Newsticker Oktober: Aktuelles aus der Prozessindustrie Widerspruch gegen vorzeitigen Baubeginn für Chemiefabrik in Schwerin

Von Wolfgang Ernhofer 49 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst sowie manche Kuriosität.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

31.10.2023

Brüssel (dpa) *15:41 Uhr – EU-Kommission genehmigt Milliarden-Geschäft: Asterion übernimmt Steag

Der spanische Investor Asterion darf das Essener Energieunternehmen Steag kaufen. Die EU-Kommission genehmigt das Milliarden-Geschäft, wie die Behörde am Dienstag in Brüssel mitteilte. Demnach gibt das Vorhaben keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken.

Steag war einst Deutschlands größter Steinkohleverstromer. Mittlerweile liegt der Fokus auf dem Geschäft mit regenerativen Energien, das unter dem Namen Iqony firmiert. Seit 2011 gehört die Holding einem Konsortium von sechs kommunalen Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet.

Die Übernahme war im August bekannt gegeben worden. Man wolle Steag als Ganzes zu einem nachhaltigen Energieversorger entwickeln, teilte Asterion mit. Als Preis für die Übernahme wurden 2,6 Milliarden Euro genannt. Asterion ist auf Infrastrukturunternehmen vor allem in den Bereichen Energie und Telekommunikation spezialisiert. Für die Spanier bedeutet der Steag-Kauf den Einstieg in den deutschen Markt.

New York (dpa) *12:43 Uhr – Nachfrage-Einbruch bei Covid-Medikamenten: Rote Zahlen für Pfizer

Der US-Pharmariese Pfizer ist im vergangenen Quartal wegen der weggebrochenen Nachfrage nach Covid-Medikamenten in die roten Zahlen gerutscht. Der Hersteller musste rund 5,6 Milliarden Dollar auf seine Lagerbestände abschreiben. Unter dem Strich stand so für die drei Monate von Juli bis Ende September ein Verlust von fast 2,4 Milliarden Dollar (ca 2,3 Mrd Euro) nach einem Gewinn von gut 8,6 Milliarden Dollar noch vor einem Jahr, wie der Konzern am Dienstag zur Vorlage seiner endgültigen Zahlen mitteilte.

Der Konzern hatte wegen der schwachen Nachfrage nach Covid-Medikamenten wie Paxlovid und der gemeinsam mit der Mainzer Biontech vermarkteten Impfung Comirnaty bereits Mitte Oktober die Abschreibungen angekündigt. Auch hatte der Konzern seine Ziele für das Jahr gekappt - diese wurden jetzt bestätigt. Das Management um Albert Bourla will nun mit Kostensenkungen gegensteuern. Bis Ende 2024 sollen daraus Einsparungen von netto mindestens 3,5 Milliarden Dollar erzielt werden, hieß es in der Mitteilung weiter.

Wien (dpa) *10:45 Uhr – OMV investiert in deutschen Zulieferer für Kunststoff-Recycling

Als Baustein für seine angestrebte Kreislaufwirtschaft beim Kunststoff investiert der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV in den Bau einer großen Sortieranlage in Deutschland. Die Anlage in Walldürn in Baden-Württemberg mit einer Kapazität von bis zu 260.000 Tonnen pro Jahr werde durch chemisches Recycling bisher nicht verwertbare Kunststoffe wieder dem Stoff-Kreislauf zuführen, sagte OMV-Chef Alfred Stern am Dienstag in Wien. Produktionsstart solle 2026 sein.

Die OMV investiere in das Joint Venture mit dem Abfall-Spezialisten Interzero 170 Millionen Euro und werde künftig 89,9 Prozent an dem Unternehmen halten. Interzero betreibt den Angaben zufolge fünf Sortieranlagen für Leichtverpackungen in Deutschland und sortiert mit über 800.000 Tonnen pro Jahr rund ein Drittel des deutschen Leichtverpackungsabfalls. Die Firma verfüge über die größte Sortierkapazität in Europa und gelte als Technologieführer, hieß es.

Die Sortieranlage solle als erste ihrer Art in groß-industriellem Maßstab Rohstoffe für die Re-Oil-Technologie des OMV-Konzerns bereitstellen, sagte Stern. Am OMV Standort Schwechat in Österreich werde derzeit eine neue ReOil-Anlage mit einer Kapazität von 16.000 Tonnen pro Jahr errichtet. Die vollautomatische Sortieranlage sei ein bedeutender Schritt, bisher in die Verbrennung gehenden Rohstoffen ein zweites Leben zu geben, sagte Interzero-Vorstand Axel Schweitzer.

