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Meilensteine der Industrie

Mutter aller Normpumpen

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Matthias Back

In einer Zeit, als jeder Hersteller seine Pumpen nach eigenem Gusto baute, entstand bei vielen Anwendern der Wunsch nach einer Norm, der alle Hersteller folgen sollten. Kurzerhand erhob man die Baureihe Eta von KSB zum Standard – und doch passt sie der Frankenthaler Hersteller für die Kunden individuell an.

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Die Produktion steht nicht still: Fast 80 Jahre nach der Einführung der ersten Generation ist die Etanorm-Pumpe immer noch gefragt.
Die Produktion steht nicht still: Fast 80 Jahre nach der Einführung der ersten Generation ist die Etanorm-Pumpe immer noch gefragt.
( Bild: KSB )

Ob Wasserversorgung, Kühlwasser, Feuerlöschanlagen, Beregnung, Brauchwasser, Kondensatentsorgung oder Heizung und Klimatisierung – für Millionen von Anwendungen muss man Wasser in Bewegung bringen. Dahinter steckt meistens eine Kreiselpumpe, oft eine Etanorm von KSB. Bis heute hat der Frankenthaler Hersteller über 1,2 Mio. Exemplare dieses Klassikers produziert. Wie kam es, dass die Baureihe eines Herstellers zum Standard für ein ganzes Marktsegment wurde?

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Bester Pumpenwirkungsgrad steht der Standardisierung entgegen

Hat ein Anwender sich auf einen gewünschten Förderstrom Q (in m³/h) und eine Förderhöhe H (in m) sowie die gewünschte Motordrehzahl n (in min–1) festgelegt, gilt es, die sparsamste Pumpe für seinen Einsatzfall auszuwählen. Theoretisch könnte man jetzt eine neue Pumpe konstruieren, um den besten Wirkungsgrad zu erzielen. Da das wirtschaftlich Unsinn wäre und einer massenhaften Verbreitung von Kreiselpumpen im Wege stehen würde, schufen die Konstrukteure das so genannte Raster. Dabei unterteilte man ein großes Q/H-Diagramm in viele kleine Felder und konstruierte für jedes Feld eine Pumpenbaugröße, die eine bestimmte Wirkungsgradtoleranz einhalten muss.

Die Feinabstimmung innerhalb des Feldes lässt sich dann über den Laufraddurchmesser erreichen. Damit lässt sich die optimale Förderhöhe bei einer einstufigen Pumpe erheblich variieren. Wenn man nun mit festgelegten Baugrößen einen bestimmten Bereich von Förderstrom und -höhe abdeckt, kann man die Pumpen in einer größeren Stückzahl produzieren. Und mit den höheren Stückzahlen lassen sich auch die Kosten senken. Auf diese Weise war es möglich, jedem Kunden eine individualisierte Pumpe zu liefern und trotzdem ein hohes Maß an Standardisierung in der Fertigung zu erreichen.

Jede Normpumpe durch Abdrehen des Laufrades individuell angepasst

Dabei ist diese Feinabstimmung eine große Aufgabe für die Produktionsorganisation von KSB: Bei jeder Pumpe kann der Kunde den Außendurchmesser des Kreiselpumpenlaufrades durch Abdrehen an den Betriebspunkt anpassen lassen. So wird es möglich, die verlangten Förderhöhen innerhalb einer Pumpenbaugröße durch unterschiedliche Laufraddurchmesser zu erreichen – was wiederum viel Energie spart: Der Laufraddurchmesser geht in der vierten Potenz in die Leistungsaufnahme ein.

Diese Individualisierung bedeutet aber auch eine große Komplexität. Welchen Herausforderungen KSB dabei gegenübersteht, zeigte der Wettbewerb „Best Innovator“ der Unternehmensberatung A.T. Kearney und der Wirtschaftswoche. Im Jahr 2008 konnten die Frankenthaler sich den Preis in der Sonderkategorie Komplexitätsmanagement sichern. Gewürdigt wurde die Fähigkeit, mit vergleichsweise geringem internen Aufwand eine hohe Zahl von Produkten in unterschiedlichen Ausführungen, Größen und Werkstoffen herzustellen.

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