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Exklusiv: Risiko Turnaround

Monte Carlo für Ingenieure: So geht Risikomanagement im Turnaround

| Autor/ Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Nur wer das Risiko kennt, kann es beherrschen. Projekte mit zehntausenden Einzelkomponenten, hunderten Mitarbeitern und Millionenbudgets bieten mehr als genug Fallstricke. Trotzdem muss der Anlagenstillstand nicht zum Glücksspiel werden: Die 11. TAR-Jahrestagung in Potsdam veranschaulichte Methoden des Risikomanagements und erklärte, was Ingenieure in Monte Carlo und von Piloten lernen können …

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Nichts geht mehr – die Kugel rollt … Was bei abgebrühten Zockern für leuchtende Augen sorgt, muss im Stillstandsmanagement wahrlich nicht sein. Immerhin geht es hier um ungleich höhere Einsätze: Wenn Großanlagen auf den Prüfstand kommen, steht die gesamte Produktion. Hunderte von Arbeitern, Spezialmaschinen und logistische Herausforderungen verschlingen schnell Millionenbeträge. Schon kleine Fehler und Verzögerungen können zu mehreren Tagen zusätzlichem Produktionsausfall führen.

Für Spielernaturen ist im Turnaround kein Platz – so viel wurde auf der 11. Jahrestagung der Turnaround-Spezialisten in Potsdam klar. Die Veranstaltung der Managementberater von T.A. Cook hatte etwa 250 Experten aus allen Bereichen der Anlagenrevision in die preußische Hauptstadt gelockt: So gaben Betreiber aus Raffinerien und der Petrochemie ebenso wie Engineering-Spezialisten, oder Ausrüstungshersteller Einblicke in Best Practices und Trends im Stillstandsmanagement.

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(Planungs-)Sicherheit ist Trumpf!

Kein Wunder, dass angesichts immer komplexerer Stillstände das Thema Planungssicherheit ganz oben auf der Agenda stand: Risiken, wie sie zum Beispiel von verschlissenen Teilen ausgehen, müsse man einplanen, erklärte Reinhard Kroll, Geschäftsführer der Total Mitteldeutschland. Auch bei den über 30 000 Positionen eines Raffineriestillstands müssten noch Kapazitäten für kurzfristige Maßnahmen reserviert werden. Denn ganz egal was die Betriebsmannschaften sagen: „Wir optimieren nicht die Produktion, wir optimieren den Turnaround!“

Das macht auch T.A. Cook Berater Gert Müller deutlich: Grundsätzlich, erklärt der Experte für Anlagenstillstände, sind Turn- aroundplaner zwischen zwei Polen hin- und hergerissen: Einerseits soll die Revision schnellstmöglich vonstatten gehen, da jeder Tag Stillstand durch verlorene Deckungsbeträge immense Kosten verursacht. Wer aber zu knapp plant, kann sich erheblichen Zusatzkosten oder unkalkulierbaren Produktionsausfällen gegenüber sehen. Wenn dann Kunden den Betreiber in Regress nehmen, oder sich bei der Konkurrenz umsehen, steht über Jahre aufgebautes Vertrauen auf dem Spiel.

Also doch auf Nummer sicher? Müller winkt ab: Wer jegliches Risiko ausschließen will, kann keinen ambitionierten Zeitplan aufstellen. „Schon kleine Ursachen, wie unzureichendes Materialmanagement, können große Effekte haben – einfach weil das Volumen der Stillstände und die Anzahl der Beteiligten oft sehr groß ist!“ Es bleibt ein Abwägen zwischen Sicherheit und Ehrgeiz: Scope, Terminplan und Ressourcen müssen in ein genau austariertes Verhältnis gebracht werden, bei dem der Gewinn maximiert und das Risiko minimiert wird.

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