlich für den Turnaround. Er greift nach einem ausgedienten Druckmesser, dessen Zeigernadel zittert, als er ihn präsentiert. „Insgesamt investieren wir bei diesem Turnaround rund 42 Millionen Euro.“ Die Planungen dazu seien bereits am Ende des vorherigen Turnarounds gestartet, vor knapp drei Jahren.

25.000 To-Do’s

Bei Projektbeginn umfasst diese Liste rund 25.000 Arbeitsschritte, auch Sequenzen genannt, die notwendig sind, um die To-Do’s der Reihe nach abzuhaken. Da die verschiedenen Tätigkeiten aufeinander aufbauen, wiederum die Voraussetzungen für die nächsten Schritte schaffen und sich gegenseitig bedingen, sind Koordination und Überwachung der Arbeitsprozesse das „A“ und die Organisation der Material- und Ersatzteillager das „O“.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Für die Zeit des Turnarounds sind deshalb ein kleines Containerdorf und zwei Zelte in der Größe einer Werkhalle nötig. Hier werden die Aktivitäten rund um Wartung, Instandhaltung, Prüfung und Arbeitsschutz zentral auf dem Werksgelände gebündelt.

Denn Dow hat sich – wie bei jedem Turnaround – professionelle Unterstützung besorgt, um das ambitionierte Arbeitspensum zu stemmen. Zahlreiche Experten und Spezialisten diverser Unternehmen und Zulieferer bevölkern die Anlagen und Maschinenräume. Überall wird geschraubt, geschweißt, gemessen, verdrahtet und justiert. Dutzende Schwerlastkrane ragen zwischen den Rohrleitungen, Behältern und Schornsteinen empor, die – eingerüstet wie in einem Dickicht – mit den Stahlmassen der Anlage zu verschmelzen scheinen.

„Hier in Böhlen umfasst unsere Stammbelegschaft rund 900 Mitarbeiter, von denen etwa 600 bei Dow und 300 bei externen Firmen beschäftigt sind“, sagt Reiko Hass, der einen Kugelschreiber aus seinem Blaumann zieht und damit auf das kleine Containerdorf am Rand der Freifläche deutet. „Während des Turnarounds kommen noch einmal knapp 1200 Arbeiter hinzu. Die vielen zusätzlichen Arbeitsprozesse erfolgreich zu koordinieren, ist eine Herausforderung, die wir alle drei bis fünf Jahre meistern müssen. Denn dann wird es wieder Zeit zu prüfen, ob die Betriebssicherheit der gesamten Anlage auch für die kommenden Jahre gewährleistet ist.“

(ID:43977950)