Frankfurt/Main (dpa) *14:57 Uhr – Verbände warnen vor Folgen bei generellem Verbot von PFAS-Chemikalien
Industrieverbände haben zum Ende einer EU-Konsultationsfrist ihre Warnung vor Folgen eines umfassenden Verbots von PFAS-Chemikalien bekräftigt. Das in der EU diskutierte Verbot wäre für Hightech-Industrien wie die Medizin- oder Halbleitertechnik eine enorme Bedrohung, mahnten der Maschinenbauverband VDMA und der Deutsche Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik Spectaris am Montag.
In der Europäischen Union wird über ein mögliches Verbot von PFAS diskutiert, die wegen ihrer Langlebigkeit auch Ewigkeits-Chemikalien genannt werden. Ein Vorschlag sieht je nach Anwendung Übergangsfristen vor. Für einige wenige Bereiche gäbe es unbegrenzte Ausnahmen. Die sechsmonatige Konsultation dazu endet an diesem Montag. Die EU-Chemikalienagentur ECHA will die Eingaben prüfen und einen Regulierungsvorschlag machen. Die Entscheidung trifft die Europäische Kommission schließlich gemeinsam mit den EU-Mitgliedsstaaten.
Zu der Chemikaliengruppe zählen geschätzt über 10.000 einzelne Substanzen, die in Alltagsprodukten wie Anoraks, Pfannen oder Kosmetik verarbeitet sind. In der Industrie werden sie etwa in Dichtungen, Isolierungen oder Kabeln eingesetzt. Auch Lithium-Ionen-Batterien zum Beispiel für E-Autos sind auf PFAS angewiesen. Wegen der enormen Vielfalt an Verbindungen ist ein Großteil der Stoffe bislang noch nicht untersucht. Es geht also um eine Art Vorsichtsmaßnahme.
Doch das Verbot könnte nach Ansicht der Industrieverbände erhebliche negative Auswirkungen haben. «Ich mag mir eine Pandemie ohne Beatmungsgeräte nicht vorstellen», sagte der Chef des Medizin- und Sicherheitstechnikkonzerns Drägerwerk, Stefan Dräger. Unter PFAS fielen auch Stoffe, die in der Medizintechnik eingesetzt würden. Der Chef des Maschinenbauers Singulus, Stefan Rinck, mahnte: «Die Realisierung der Energiewende und der Aufbau einer heimischen Halbleiterindustrie sind ohne PFAS schlichtweg unrealistisch.»
Leipzig (dpa/sn) *14:00 Uhr – Zentrum für klimaneutrales Fliegen rund um Flughafen Leipzig geplant
Rund um den Flughafen Leipzig/Halle soll ein Zentrum für die Produktion und den Einsatz emissionsfreier Flugkraftstoffe entstehen. «Die Luftfahrtindustrie weltweit ist sich ihrer Verantwortung für mehr Klimaschutz bewusst», sagte der Chef der Mitteldeutschen Flughafen, Götz Ahmelmann, am Montag. Die Nutzung von CO2-neutral produziertem Kerosin in großem Maßstab sei die Voraussetzung dafür, die Klimawirkung der Luftfahrt in den nächsten Jahren signifikant zu verbessern.
Zu dem Vorhaben verpflichteten sich Airbus, Condor, DHL, das Cleantech-Unternehmen HH2E, der Chemiekonzern Sasol und der Flughafen Leipzig/Halle in einer gemeinsamen Absichtserklärung.
Hintergrund ist das am Montag in Hamburg umworbene Ziel, bis 2045 klimaneutral zu fliegen, das Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz bekräftigte. «Unser großes Ziel ist klar: Bis 2045 wollen wir klimaneutral werden und dabei zugleich ein erfolgreiches Industrieland mit weiteren Wachstumsmöglichkeiten bleiben.» Die Luftfahrt sei verantwortlich für knapp drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. «Es ist klar, dass das noch weniger werden soll.»
