Die 2003 hinzugekommenen zwölf Prinzipien der Grünen Verfahrenstechnik sind wesentlich weniger bekannt, da kryptischer formuliert. Trotzdem lohnt sich die Beschäftigung mit ihnen (siehe Kasten):
Sind die 12 Prinzipien noch zeitgemäß?
20 bzw. zehn Jahre nach diesen Publikationen werfen jedoch die großen Herausforderungen hinsichtlich Energie- und Rohstoffwandel vor denen Chemie und chemische Verfahrenstechnik stehen, die Fragen auf, ob das eine oder andere Prinzip relativiert werden sollte und ob nicht neue Prinzipien dazu kommen müssen.
Zwar fordern die Prinzipien der Grünen Chemie und der Grünen Verfahrenstechnik den Einsatz nachwachsender Rohstoffe – während jedoch früher der isolierte Ersatz einer petrobasierten Ausgangsverbindung durch einen Naturstoff im Vordergrund stand, sind die Konzepte heute wesentlich komplexer. Vor dem Hintergrund einer Minimierung des Ressourceneinsatzes diskutieren Verfahrenstechniker heute über Nutzungskaskaden und Verbundproduktion unter dem Stichwort der Bioraffinerie. Die Nutzung von Restströmen aus anderen Branchen, insbesondere der Lebensmittel- und Zellstoffproduktion, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Außerdem stellen Nutzungskonkurrenzen, einerseits mit der Lebensmittel- und der Futtermittelproduktion und andererseits mit der energetischen Nutzung von Biomasse, sowie Anforderungen von Gewässer- und Naturschutz ein Spannungsfeld dar, in dem sich die Chemie nur mit hocheffizienten Prozessen und hoher Wertschöpfung durch entsprechende Produkte wird behaupten können.