Turnaround-Management: How-to

Sicher durch den Boxenstopp – Anlagenstillstand richtig organisieren

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Das zu beurteilen, ist Aufgabe von Olaf Fuchs und seinem Team. Der Sachverständige von Tüv Süd Chemie Service hat vorübergehend ein Büro in dem Klinkerbau direkt auf dem Werksgelände bezogen. Er ist schon seit vielen Jahren bei den Turnarounds im Einsatz, er kennt die Abläufe und die Anlagen genau. Hier vor Ort koordiniert er die Prüfarbeiten seiner Kollegen, von denen drei auch im regulären Betrieb vor Ort sind.

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„Für den Turnaround holen auch wir uns personelle Unterstützung von unseren Niederlassungen aus Frankfurt-Höchst, Leverkusen und dem übrigen Bundesgebiet“, sagt Fuchs während er einen dicken Aktenordner mit dem Titel „C12013“ durchblättert. „Ein Team aus insgesamt 13 erfahrenen Fachleuten ist notwendig, um die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen termingerecht abzuwickeln.“ Dazu gehören z.B. die wiederkehrenden Prüfungen der unzähligen Druckbehälter im Standort. Sind sie dicht? Weisen sie Mängel oder Korrosionsschäden auf? Wenn ja: Was ist zu tun, damit sie die nächsten Jahre sicher weiter betrieben werden?

40 Jahre Praxiserfahrung

„Um das einschätzen zu können, ist langjährige Praxis- und Berufserfahrung in der chemischen Industrie eine notwendige Grundvoraussetzung bei unseren Mitarbeitern“, betont Fuchs und deutet auf das große Regal in seinem Büro, in dem unzählige Akten dicht an dicht gereiht stehen. „Es ist kein Zufall, dass fast alle Mitarbeiter in unserem Team über 40 sind.“

Diese Expertise verkörpert beispielsweise sein Kollege Peter Goth. Schon vor der Wende war er hier am Standort beschäftigt. Er hat die Umstrukturierungen und Modernisierungen ebenso erlebt und mitgestaltet wie die vielen Turnarounds, die in den vergangenen Jahrzenten regelmäßig auf der Agenda standen. „Ich war sehr lange in der Eigenüberwachung von Dow tätig, bevor die Aufgaben meiner Abteilung an die Tüv Süd Chemie Service übertragen wurden“, erzählt Goth, der den Cracker schon seit der Errichtung vor rund 40 Jahren kennt. Er navigiert zielstrebig durch das Labyrinth aus Stahlträgern, Rohrleitungen und Apparaten. Dann deutet er auf die Schweißnaht einer Rohrleitung, dick wie ein Kanalrohr. „Sie mag auf den ersten Blick etwas unsauber erscheinen, doch die Naht ist hochwertige Handarbeit und nach dutzenden Betriebsjahren noch immer integer“, versichert er. Für ihn sei das „die Handschrift eines Fachmanns, der sein Handwerk gelernt hat.“ Für einen Betrachter, der nur die lupenreinen Schweißnähte der modernen Vollautomaten kennt, ist das kaum vorstellbar.

Goth schätzt die konzentrierte Arbeitsweise und kollegiale Atmosphäre beim Turnaround in Böhlen. Er geht bald in Rente, doch er bekräftigt: „Ich bin 60, aber würde gerne noch zehn Turnarounds mit diesem Team machen“. Er streicht mit seinem Arbeitshandschuh über die Schweißnaht, packt die Werkzeugtasche und steuert zurück ins Büro. Der Prüfbericht wird seine Handschrift tragen.

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