London (dpa) *09:20 Uhr – Ölkonzern BP enttäuscht im dritten Quartal die Erwartungen

Der britische Ölkonzern BP musste im dritten Quartal wie viele Konkurrenten einen Gewinnrückgang hinnehmen, wenngleich auf hohem Niveau. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn lag im dritten Quartal mit 3,3 Milliarden britischen Pfund (3,77 Mrd Euro) deutlich über dem Wert des zweiten Jahresviertels, aber 60 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, wie das Management am Dienstag in London mitteilte. Experten hatten allerdings mit mehr als 4 Milliarden gerechnet, nach 2,6 Milliarden im zweiten Jahresviertel. Vor einem Jahr hatten Ölkonzerne an hohen Rohstoffpreisen infolge des russischen Einmarschs in die Ukraine verdient. Nun aber habe das Gashandelsgeschäft belastet, so BP. Derweil kündigte BP am Dienstag einen weiteren Aktienrückkauf in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund an.

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Ludwigshafen (dpa) *07:17 Uhr – BASF macht wegen Öl- und Gastochter Quartalsverlust

Der Chemiekonzern BASF bekommt wie die gesamte Branche die schleppende Nachfrage weltweit zu spüren. «Die Absatzmengen waren in allen Kundenindustrien deutlich niedriger als im Vorjahresquartal – mit einer Ausnahme: der Automobilbranche», sagte der BASF-Chef Martin Brudermüller laut einer Mitteilung am Dienstag. Umsatz und operatives Ergebnis gingen im dritten Quartal deutlich zurück. Unter dem Strich machte der Dax-Konzern wegen seiner

Öl- und Gastochter Wintershall einen Verlust. Für das laufende Jahr wird der Chemiekonzern vorsichtiger.

«Inzwischen erwarten wir für das Gesamtjahr einen Umsatz und ein Ebit vor Sondereinflüssen am unteren Ende der jeweiligen Bandbreiten», sagte Brudermüller. Bei einer ausbleibenden Stabilisierung der Chemieproduktion ergeben sich Risiken aus einem weiteren Mengenrückgang und einer stärkeren Preisreduktion. BASF hatte bereits wegen verschlechterter Geschäfte und erschwerter Rahmenbedingungen in Europa ein Sparprogramm aufgelegt, inklusive Stellenabbau.

Im dritten Quartal sank der Umsatz im Jahresvergleich um 28,3 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro, wie BASF in Ludwigshafen mitteilte. Grund waren insgesamt deutlich niedrigere Preise und Mengen. Auch negative Währungseffekte bremsten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) und Sondereinflüssen ging um 57,3 Prozent auf 575 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre ein Verlust von 249 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte BASF noch einen Gewinn von 909 Millionen Euro gemacht.

30.10.2023

Schwerin (dpa/mv) *15:34 Uhr – Widerspruch gegen vorzeitigen Baubeginn für Chemiefabrik in Schwerin

Die Umweltorganisation BUND hat nach eigenen Angaben am Montag Widerspruch gegen die Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns für eine Chemiefabrik des Unternehmens Vink Chemicals in Schwerin eingelegt. Der BUND habe auch beantragt, die begonnenen Bauarbeiten zu stoppen, teilte die BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag mit.

Der Betrieb der geplanten Anlage sei bislang nicht genehmigt, kritisierte sie. Es sei auch offen, ob die Betriebsgenehmigung für die Chemiefabrik später erteilt werde. Mit dem Bau würden jedoch bereits jetzt Tatsachen geschaffen.

Ein Sprecher des Umweltministeriums, dem das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Schwerin als Genehmigungsbehörde untersteht, sagte, das Unternehmen baue auf eigenes Risiko vor der eigentlichen Genehmigung. Das sei Vink Chemicals auch bekannt. Sollte die Anlage nicht genehmigt werden, müsse das Unternehmen alles wieder zurückbauen.

Produziert werden sollen am Standort in der Landeshauptstadt unter anderem Desinfektionsmittel. Ein Vertreter des Unternehmens aus dem niedersächsischen Kakenstorf hatte zuvor versichert, dass anfallendes Abwasser und Abluft der Anlage nach den gesetzlichen Regularien behandelt werde. Insgesamt waren 20 Einwendungen beim Stalu eingereicht worden. Dazu gehörte auch der Lebensmittelkonzern Nestlé, dieser sorgt sich um seine angrenzende Lebensmittelproduktion.

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