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Rohstoffwandel und Grüne Chemie Neue Rohstoffe stellen die Grüne Chemie vor neue Herausforderungen

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Spätestens seit Paul Anastas das Standardwerk Green Chemistry schuf, hat sich nicht nur der Begriff etabliert, auch die Prinzipien der Nachhaltigkeit sind in die Chemie eingezogen. Wie der Rohstoffwandel heute die Grüne Chemie beeinflusst, untersucht der Autor Prof. Dr. Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA.

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Bei der BASF kontrolliert der Biotechniker Franz Gwiazdowski eine laufende Fermentation im 5000-Liter-Fermenter im Biotechnikum. Weiße Biotechnologie wird künftig eine wichtige Rolle spielen, um dem Ziel einer grünen Chemie näherzukommen. (Bild: BASF)
Bei der BASF kontrolliert der Biotechniker Franz Gwiazdowski eine laufende Fermentation im 5000-Liter-Fermenter im Biotechnikum. Weiße Biotechnologie wird künftig eine wichtige Rolle spielen, um dem Ziel einer grünen Chemie näherzukommen. (Bild: BASF)

Mit seiner Publikation „Green Chemistry: Theory and Practice“ im Jahr 1998 stellte Paul Anastas, damals Mitarbeiter der amerikanischen Environmental Protection Agency und heute für deren Forschung und Entwicklung verantwortlich, die Wunschvorstellungen nach einer „sanften Chemie“ auf eine rationale, pragmatische Basis. Gleichzeitig etablierte sich im angelsächsischen Raum der Begriff Green Chemistry, später ergänzt durch Green Solvents, Green Reagents, etc. sehr schnell, wohingegen in Deutschland der Begriff „Grüne Chemie“ Probleme hatte, sich durchzusetzen – wohl wegen des Bezugs zu einer politischen Strömung. Noch heute ist eher „Nachhaltigkeit“ der Begriff der Wahl, obwohl mittlerweile auch häufig von „grüner Chemie“ gesprochen wird.

Die zehn bzw. später auf zwölf erweiterten Prinzipien der Green Chemistry sind jedoch bekannt und kein Chemiker stellt diese weiter in Frage. Dazu gehören folgende Regeln:

  • Reaktionen sollten besser katalytisch und nicht stöchiometrisch durchgeführt werden;
  • Unproblematische Lösungsmittel, am besten Wasser, gelten als Mittel der Wahl;
  • Außerdem ist die Atomeffizienz ein wesentliches Beurteilungskriterium für die Güte und die Eleganz einer Reaktion.

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Die Prinzipien sind auch in der Hochschulausbildung angekommen: In vielen Fällen wurden die Praktikavorschriften durchforstet, „ungrüne“ Reagenzien und Reaktionsschritte eliminiert, die Einsatzmengen/Ansatzgrößen reduziert – auch sollte eigentlich jeder Chemiestudent schon einmal etwas von der Atomökonomie gehört haben. Die chemische Industrie bekennt sich eindeutig zum Leitbild der Nachhaltigkeit. Beginnend mit der Diskussion zur Umweltverträglichkeit von Kunststoffen wurde das Instrument der Ökobilanzierung immer stärker eingesetzt und ist heute ein Standardwerkzeug zum Vergleich verschiedener Prozess- bzw. Produktoptionen geworden.

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