Energie- und Wasserversorgung Neue zentrale Messwarte steuert Infra Leuna-Betriebsanlagen

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Bislang wurden am Chemiestandort Leuna die Betriebsanlagen für die Energie- und Wasserversorgung in dezentralen Leitwarten überwacht und gesteuert. Der Standortbetreiber Infra Leuna entschied sich jedoch 2014 im Zuge eines umfangreichen Modernisierungsplans dafür, einen der vorhandenen Leitstände zur Zentralwarte umzurüsten. Die offizielle Inbetriebnahme der neuen zentralen Messwarte erfolgte anlässlich des Festakts „100 Jahre Chemiestandort Leuna“ im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Auch die Akustikdecke wurde eigens an die Verhältnisse bei InfraLeuna angepasst: In einem runden Raum bricht sich der Schall wesentlich öfter, die Leitwarten-Planung war daher im Hinblick auf die Schallabsorption eine besondere Herausforderung, gerade weil in der Decke auch Beleuchtung und Klimatisierung integriert werden mussten.
Auch die Akustikdecke wurde eigens an die Verhältnisse bei InfraLeuna angepasst: In einem runden Raum bricht sich der Schall wesentlich öfter, die Leitwarten-Planung war daher im Hinblick auf die Schallabsorption eine besondere Herausforderung, gerade weil in der Decke auch Beleuchtung und Klimatisierung integriert werden mussten.
(Bild: Jungmann Systemtechnik)

Leuna – Für die zentrale Messwarte wurde Jungmann Systemtechnik mit einer Konzeptstudie sowie der anschließenden Ausführungsplanung und Realisierung betraut: U.a. wurden dabei ergonomische Arbeitsplätze für fünf Anlagenfahrer eingerichtet, die mit acht bis 14 Multikonsolen ausgestattet sind. Auf diesen kann dank einer speziellen Multi Consoling-Hardware auf insgesamt 120 Videoquellen zugegriffen werden.

Die verschiedenen Leitsysteme können flexibel aufgerufen, visualisiert und bedient werden. Die proaktive Großbildwand mit insgesamt 28 Bildschirmen in der Warte und vier im Pausenraum spiegelt nicht wie üblich die Arbeitsplätze, sondern kann ebenfalls zur Steuerung der Anlagen genutzt werden, so dass sich insgesamt etwa 17 Bildschirme einsparen ließen.

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„Die Entscheidung, die bisherigen Leitstände in einer zentralen Messwarte zusammenzufassen, haben wir aus mehreren Gründen getroffen“, erklärt Thomas Räcke, Bereichsleiter Energie und Wasser bei Infra Leuna. „Unter anderem wollten wir die technischen und organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Automatisierungstechnik im Bereich der Energie- und Wasseranlagen zukünftig noch koordinierter eingesetzt werden kann. Interne Schnittstellen sollten optimiert, die anlagenübergreifende Kommunikation verbessert und die Effizienz der Arbeitsorganisation erhöht werden.“

Zudem war bei technologisch gleichgearteten energie- beziehungsweise wassertechnischen Anlagen eine Mehranlagenbedienung mit einer dauerhaften Besetzung der Zentralwarte in Kombination mit einem anlagenspezifischen Läufersystem direkt vor Ort geplant. Auch die demografische Entwicklung des Anlagenpersonals mit einem hohen Anteil an älteren Mitarbeitern, die sich kurz vor dem Ruhestand befinden, wurde bei dem Vorhaben berücksichtigt. „Insgesamt hatten wir es uns zum Ziel gesetzt, eine Vollzeitwarte mit reduzierter Wechselschichtbesetzung und optimierter Tagschichtbesetzung zu schaffen“, fasst Räcke zusammen.

Ausführliche Konzeptstudie für die Leitwartenkonzeption

Nach einer eingehenden Recherche sowie Erprobungen am JST-Leitwartensimulator in Buxtehude entschieden sich die Verantwortlichen bei Infra Leuna, Jungmann Systemtechnik mit der Konzeptstudie für das Projekt zu betrauen. „Da die unterschiedlichen dezentralen Leitstände für Wasser, Abwasser, Stromnetz, Energiewirtschaft und Kraftwerksteuerung auf dem Gelände von Infra Leuna verstreut waren, musste als erstes grundlegend geklärt werden, ob es überhaupt technisch möglich und sinnvoll ist, diese fünf in einer zentralen Messwarte zusammenzuführen“, erläutert Carsten Jungmann, Geschäftsführer von JST.

Anschließend entwickelte das Unternehmen in einem etwa acht Monate dauernden engen Abstimmungsprozess mit Infra Leuna ein Konzept, das alle Anforderungen der Auftraggeber an die neue Zentralwarte erfüllt. „Überzeugt hat uns am JST-Vorschlag unter anderem das Konzept für die KVM-Technik, die ausgereifte Funktionalität der geplanten Systeme und dass keine Installation auf vorhandenen Automatisierungssystemen nötig war“, so Räcke.

Die Beteiligten einigten sich auf den Ausbau der Schaltwarte für die Bedienung von Energienetzen und -anlagen, da diese nicht nur zentral gelegen und mit der nötigen technischen Grundausstattung ausgerüstet war, sondern der Umbau hier zudem im laufenden Betrieb möglich war. „Außerdem grenzte an die bisherige Schaltwarte ein ungenutzter Wasserturm an, der gut baulich integriert werden konnte“, erklärt Räcke.

Nachdem innerhalb des Turmes einige bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren – es wurden beispielsweise ein neuer Fußbodenbereich und eine neue Deckenebene eingezogen sowie ein Durchbruch zur bisherigen Schaltwartenebene durchgeführt – installierte das Fachpersonal von JST die neue Leitwarte inklusive separatem Vorraum für die Energiearbeitsplätze innerhalb von vier Wochen und richtete auch einen Multifunktionsraum mit Großbildwand sowie einen Technikraum ein.

Ziel in der neuen Leitwarte: Optimale Arbeitsverhältnisse

Um angenehme Arbeitsbedingungen für die Anlagenfahrer zu schaffen, wurde im Kontrollraum ein ausgeklügeltes Klima-, Licht- und Akustikkonzept umgesetzt: „Wir haben zum Beispiel alle Rechner in den Serverraum ausgelagert“, so Jungmann. „Das hat verschiedene Vorteile: Wir sparen Platz im Leitwartenpult, was mehr Beinfreiheit für die Mitarbeiter bedeutet, und es gibt deutlich weniger Wärmeentwicklung sowie Geräusche im Kontrollraum.“

Außerdem wurde bei der Klimatisierung besonders darauf geachtet, dass die Anlagenfahrer keiner Zugluft ausgesetzt sind: Die kühle Luft strömt durch Lüftungsgitter unterhalb der Monitorwand ein, steigt nach oben und kühlt die Bildschirme, bevor sie im Mittelkranz der Akustikdecke lautlos abgesaugt wird. Die Mitarbeiter sind durch die ergonomischen, höhenverstellbaren Leitwartenpulte geschützt, die mit dem Boden abschließen. Luftfeuchte und Temperatur wurden zudem genau auf die Bedürfnisse der Anlagenfahrer zugeschnitten, nicht mehr auf die der ausgelagerten Technik.

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