Newsticker Februar: Aktuelles aus der Prozessindustrie

Klagen gegen CO-Pipeline nach 16 Jahren abgewiesen

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23.02.2023

Schwerin (dpa/mv) *17:25 Uhr – Vink Chemicals plant Werk für Konservierungsmittel in Schwerin

Die Firma Vink Chemicals aus Kakenstorf, Niedersachsen plant ein Werk in Schwerin. Baustart soll nach Worten eines Unternehmenssprechers in Kürze sein, Produktionsstart 2025. Bis zu 45 Mitarbeiter sollen Konservierungsmittel für technische Anwendungen herstellen. Die Investitionssumme beläuft sich den Angaben vom Donnerstag zufolge auf mehr als 20 Millionen Euro. Nach Angaben der Stadtverwaltung Schwerin läuft derzeit das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren.

Die Umweltorganisation BUND äußere sich kritisch zu der Ansiedlung. Die Chemieproduktionsstätte sei ein sogenannter Störfallbetrieb, und zwar der erste in Schwerin, sagte die BUND-Landesgeschäftfsführerin Corinna Cwielag. «Bei Störfallbetrieben ist für plötzlich auftretende Unfälle mit dem Austritt gefährlicher Stoffe von Mensch und Umwelt Vorsorge zu treffen.»

Beirut (dpa) *16:58 Uhr – Chemiekonzern haftbar – erstes Urteil nach der Explosion in Beirut

Erstmals nach der Explosionskatastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut vor zweieinhalb Jahren hat ein Gericht ein Urteil in dem Fall erlassen und Schuldige benannt. Der High Court in London entschied, dass ein Chemiekonzern Haftung für die Opfer übernehmen muss, wie Libanons Anwaltskammer am Donnerstag mitteilte. Die Richter sahen es demnach als erwiesen an, dass das Unternehmen namens Savaro mit Sitz in Großbritannien große Mengen an Ammoniumnitrat in das Mittelmeerland geliefert hat. Die hochexplosiven Chemikalie, die über Jahre ohne Schutzmaßnahmen im Hafen von Beirut gelagert wurde, soll die Explosion verursacht haben.

Für die Angehörigen der Opfer ist es der erste juristische Erfolg in der Angelegenheit. Denn im Libanon selbst kommen die Ermittlungen kaum voran. Beschuldigte Ex-Minister und Verantwortliche aus der Justiz verzögern den Aufklärungsprozess seit langem. Viele Libanesen geben der politischen Führung die Schuld an der Katastrophe, der sie unter anderem Korruption und Vertuschung vorwerfen.

Die libanesische Anwaltskammer hatte die Zivilklage in London im Namen mehrer Angehöriger angestrebt. Die Kläger hoffen, dass das Urteil Anstoß für weitere Prozesse geben wird. Im Verlauf des Verfahrens wollen die Londoner Richter nach Angaben der Anwaltskammer nun eine Entschädigungssumme für die Opfer festlegen.

Um einer Strafe zu entgehen, hatten Verantwortliche des Unternehmens Berichten zufolge erfolglos versucht, Savaro aufzulösen. Der Konzern äußerte sich zunächst nicht zu dem Gerichtsbeschluss.

Bei der Explosion in Beirut im August 2020 starben mehr als 190 Menschen, rund 6000 wurden verletzt. Die Detonation zerstörte auch große Teile des Hafens sowie der umliegenden Wohngebiete.

Schwedt (dpa) *16:05 Uhr – Raffinerie-Mitarbeiter sind in Sorge – Brief an Habeck

Die Mitarbeiter der Raffinerie PCK in Schwedt sind nach dem gestoppten Bezug von russischem Öl in Sorge. In einem Brief forderten sie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zur Unterstützung auf und forderten den Bau einer zweiten Pipeline von Rostock. «Mit Erstaunen und Befremden haben die Beschäftigten der PCK Raffinerie die Nachricht aufgenommen, dass die Bundesregierung sich gegen einen Neubau einer zweiten Pipeline von Rostock nach Schwedt entschieden hat und dass Polen weiterhin über die Druschba mit russischem Öl versorgt wird», schrieben die Beschäftigten in dem Brief vom 17. Februar, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte die «Märkische Oderzeitung» darüber berichtet.

«Die PCK-Raffinerie war über viele Jahrzehnte ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen, das in dieser Region maßgeblich zu einer guten Entwicklung beigetragen hat. Wir lassen uns diese Erfolge nicht wegnehmen und fordern Sie deshalb auf, Ihre Entscheidung zu korrigieren.» Deutschland verzichtet seit diesem Jahr freiwillig auf russische Ölimporte über die Pipeline Druschba nach Schwedt und nach Leuna. Alternativ wird Öl über die Häfen Rostock und Danzig bezogen, auch aus Kasachstan sollen Lieferungen kommen.

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Cambridge (dpa) *14:15 Uhr – Sinkende Impfstoff-Nachfrage lässt Gewinn von Moderna einbrechen

Die US-Biotechfirma Moderna hat zum Jahresende angesichts einer geringeren Nachfrage nach Corona-Impfstoffen deutlich weniger verdient. Im vierten Quartal brach der Gewinn im Jahresvergleich um 70 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) ein, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz ging um rund 29 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar zurück.

