Brüssel (dpa/lrs) *16:12 Uhr – Rehlinger und Dreyer wollen mehr Tempo bei Wasserstoff-Wirtschaft
Rheinland-Pfalz und das Saarland dringen bei der Europäischen Kommission auf schnellere Prüfverfahren bei staatlich geförderten Wasserstoffprojekten. Nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung am Dienstag in Brüssel sagte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), man habe als ein industriell geprägter Wirtschaftsraum ein starkes Signal geben wollen für ein Thema, das beide Länder gleichermaßen bewege: nämlich die Transformation zu einem nachhaltigen CO2-freien Wirtschaften bei gleichzeitigem Erhalt des Industriestandortes.
Damit das auch gelinge, seien sehr klare Erwartungshaltungen und Vorstellungen an Brüssel gerichtet worden. Man sei sich einig, dass auf europäischer Ebene das Arbeitstempo dem hohen Transformationstempo angepasst werden müsse, sagte Rehlinger. Es sei wichtig, «dass dort, wo es einfach nur darum geht, einen grünen Haken zu bekommen, das Ganze schneller passiert, damit die Unternehmen, die in den Startlöchern stehen, tatsächlich auch investieren können».
Wichtiger Baustein sei zudem der Auf- und Ausbau einer entsprechenden Infrastruktur, die auch bezahlbar sei. Rehlinger und ihre rheinland-pfälzische Amtskollegin Malu Dreyer (SPD) hatten zuvor auf einer Veranstaltung mit Vertretern großer Industrieunternehmen diskutiert.
Berlin/Düsseldorf (dpa) *10:18 Uhr – Für preiswerte Energie: Mehr Länder in «Chemie-Allianz»
Der «Chemie-Allianz» sind weitere Bundesländer beigetreten. Dabei sind nun insgesamt 12 Länder, wie aus einem aktualisierten Papier hervorgeht. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur, um die Wettbewerbsfähigkeit der Chemie-Industrie langfristig zu erhalten, brauche es jetzt eine «gemeinsame, überparteiliche Kraftanstrengung».
Hohe Energiepreise, Fachkräftemangel und langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse belasteten die heimische Chemieindustrie schwer. «Immer häufiger fallen Investitionsentscheidungen gegen den Standort Deutschland und somit gegen Zehntausende Arbeitsplätze. Ohne grundlastfähige, preiswerte Energie kann jedoch keine Industrie bestehen.»
Der Allianz traten nun auch die Länder Schleswig-Holstein, Thüringen, Hamburg und Brandenburg bei. Zuvor waren Mitglieder der Allianz die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
In der kommenden Woche ist am Mittwoch im Kanzleramt ein «Chemie-Gipfel» geplant. In der Koalition auf Bundesebene aus SPD, Grünen und FDP läuft seit Monaten eine Debatte über eine Entlastung von Unternehmen bei den Strompreisen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die Grünen-Fraktion und die SPD-Fraktion wollen für eine Übergangsphase einen staatlich subventionierten Industriestrompreis – die FDP ist dagegen, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt eine «Dauersubvention von Strompreisen mit der Gießkanne» ab, wie er gesagt hatte. Die FDP schlägt eine Senkung der Stromsteuer vor.
Wüst sagte, eine rasche Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Chemiestandort Deutschland und Europa sei zwingend. «Nur so kann eine Verlagerung von Betrieben ins Ausland verhindert werden. Deutschland muss ein starker Chemiestandort bleiben. Das ist sowohl im Sinne des Klimaschutzes als auch des Erhalts gut bezahlter Arbeitsplätze.»
In dem Papier fordern die Länder die Bundesregierung «nachdrücklich» auf, mit geeigneten Maßnahmen schnellstmöglich einen international wettbewerbsfähigen Strompreis zu gewährleisten, der auch dem energieintensiven Mittelstand sowie den Betreibern von Chemieparks offenstehe. Mögliche Instrumente könnten beispielsweise die Senkung der Stromsteuer in Deutschland auf den europäischen Mindestsatz, die Begrenzung von Umlagen und Entgelten, der Verzicht auf den Wegfall des Spitzenausgleichs bei der Stromsteuer nach dem Jahr 2024, die beschleunigte Ausweitung des Stromangebotes sowie die Einführung eines zeitlich befristeten Brückenstrompreises sein.
Über zwei Wochen lang hat es auf dem Gelände des Domo-Chemiewerks in Leuna nicht mehr wie gewohnt gezischt und gerattert. Stattdessen sind die Motoren von Kränen und das Hämmern der Beschäftigten zu hören. «Alle 18 Monate ist hier sozusagen große Durchsicht – in diesem Jahr hieß das: insgesamt 1236 Reparaturen in fünf Wochen», sagte Daniel Gräfe, der für den Polyamidhersteller für die Arbeitssicherheit zuständig ist. In der Zeit unterstützen rund 500 Helfer die rund 600 Domo-Mitarbeiter, um die meterhohen Anlangen auf rund 57 Hektar nicht nur zu reparieren, sondern sie auch zu säubern und effizienter zu machen. «Dabei findet sich natürlich immer noch das ein oder andere, das dann zusätzlich noch gemacht werden muss.»
Stand: 08.12.2025
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«Bei der Maßnahme kommt es neben guter Planung vor allem auf Pünktlichkeit an», ergänzt Helge Leopold, der mit sieben weiteren Kollegen Teil des sogenannten Shutdown-Teams ist. Normalerweise laufe der Betrieb rund um die Uhr. «Dass wir den Shutdown regelmäßig machen, ist wichtig. So können wir zum Beispiel auch Energiesparmaßnahmen durchführen. Im laufenden Betrieb ist das in der Form nicht möglich.»
Das größte Projekt beim jüngsten Stillstand war der Tausch einer Kolonne, also der metallenen Säulen in den Anlagen. Statt 20 Meter ist die neue Kolonne nun 26 Meter hoch. In der 15 Tonnen schweren Säule wird - wie vorher - Phenom von Phenolteer getrennt. Das bringe vor allem bessere Qualität, sagt Gräfe.
Bis vor wenigen Monaten produzierte Domo an dem Standort im Saalekreis Plastikfolien. Mittlerweile verkauft das Unternehmen vor allem Polyamide, zu großen Teilen an die Autoindustrie. Rund 110.000 Tonnen kleine Teilchen würden im Jahr produziert: «Das sind 366 Lasterladungen täglich. Daraus werden dann zum Beispiel Bremspedale, Schaltknäufe oder andere Plastikteile gefertigt», sagt Gräfe.
Am 29. September will das Chemiewerk die Produktion wieder aufnehmen. «Dieses Mal hatten wir wirklich Glück mit dem Wetter. Das ist wichtig, denn – wie gesagt – Termintreue ist das A und O», betont Gräfe. An einigen Tagen sei es ziemlich heiß gewesen. Das sei allerdings nicht so schlimm wie Regen: «Der kann uns im schlechtesten Fall einen echten Strich durch die Rechnung machen.»
Insgesamt arbeiten Unternehmensangaben zufolge rund 2200 Menschen bei Domo. Der Umsatz lag 2021 bei 1,9 Milliarden Euro.