Stuttgart (dpa/lsw) *12:01 Uhr – Leichtes Plus in der Chemie- und Pharmabranche
Die Chemie-, Pharma- und Lackunternehmen in Baden-Württemberg haben ihre Umsätze im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 26,2 Milliarden Euro gesteigert. Das Inlandsgeschäft wuchs um 3,8 Prozent auf 11 Milliarden Euro. Der Gesamtanstieg liegt deutlich unter dem bundesweiten in der Chemie- und Pharmabranche von rund 16 Prozent und jenem im verarbeitenden Gewerbe im Südwesten von 10,9 Prozent, wie die Vereinigung Chemie BW am Dienstag mitteilte.
Der Vorsitzende des Verbandes der Chemischen Industrie Baden-Württemberg, Martin Haag, erklärte das unter anderem mit dem starken Pharmaanteil im Südwesten von 40 Prozent. Dank dieses Segments sei die Branche vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen. Das Ergebnis seien nun schwächere Steigerungsraten.
Grundlage für die Zahlen sind Angaben des Statistischen Landesamts, die allerdings nur einen Teil der Branche berücksichtigen - zum Beispiel nur Unternehmen ab 50 Beschäftigten.
Zeitz/Elsteraue (dpa) *06:30 Uhr – Rund 200 Millionen Euro an Investitionen im Chemiepark Zeitz
Im Chemie- und Industriepark Zeitz werden 2023 rund 200 Millionen Euro an Investitionen auf den Weg gebracht. Etwa 100 neue Arbeitsplätze seien damit verbunden. Es werden Anlagen gebaut und erweitert, wie der Geschäftsführer der Infra-Zeitz-Servicegesellschaft, Arvid Friebe, sagte. Das Unternehmen stellt den Ansiedlern industrielle Dienstleistungen zur Verfügung. Das umfasst die Versorgung mit sogenanntem Betriebswasser und die Entsorgung der industriellen Abwässer. Zu den Großvorhaben in Zeitz gehöre eine rund 130 Millionen Euro teure Anlage der Firma Cropenergies zur Herstellung von Biochemikalien.
Dafür sollen neue Verfahren genutzt werden, um die Verarbeitung chemischer Rohstoffe, die letztlich aus Rüben stammen, zu ermöglichen, wie Friebe erklärte. Vorgesehen sei eine Investitionssumme von 120 bis 130 Millionen Euro. Das Unternehmen Cropenergies aus Mannheim (Baden-Württemberg) gehört zu Südzucker, die in Zeitz in einem Werk Zuckerrüben verarbeitet.
Schwerpunkt der geplanten Investitionen sei Nachhaltigkeit und Wiederaufbereitung. «Wir haben frühzeitig damit angefangen uns diesem Thema zu widmen», sagte Friebe zum Profil des Chemiestandorts im Süden Sachsen-Anhalts, nahe zu Thüringen und Sachsen gelegen. Auf dem Areal ist beispielsweise eine Raffinerie ansässig, in der Alt-Öle aus der Mineralölindustrie aufbereitet werden, für eine erneute Verwendung etwa als Motoröle.
Zudem gebe es ein Forschungsprojekt unter Beteiligung des Deutschen Biomasseforschungszentrums (Leipzig) zur energetischen und stofflichen Nutzung von Biomasse, erklärte Friebe. Ziel sei es, künftig «grünes Erdgas» auf der Basis von Reststoffen der Weizenstärkeproduktion zu nutzen. Dies könnte dazu beitragen, Erdgas, das bisher für den Standort wie auch Strom am Energiemarkt eingekauft werde, in gewissem Maße zu ersetzen, erklärte er. Bisher sei es gelungen, drohende Engpässe angesichts der Gas- und Energiekrise, weitestgehend zu kompensieren. Es habe Produktionseinschränkungen zwischen fünf und zehn Prozent gegeben.
Die energieintensiven Chemie-, Pharma- und Lackunternehmen in Baden-Württemberg erwarten für das laufende Jahr zwar wachsende Umsätze, aber weniger Erträge. Zudem gehen sie davon aus, dass Investitionen eingefroren oder gekürzt werden müssen. Im vergangenen Jahr sind die Umsätze nach Angaben der Branche zwar leicht gestiegen, aber deutlich hinter den Steigerungsraten der Gesamtindustrie und der Chemie bundesweit zurückgeblieben. Genaue Zahlen für 2022 wollen die Verbände der Chemie- und Pharma-Industrie Baden-Württemberg am Dienstag (10.00 Uhr) in Stuttgart vorlegen.
Der Zusammenschluss Chemie.BW vertritt nach eigenen Angaben 477 Mitgliedsunternehmen mit 103 500 Beschäftigten - die zweitgrößte Industriebranche nach dem Metall- und Elektrobereich. Die größten Teilbranchen sind Pharma (40 Prozent), Lacke, Farben und Bautenschutz (13 Prozent) sowie Körperpflege und Waschmittel (9 Prozent).
Stand: 08.12.2025
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Zu schaffen mache den Unternehmen vor allem eine zunehmende Bürokratisierung, hieß es: Die Energiepreisbremsen mit ihren Dokumentationspflichten oder bevorstehende EU-Richtlinien, die kleine Unternehmen ähnlichen Berichtspflichten wie Großunternehmen unterstelle, seien nicht mehr zu leisten. Daneben würden die hohen Energiepreise in Deutschland als gravierendes Risiko für die Geschäftsentwicklung 2023 eingeschätzt.