Das Projekt rund um das geplante Zentrum wurde in den vergangenen Monaten von den Unterzeichnenden gemeinsam mit weiteren Partnern sowie mit Unterstützung des Bundes und der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt vorbereitet. Das Vorhaben soll die Transformation des Luftfahrtsektors zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz voranbringen. Dadurch soll es einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Industrie-, Technologie- und Innovationsstandorts Deutschland leisten.
Düsseldorf (dpa/lnw) *13:17 Uhr – Schadstoffe im Urin von Kindern rückläufig
Die Schadstoffbelastung des Urins von Kindern in Nordrhein-Westfalen ist überwiegend rückläufig. Das haben am Montag veröffentlichte Zeitreihen-Messungen des Landesamtes für Umwelt und Verbraucherschutz ergeben. Durch schärfere Richtlinien seien in den vergangenen Jahren bei einzelnen Substanzen deutliche Rückgänge erreicht worden, teilte das NRW-Umweltministerium in Düsseldorf mit.
Stand: 08.12.2025
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Dies gelte etwa für die als Konservierungsmittel eingesetzten Parabene und das seit 2020 verbotene Insektizid Chlorpyrifos. Die Belastung der Kinder mit dem Herbizid Glyphosat sei seit Beginn der Untersuchungen auf konstant niedrigem Niveau.
Anders sehe es für die Insektizide aus der Pyrethroid-Gruppe aus, die im häuslichen Umfeld verwendet werden – etwa zur Imprägnierung von Bodenbelägen und Polstermöbeln oder in Elektroverdampfern zur Bekämpfung von Mücken. Für diese Substanzgruppe sei eine kontinuierliche Zunahme der Belastung zu beobachten, die aber gesundheitlich noch unbedenklich sei.
«Unsere Kinder sind täglich über Alltagsprodukte und Spielsachen unterschiedlichsten chemischen Stoffen ausgesetzt», sagte NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) zu den Untersuchungsergebnissen. Gerade bei Kindern sei es deshalb wichtig, die Schadstoffbelastung zu reduzieren, denn bestimmte Substanzen könnten sich negativ auf die Entwicklung oder das Hormonsystem der Kinder auswirken.
Bonn (dpa) *04:00 Uhr – Belastete Jeans und Spielzeug: Konferenz will Chemikalien eindämmen
Sie finden sich in Textilien, der Wimperntusche oder im Spielzeug der Kinder: Die Staatengemeinschaft will den Umgang mit Chemikalien künftig weltweit sicherer gestalten. Ab Montag werden deshalb Delegierte der Regierungen sowie Vertreter der chemischen Industrie, von Gewerkschaften, Umweltverbänden und der Weltbank auf der Weltchemikalienkonferenz in Bonn diskutieren, um globale Regeln zu finden.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke zufolge ist das höchste Zeit. «Neben der Klimakrise und der Krise des Artenaussterbens stellt uns die Verschmutzungskrise vor massive Herausforderungen», sagte die Grünen-Politikerin. «Chemikalien und deren Abfälle sind wesentliche Verursacher dieser dritten planetaren Krise.» Im Zeitraum von 2000 bis 2030 werde sich die Produktion von Chemikalien voraussichtlich vervierfacht haben.
Bislang sind die Regeln zum Umgang mit Chemikalien global ganz unterschiedlich. So wird beispielsweise – anders als in Deutschland – in einigen Regionen noch das giftige Schwermetall Blei verwendet.
Thema in Bonn werden wohl auch die sogenannten PFAS sein. Das sind menschengemachte Chemikalien, die in vielen Bereichen Anwendung finden. Sie machen Textilien atmungsaktiv und wasserabweisend, Papier schmutz-, fett- sowie wasserabweisend und verbessern die Ausbreitungseigenschaften von Feuerlöschschaum. Die meisten der gut untersuchten Stoffe gelten der Europäischen Umweltagentur (EEA) zufolge als mittel- bis hochtoxisch. In der EU wird daher über ein mögliches Verbot dieser Chemikaliengruppe diskutiert. Deutschland und andere Länder hatten vorgeschlagen, die Herstellung, Verwendung und das Inverkehrbringen von PFAS fast komplett zu verbieten.