Die Bilanz litt auch stark unter höheren Kosten. So verdoppelten sich die Betriebsausgaben fast. Für Forschung und Entwicklung gab Moderna 87 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Für 2023 rechnet das Unternehmen weiter mit Corona-Impfstoff-Erlösen von mindestens rund fünf Milliarden Dollar. Bei Anlegern kam der Quartalsbericht nicht gut an. Die Aktie fiel vorbörslich zunächst um rund zwei Prozent.

Berlin (dpa) *11:45 Uhr – «Spitze des Eisberges»: Ewigkeitschemikalien vielerorts nachweisbar

Viele in Deutschland mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS verunreinigten Orte sind nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (Uba) noch unbekannt. «Was wir sehen ist vermutlich die Spitze des Eisberges», heißt es in einer Antwort von Uba-Präsident Dirk Messner an die «Süddeutsche Zeitung» («SZ»), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Am Donnerstag veröffentlichten Recherchen von «SZ», NDR und WDR zufolge lassen sich an mehr als 1500 Orten in Deutschland PFAS nachweisen. Messner sprach von einem «wichtigen Beitrag, um das Mosaik weiter zusammenzusetzen».

PFAS ist die Abkürzung für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Einige wenige PFAS sind bereits weitgehend verboten, weil sie als gefährlich für die Gesundheit gelten. Die Stoffe können sich in der Umwelt anreichern und werden nur sehr langsam abgebaut. So finden unter anderem über Kläranlagen einige PFAS ihren Weg in Flüsse, Seen und Meere. Im vergangenen Jahr ergab eine Studie, dass PFAS selbst in den entlegensten Weltregionen im Regenwasser nachweisbar sind.

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften – die Stoffe sind unter anderem sehr stabil und öl- wie auch wasserabweisend – werden sie breit verwendet. Sie finden sich in Alltagsgegenständen wie Anoraks, Pfannen und Kosmetik, sind aber auch Teil von Industrieprozessen und technischen Anwendungen.

Auf EU-Ebene wird ein weitgehend vollständiges Verbot der Stoffgruppe angestrebt, unter anderem vom Uba. Es geht um geschätzt mehr als 10.000 einzelne Substanzen. Viele Fachleute gehen davon aus, dass zumindest ein Teil der bislang erlaubten Stoffe negative Eigenschaften hat. Wegen der enormen Vielfalt ist ein Großteil der Stoffe bislang aber noch nicht untersucht.

St. Pölten (dpa) *11:38 Uhr – Ein Toter bei Verpuffung in Kunststofffirma in Österreich

Bei einer Verpuffung in einem Gewerbebetrieb in Österreich ist am Donnerstag ein Mensch ums Leben gekommen. Wie die Polizei berichtete, wurden zwei weitere Personen verletzt. Nach ersten Informationen geschah das Unglück in St. Pölten bei Schweißarbeiten in einer Kunststofffirma. Die Ursache für die Verpuffung ist noch unklar. Die Behörden haben die Ermittlungen aufgenommen.

Kassel (dpa) *10:02 Uhr – BASF-Tochter Wintershall Dea mit Milliardenverlust

Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea hat im vergangenen Jahr von deutlich gestiegenen Öl- und Gaspreisen profitiert. Ohne das Russland-Geschäft legte der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten (Ebitdax) 2022 auf gut 5,9 Milliarden Euro zu, wie die BASF-Mehrheitsbeteiligung am Donnerstag in Kassel mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte Wintershall Dea rund 3,1 Milliarden ausgewiesen. Inklusive dem Segment Russland betrug das operative Ergebnis knapp 7,7 Milliarden Euro.

Unter dem Strich fiel aufgrund milliardenschwerer Abschreibungen ein auf die Anteilseigner entfallener Verlust von 4,85 Milliarden Euro an. Hierin enthalten waren nicht zahlungswirksame Wertminderungen in Höhe von knapp sieben Milliarden Euro, vor allem Abschreibungen auf das Geschäft in Russland, wo sich Wintershall Dea zurückzieht.

Wintershall Dea hatte bereits im Januar angekündigt, dass mit dem Ende des Russland-Geschäfts ein einmaliger Milliardenaufwand anfällt. 2021 hatte das Unternehmen noch einen auf die Anteilseigner entfallenen Gewinn von 553 Millionen Euro gemacht.

Zudem nahm der Konzern auch Wertberichtigungen auf das europäische Gastransport-Geschäft der Gesellschaft vor und schrieb die Beteiligung an der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream AG komplett ab. Bereinigt um Sondereffekte wie vor allem die Abschreibung legte der Überschuss ohne dem Russland-Geschäft dank kräftig gestiegener Öl- und Gaspreise von 403 Millionen auf 928 Millionen Euro zu.

Wintershall Dea ist 2019 aus der Fusion der Wintershall Holding und der Dea hervorgegangen. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel und Hamburg beschäftigt weltweit knapp 2500 Mitarbeiter. BASF hält gut 70 Prozent an Wintershall Dea. Der Rest gehört Letter One, einer Beteiligungsgesellschaft, in der der russische Oligarch Michail Fridman seine Dea-Anteile gebündelt hat.

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